Wie viel Individualismus darf es sein?

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Der Individualismus nimmt in unserer Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert ein. Unser Lebensziel ist die Selbstverwirklichung. Nur wenige Geister wissen, was dieses Selbst, das verwirklicht werden soll, eigentlich ist. Gleicht das angestrebte Selbst einem Artefakt, das nur ausgebuddelt werden muss? Oder sollten wir am Selbst so beharrlich arbeiten, wie es nur ein Graveur, ein Uhrmacher oder ein Steinmetz tun können? Und – endet das Ziel im Einklang mit sich oder ernährt er lediglich den Widerspruch? Die Selbstverwirklichung diente einst dem Aufbau der Persönlichkeit im Bereich beruflicher Entfaltung. Mittlerweile hat sie an Eigengynamik zugenommen und das Aussehen eines komplexen Mosaiks erreicht. Selbstverwirklichung umfasst unsere Ernährungsgewohnheiten, spirituelle Haltungen und das weite Gebiet der Sexualität.

Die Mode hilft ebenfalls bei der Selbstsuche und bietet viele Möglichkeiten, die eigene Individualität auch äußerlich zu betonen. Corona hin, Corona her. Nicht wenige Modehäuser bieten Trenchcoats, Accessoires, Schals und dazu Parfumflakons auf Wunsch mit persönlichen Monogrammen an. Gleiches gilt für die zahlreichen Sportmarken, darunter Nike und Adidas. Farbe, Material, Muster und Symbole können frei kombiniert werden. Nehmen wir als weiteres Beispiel Schuhe. Bei Prada können wir zwischen unterschiedlichen Formen, Materialien, Farben, Absätzen und Sohlen auswählen.

Jetzt zeigt es sich, wie schwierig es mit der Individualität in der Mode ist. Wir ziehen uns nicht an, um unsere Einzigartigkeit zu betonen, sondern weil wir dazugehören möchten. Mode verbindet uns. Ich kaufe mit der Hoffnung, dass, was mich reizt, anderen Menschen ebenso gefällt. Damit findet aber die Individualität in der Mode ihre Grenzen. Mode bringt offensichtlich Individuen zusammen, damit sie sich nicht einzeln auflösen.

Ebenfalls interessant zu untersuchen wäre es, ob die Ich-Gesellschaft im Zeitalter digitaler Endgeräte (Laptops, Tablets, Smartphones) nicht ein weiterer Individualismus-Killer ist. Wie immer wir auch in Zukunft kommunizieren werden. Ohne ein ICH und ein DU wird es nicht gehen, ganz gleich, ob wir verbal oder nonverbal kommunizieren. ALLES ist KOMMUNIKATION!

(c) Olaf Lüken (12.04.2021)

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Kommentare

12. Apr 2021

Hier klappt die Kommunikation:
Bertha BRÜLLT!!! - von mir kein Ton ...

LG Axel

12. Apr 2021

Nun lieber Olaf,

dem kann ich nur beipflichten, denn wie arm wäre der Mensch im Geiste, wenn alle uniform wären nur um schön brav konform zu sein. Das macht doch gerade den Reiz der Sache an und für sich aus, ein jeder hat seine individuellen Fähigkeiten, Eigenheiten, Vorlieben, Talente und manche verstehen es sogar, sie entsprechend zum Einsatz zu bringen. Diejenigen die lieber im Strom des Einheitsbreis einherschwimmen mögen, nun ja, die werden wohl trachten müssen nicht unterzugehen dabei.

Ob es ein Kunstwerk, eine Skulptur, in der Malerei oder Musik, oder eben auch nur in einem schlichten Gedicht ermöglicht wird, der Persönlichkeit individuellen Ausdruck zu verleihen, das ist es doch, was uns vom Herdentier unterscheidet - die meisten oder vielleicht aber auch nur einige ganz wenige unter uns, immer in jeweiliger Betrachtungsweise!

Liebe Grüße in Deinen Abend - Uschi

13. Apr 2021

da stimme ich gerne zu!

LG Alf