Der Marabu

von Jürgen Wagner
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Der Marabu, der Marabu
Der schreitet würdig immerzu
Auf hohen Beinen er stelziert
Ich meine fast, er hat studiert

Schwarzblauer Frack und weiße Beine
So weite Schwingen, Federn feine
Mit rotem Schopf und langem Schnabel
Als stamme er aus einer Fabel

Der Storch frisst meistens tote Tiere
Sehr nützlich! - wozu ich tendiere
Auf Menschen wirkt er hässlich, komisch
Die Dichterwelt verulkt ihn chronisch

Im Zoo, da siehst Du - und entspannst!
Es ist ein Tier fast ohne Angst
Mit Weite es und mit Bedacht
Sich nicht so schnell ein Urteil macht

2017 - Der Marabu ist die größte Storchenart. Sie ist in Afrika und Südostasien verbreitet. Er hat wie die Geier ein schlechtes Image, da er hauptsächlich von Aas lebt und aus hygienischen Gründen keine Kopffedern hat. In manchen Gegenden kommt er bis an die Häuser der Menschen. Wenn er bittet, bekommt er oft auch etwas, denn er beseitigt überall viel Abfall und Kadaver und frißt Schädlinge. Zur Paarungszeit bläht er seinen Kehlsack auf, der eine rötliche Färbung annimmt. Sein gemessenes Schreiten und seine riesige Flügelweite bis zu 3 m machen ihn zu einem sehr individuellen Wesen, dessen Klugheit Jäger erfahren, da er die Schußweite ermessen kann und sich stets jenseits ihrer aufhält.

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Kommentare

10. Apr 2017

Auch wenn Dein Marabu schöner schreitet, eitel ist er nicht, frißt er doch Aas und hat keinen Scheitel.

LG Ekki

10. Apr 2017

Wenn er in der Paarungszeit seine rote Kehle aufbläht, will er sich natürlich auch von seiner besten Seite zeigen .... Er hat für meine Empfinden wie die Geier auch eine große Ruhe und Erhabenheit - vielleicht deshalb, weil man tote Nahrung immer findet, lebende sehr viel schwieriger. Das hat natürlich seinen Preis - die Abstriche gibt es in der Ästhetik - und in der Energetik. LG! Jürgen

10. Apr 2017

Vielen Dank für das schöne und zugleich informative Gedicht mit Video. Das hab ich mir gerne angeschaut. Und noch weitere Videos.
LG Monika

10. Apr 2017

Ich habe mir auch manche Texte und Filme angesehen, weil ich es auch mal wissen wollte. Da waren schlimme Satiren und Gedichte dabei wie

Wozu braucht man den Marabu
Er ist nicht schön wie ich und du
Ein Schnabel der nicht singt, nur hackt
Der plumpe Körper seltsam nackt
Auf wackeligem Rentnerbein
Die Augen trübe, müde, klein
Am Hals zerrupft, voll Leichenflecken
Als wollte er uns gleich verrecken –
Hätt den mit Absicht wer gemacht
Den hätte man wohl ausgelacht
Wozu also den Marabu
Wahrscheinlich nicht für mich und du

Man wird einem Wesen einfach nicht gerecht, wenn man nur auf den Augenschein geht. Danke und lG! Jürgen

Jolanthe
10. Apr 2017

Danke, dass und wie uns hier wieder ein entfernt lebendesTier gewürdigt und uns empathisch nahe gebracht wird! Schön auch, wie die Poesie selbst hier so wunderbar "stelziert"! Und danke für erhellende Einsicht, dass Aasfresser sich ruhiger bewegen konnen!

Frage mich, ob jede Tierart von Aussehen und Lebensweise her eigentlich eine generelle Botschaft für uns Menschen hat - weshalb wir dann auch verarmen würden, wenn sie ausstirbt. Oder ob eine Tierart von jedem Menschen anders gesehen und interpretiert wird. Und ist irgendwo noch etwas über die Wortbedeutung des Namens Marabu zu erfahren?

Mit herzlichen Abendgrüßen! Jolanthe

11. Apr 2017

Danke für die Ideen und Anfragen. Der Marabut ist ein muslimischer Einsiedler. Das hat man in dem Vogel und seinem stillen Schreiten gesehen. Das wusste ich selbst auch nicht - macht aber Sinn.

Man kann eine Botschaft hören, würde ich denken. Es gibt allerdings Gesellen wie der Asiatische Eschenprachtkäfer, der ganze Baumbestände vernichtet, die mir einfach zu destruktiv ist, wo ich keine Lust habe, groß hinzuhören.

Man kann Tierarten schon verschieden interpretieren, aber man muss seine Perspektive auch mit der Realität abgleichen. Ich habe 'hässliche' Bilder dieses Vogels gesehen, aber auch sehr schöne. Nur durch ein wunderbares Foto eines Marabupärchens bin ich überhaupt auf die I'dee gekommen, darüber heute was zu schreiben.

Herzliche Nachtgrüße! JW

10. Apr 2017

Mir ist der Vogel nicht suspekt,
er ist auch noch nicht angeeckt,
an meinen Vogel, den ich habe,
deshalb mach ich hier kein Gehabe,
Der MARABU ist mir sympathisch,
denn schon sein Gang, aristokratisch !
Mein Vogel ist ihm unterlegen,
der MARABU macht uns verlegen !!

LG
ALFRED

11. Apr 2017

Danke, Alfred, für diesen Vers! In einem Märchen wird einmal erzählt, ein König habe einen (singenden) Vogel in seiner Brust (den er dann verliert und erst wiederbekommen muss). Das ist vielleicht ein besseres Bild als der Vogel im Kopf, das bei uns üblich ist. Trotzdem: etwas ver-rückt muss man schon sein, wenn man etwas aus einer nicht-üblichen Perspektive wahrnehmen will. Mit Grüßen! Jürgen

Jolanthe
11. Apr 2017

Großartig, dass auch noch der innere Vogel des Menschen ins Gespräch kam! Es ist bedauerlich, dass im Deutschen der Vogel im Kopf etwas so Negatives bedeutet! Im erwähnten griechischen Märchen "Der Vogel in des Königs Brust" steht er für jenen Seelenanteil, der Kontakt aufnehmen kann zum göttlichen Licht. Auch sonst wird der Vogel als Symbol für Geist und Seele gesehen, auch für Intuition, Inspiration und Ideen.

Könnte unser innerer Marabu stehen für eine gelassene, stille Seite von uns, die in sich selbst ruht? Und haben wir auch einen inneren Marabu in uns, die tatkräftig für andere Menschen Ungutes, Totes, Überholtes beseitigt? Und breitet unsere Seele auch einmal weite Marabuflügel aus, um sich über den Alltag zu erheben?

Mit Vogelgrüßen! Jolanthe

12. Apr 2017

Ich glaube, das hängt an der Nahrung. Wer sich von Lebendigem nährt, nimmt die Lebenskraft auch direkt in sich auf. Wer Totes isst, bekommt sehr viel weniger Energie von der Nahrung und muss etwas ruhiger und behäbiger sein. Wenn w i r kraftvolle und frische Nahrung zu uns nehmen, sind wir auch vital und lichtvoll. Essen wir Altes und Wertloses, drängt es uns ins Unbewusste und Schwere. Der Marabu gleicht das aus durch seine großen Schwingen, mit denen er lange hoch kreisen kann - so scheint es mir. In den Zoos, wo er kaum fliegt, wirkt er wie gebannt.

Ähnlich ist es ja auch in dem besagten Märchen, dass ein starker Zauber einen todesähnlichen Schlaf um den geraubten Vogel gelegt hat. Bis man seine Lebensfreude wiederfindet, braucht es manchmal einen weiten Weg. Grüße zum Mittag! JW