Die Linde

von Jürgen Wagner
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Im Dorf, da stand sie in der Mitte
Was immer einer jemals litte
Was immer einer auch getan
Hier ist die Zuflucht - hier ist man dran

Sie ist der Ort, wo man sich küsst
Hier ist der Ort auch des Gerichts
Hier ist der Platz, wo man sich trifft
Der träumen lässt, der einem hilft

Sie lindert einen tiefen Schmerz
Die Blätter zeigen an das Herz
Die Linde, sie lädt jeden ein
In ihrer Nähe gern zu sein

Ihr Duft macht einen ganz betört
Nicht nur Insekten, wie man hört
Mit ihrer sanften, linden Kraft
Ist sie ein Baum, der Frieden schafft

Die Linde ist in Europa heimisch. Der Baum wächst bevorzugt dort, wo er von Menschen angepflanzt wird: auf Dorfplätzen, an Strassen, Alleen und Parks oder auf Wiesen. Wild kommt die Linde in unserem Land eher selten vor.

Bei den Germanen und den Slawen galt die Linde als heiliger Baum. Für uns ist sie ein Baum, der schon lange eine besondere Stellung einnimmt. Sie steht - im Gegensatz zur Eiche - für Weiblichkeit, Lieblichkeit, Fruchtbarkeit, den Sommer, Frohsinn, Schönheit und Liebe. Früher gab es im Dorfkern oft eine große, weit ausladende Linde, die Treffpunkt war und als „Tanzlinde“ für Trauungen oder auch als Gerichtsbaum genutzt wurde. Sie war der Baum der Zusammenkunft und des Austauschs von Nachrichten. Viele Orte, Familiennamen, Gaststätten sind nach ihr benannt. Ihre heilenden Kräfte erfährt man direkt in ihrer Nähe, aber auch im Lindenblütenhonig und dem Teeaufguss der Blüten, der gegen Erkältungskrankheiten hilft. Selbst nach Kriegen hat man sich an sie erinnert und pflanzte sog. ‚Friedenslinden’.

Veröffentlicht / Quelle: 
Aus 'Baumgedichte' - Berlin 2014
Foto: © Serkat fotolia

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Rezitation: Sprache, Musik und Aufnahme: Jürgen Wagner
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