Ich wär gerne eine Pflanze

Bild von Willi Grigor
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Der Mensch war stets ein suchend Wesen
mit einem wahren Superhirn.
Er lernte denken, schreiben, lesen
dank diesem Ding hinter der Stirn.

Der Mensch muss ständig was verbessern,
er überlegt und plant und baut.
Er muss dämmen und entwässern,
was es nicht gibt, muss er erfinden,
wenn etwas lose ist es binden,
wo nichts es gibt, er dennoch schaut.

Jetzt geht sein Blick auch steil nach oben,
wohl alles ist ihm zuzutraun.
Er sucht sich einen Platz da droben,
um eine neue Welt zu baun.

"Es kann dem Mensch sogar gelingen"
- sagen manche heimlich, still -
"sich vorher selber umzubringen."
Die Frage ist, ob er das will.

*
Das Tier ist auch ein suchend Wesen,
es sucht nach Nahrung immerfort.
So ist es immer schon gewesen,
im Notfall wechselt es den Ort.

Ansonsten hat es keine Eile,
stattdessen jede Menge Zeit.
Es kennt nicht Kurz- und Langeweile,
weiß nichts von gestern oder heut.

*
Ich selbst wär gerne eine Pflanze,
am liebsten dieser stille Baum,
der furchtlos steht wie eine Lanze,
den Laute, Fortschritt kümmern kaum.

Er steht so treu an gleicher Stelle,
wohin ein Samenkorn einst flog.
Er ist wie eine Lebensquelle,
die auch nie in die Fehde zog.

© Willi Grigor, 2016
Aus dem Leben

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Kommentare

12. Aug 2016

Alfred hat dazu ein solch anerkennendes Gedicht geschrieben, da kann ich mich nur anschließen.
Auch ich hab mit Vergnügen "Ich wär gern eine Pflanze" gelesen.
LG Monika

13. Aug 2016

Hier entsteht in der eigenen Vorstellung ein ruhiges, ausgeglichenes Bild, welches eine stille Freude aufkommen lässt!
Das tut gut!
Liebe Grüße Alfred

13. Aug 2016

Danke Alfred M., Monika und Alfred K. für eure freundlichen Worte.
Schönes Wochenende wünscht aus der Ferne
Willi