Frühling im Herbst

Bild von Esteva Hara
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Mit Macht brechen die Sprossen
aus den hölzernen Armen der Bäume und Büsche,
sprießen zarte Triebe
aus der harten vertrockneten Wintererde.

Unter großen Schmerzen gebiert die Natur.
Jahr für Jahr spürst du schmerzhafter,
wie weiteres Leben um dich herum entsteht
welches sich immer fremder anfühlt.

Mit jeder Sekunde,
in der du deinem körperlichen Ende entgegen wandelst,
erlebst du dieses Erwachenschauspiel
unter größeren Qualen und Erkenntnissen.

Alles um dich herum verändert sich.
Was früher leicht erschien,
lastet nun tonnenschwer auf deinen Schultern.
Als würdest du den Wahnsinn der ganzen Welt tragen.

Gebückt, mit schmerzenden Gelenken
schleppst du dich durch das Geschrei der Frühlingsvögel,
welche dir vom kranken Verfall
der einst so üppig blühenden, gesunden Natur künden.

Das Wissen um die große All-liebe
ziehst du hinter dir her,
wie einen voll beladenen Schlitten,
auf dem sich etliche Ego-Lieben abgeladen haben.

Nur die in dir hatte die Stärke,
das Frühjahrserwachen von Jahr zu Jahr zu überstehen.
Der Ego-Schlitten schleift auf trockenem Boden
über staubige Wege steil bergauf.

Es scheint überhaupt nur noch Gebirge zu geben.
Müde und staunend schaust du dich um
und suchst die so viel besungene Leichtigkeit des Seins wiederzufinden,
die irgendwann einfach zurück geblieben war.

Die Augen trübe, tränend, der Atem kurz und pfeifend,
das spärliche Haar silbern ergraut,
stolperst du Tag ein Tag aus über vermüllte Pfade,
welche vergiftete Landschaften durchziehen.

Doch es gibt kein Entrinnen,
dessen bist du dir erleichtert bewusst.
Auflösung, Wandlung wird kommen
und ewiges Leben in einer anderen Dimension.

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