Wovon ich träume

Bild von theowleman
Mitglied

Ich träume von einem Marsch ans Mittelmeer. In Wien erledige ich den Einkauf von Proviant und Ausrüstung. Pläne werden eifrig vor dem Einschlafen geschmiedet. Ja, ich hab mir bereits eine Route zurecht gelegt. Zu Fuß will ich ein neues Stück Welt entdecken. Egal wo, am besten jedoch in Italien. Mein Ziel ist das Mittelmeer. Ich möchte nach wochenlangem Marsch dem Boden entfliehen und meinen erschöpften Körper in das salzige Wasser der Adria legen. Das Meer zieht mich an. Ich will die Wellen spüren, mit ihnen eine Weile mittanzen. Ich stelle mir diesen Moment der Ankunft sehr befreiend vor. Die Last der gesammelten Eindrücke wird dann von mir abfallen. Die Besteigung eines hohen Berges muss ein ähnliches Gefühl sein. Nur zu Fuß kann man die Welt in ihrer Gesamtheit begreifen, davon bin ich überzeugt. Das Tempo eines Fußgängers ist die natürlichste Geschwindigkeit für das menschliche Gehirn. Ich will tagelang nichts anderes tun müssen, als einen Fuß vor der anderen zu setzten. Sich selbst in Bewegung halten, eine Lebensaufgabe an sich. Als Weitwanderer gehört man der Landschaft. Man geht nicht in ihr auf, sondern formt sie. Nichts einfacher als der Aufbruch. Von Wien nach Italien, um mir selbst wieder nahe zu sein. Mehr will ich nicht.

Frederic Edwin Church - Das Mittelmeer
Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise