Mein süßes Lieb, wenn du im Grab

von Heinrich Heine
Aus der Bibliothek

XXXII.

Mein süßes Lieb, wenn du im Grab,
Im dunkeln Grab wirst liegen,
Dann steig’ ich langsam zu dir hinab,
Und will mich an dich schmiegen.

Ich küss’, ich umschlinge, ich presse dich wild,
Du Stille, du Kalte, du Bleiche!
Ich jauchze, ich zitt’re, ich weine mild,
Ich werde selber zur Leiche.

Die Todten stehn auf, die Mitternacht ruft,
Sie tanzen im luftigen Schwarme;
Wir beide bleiben in der Gruft,
Ich liege in deinem Arme.

Die Todten stehn auf, der Tag des Gerichts
Ruft sie zu Qual und Vergnügen;
Wir beide bekümmern uns um nichts,
Und bleiben umschlungen liegen.

Veröffentlicht / Quelle: 
Buch der Lieder, Lyrisches Intermezzo, S. 136; Auflage 1; Hoffmann und Campe 1827

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Kommentare

05. Mai 2017

Ich mag den Heine wirklich sehr,
doch was er hier gezaubert,
das lese ich bestimmt nicht mehr,
es hat mich nicht verzaubert!
Dass man das lesenswert empfindet,
dafür fehlt mir auch der Verstand,
wer in der Totenruhe sich befindet,
mit verwesender Leiche, fand`s allerhand !

Dein ansonsten treuer Freund

ALFRED

05. Mai 2017

Oje, sehr makaber. Da hat es den Heinrich Heine mächtig gepackt. Bis in den Todt hinein. Ich mag ihn sehr, doch hiermit komm ich nicht überein.
LG Monika

05. Mai 2017

Mein sußes Lieb, wenn du im Grab, ¨
Im dunkeln Grab wirst liegen,
Dann will ich steigen zu dir hinab,
Und will mich an dich schmiegen. -
Ich kusse, umschlinge und presse dich wild, ¨
Du Stille, du Kalte, du Bleiche!
Ich jauchze, ich zittre, ich weine wild,
Ich werde selber zur Leiche. [. . . ] “10
Die romantische Liebe geht uber den Tod hinaus. Das Gedicht ¨ uberschreitet die ¨
Grenzen des Irdischen und schließt auch die Darstellung des toten K¨orpers mit ein.
Fur Novalis wird der kranke K ¨ ¨orper zu einer Erfahrung von Transzendenz und elementarer
Individualit¨at. Dazu Roder in seiner Novalis-Monografie:

Krankheiten, k¨onnte man sagen, geh¨oren zur Erziehung des Menschengeschlechts.
Sie f¨ordern die Ich-Entfaltung, indem der Mensch an ihnen innerlich
erstarkt; und sie setzen im Mitmenschen Barmherzigkeit, Zuwendung
und Liebe frei.“11

Wenn ich das beherzige, liebe Monika, bin ich bei Dir, Aber es fällt mir schwer !

LG
Alfred

05. Mai 2017

Schüler sind an mich heran getreten, um mich zu bitten, wie ich das Gedicht von Heine interpretieren würde, weil sie dazu nicht in der Lage wären. Sie mögen wahrscheinlich meinen Text gelesen haben. Ich habe ihnen die Novalis Monografie vorgespielt, aber sie können sich damit nicht begnügen. Wenn sich schon junge Menschen Gedanken machen, weil sie in der Schule das Heine Gedicht interpretieren sollen, dann lässt das aufhorchen. Ich selbst stamme aus einer Zeit, In der Heine ohnehin verpönt war, um nicht zu sagen verboten. Ich habe Heine - Gedichte noch unter der Bettdecke gelesen. Das Buch stammte von meiner Mutter, die es mir erlaubte. Mir haben sie gefallen, weil ich schon in früherer Jugend dafür empfänglich war. Mein süßes Lieb,,,,,kannte ich nicht. Aber die Sympathie für Heine hat sich erhalten. In seiner Heimatstadt Düsseldorf hat das länger gedauert.
Eine Liebe, die verstorben ist, hat für mich eine andere Bedeutung. Ich käme nie auf die Idee, dass sie andere Wege gehen würde, wie es bei Heine der Fall war. Das ist die Crux, warum ich es pietätlos anders empfinde.
Und nun will ich es aber ad acta legen und mich wieder mit anderen Sachen beschäftigen.

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