Spät ist es

von marie mehrfeld
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Die stete Sicht auf Glück, das einstmals war, vergesst sie bloß, denn man kehrt nie zurück in jenen warmen Schoß, nun ist der Mond der Koffer, die niemandem gehören und der Verspätungen, die nicht mehr stören, der fremden Orte, nie gewagten Worte, seid nicht so träg, Gedanken, biegt Euch weit, und auch ihr Bücher, schreit

eure Wut ins blaue Nichts, sitzt zu Gericht mit dieser Welt, vermehrt Euch, Kröten, unkt, dass es laut gellt, bei Tag und Nacht, ihr habt die Macht, wir brauchen Wandel, rüttelt die Menschen aus dem Schlaf, bringt sie zum Handeln und weckt sie auf, dass Frieden werde, rettet die Erde, und Du, rück nah zu mir, dass ich Dich mag, das sag ich Dir,

wir brauchen Liebe jetzt und Zärtlichkeit, halten uns warm, nehmen uns schützend in den Arm, Nacht ist es und mein Herz klopft laut, ich öffne meine Augen, wache auf, ich atme kaum, denn es war mehr als nur ein böser Traum, und es ist wichtig, dass ich’s sag, es ist die Wahrheit, auch am Tag, selbst in der Sterne Zeichen kannst Du es lesen,

ja, dunkle Tage sind, und Du, Du bist allein mit jenem Kind, das Du gewesen, spät ist es, ich verlass mein Haus, flieg aus mir selbst heraus, lass mich herab am Seil, gewebt aus trocknen Tränen, ganz tief hinab ins Tal des Sehnens, und, der Vergeblichkeit zum Trotz, nach hellem Licht, sich tief Versenken, und auch dem Hoffen, ER wird es lenken.

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Kommentare

14. Okt 2018

Du hast recht, liebe Marie. - Aber welche Kröten meinst Du ... die im Portemonnaie? Die können sich meinetwegen bisschen vermehren. Die anderen auch, lass sie nur unken, Hauptsache, nicht betrunken. Muss bald mein Lieb besuchen, braucht er nicht mehr zu fluchen, ist ja nicht weit, braucht nicht viel Zeit, ER wird mich begleiten, damit nichts passiert. Ja, wir brauchen Liebe und keinen Streit, können nur hoffen: Hast mit den Zeilen den Nagel exakt auf den Kopf getroffen. Danke fürs Schreiben, der Text kann so bleiben. Er ist saugut und schürt keine Wut.

Liebe Grüße,
Annelie

15. Okt 2018

Danke. Hauptsache saugut. Schürt keine Wut ... unterschreibe ich nicht, Wut wäre gut, sie weckt Aktivitäten, und die Kröten mit ihrem Unken, Unken, Unken, von denen könnten wir lernen, sie unken im Kollektiv, laut und ohne Unterbrechung, vielleicht meine ich das, ich weiß es nicht, die Kröten entstanden spontan. Danke auch dafür, dass der Text so bleiben darf ... und liebe Grüße zu Dir, Annelie
Marie

15. Okt 2018

Doch der Appell, er nützt nicht viel,
da ist Bequemlichkeit im Spiel …

LG und danke, Axel
Marie

14. Okt 2018

Trotz Unkenrufen
wirkt zur Nacht
Ein wenig tröstlich
dieses altbekannte Sehnen
wie der Nähe Zuversicht
scheint mehr als nur ein Traum...
LG in die Dunkelheit Yvonne

15. Okt 2018

Ja, das altbekannte Sehnen,
ob nun mit, ob ohne Tränen …
wiederholt sich immer wieder,
stets die altbekannten Lieder?
Und das mit der Zuversicht …
ohne sie, da geht es nicht.
Unkenrufe sollten SCHALLEN –
überall und von uns ALLEN.
Und daran sei auch gedacht –
HANDELN wäre angebracht.

Danke und liebe Grüße zu Dir zurück, liebe Yvonne,
Marie

15. Okt 2018

Hallo liebe Marie, ein guter Freunde sagte mir mal: Ja, es gibt ein Paradies, und es heißt "Kindheit" und wir wurden draus vertrieben,

Jene Zeit kommt nicht mehr zurück, doch all die Erlebnisse und Entscheidungen und Wahlen die ich als Kind traf, alles was mir Gutes ( und sChlechtes, in punkto Enttäuschung oder kompletter Entmündigung) widerfuhr, ist in mir abgespeichert. Ich WAR nicht das kind, ich BIN das Kind .
Und manchmal , wenn ich so empfinde wie deine Zeilen es beschreiben, dann gehe ich in mich und treffe mein inneres Kind und dann geht es mir gleich viel besser

Ein sehr sehr gutes Gedicht, liebe Marie
lG
Anouk

15. Okt 2018

Danke, liebe Anouk. Ich nehme mein inneres Kind, das zu seiner Zeit viele Defizite verkraften musste, sehr bewusst wahr. Nehme es in den Arm, grenze mich aber auch von ihm ab, wenn es zu fordernd ist. Für mich war es heilsam, die Existenz dieses kleinen Mädchens in mir zu entdecken. Der Inhalt des Gedichtes zielt aber eher darauf ab, dass wir uns aufraffen und viel mehr anstrengen müssen, um diese schöne Welt für unsere Nachkommen zu erhalten, ein Thema, das nicht nur mich gefangen hält.

Liebe Grüße zurück - Marie

15. Okt 2018

ZDF info zeigte gestern „Hitlers Reich privat“ und auch ansonsten laufen auf den Privatsendern unheimlich viele Berichte und Dokumentationen zum und über den Krieg. Es gibt die Gedenktage, den Schulunterricht, die Nachrichten und doch prallt scheinbar alles an uns Menschen, vor allem an denen, die vom Krieg nicht betroffen waren/sind, ab. Wir können nur durch Wahlen und Demonstrationen die Stirn bieten gegen Unrecht, Ausgrenzung, Bevormundung und desto mehr mitmachen umso erfolgreicher wird es. Wie gerade letztes Wochenende gesehen, die Großdemo „#Unteilbar“ mit 240 000 Menschen, gegen Rassismus und Hass.Das ist bemerkenswert und macht (mir) Hoffnung …

Sei lieb gegrüßt Marie
Soléa

15. Okt 2018

Danke für diese inhaltsreiche Rückmeldung zu meinem Prosagedicht, liebe Soléa. Auch ich schaue mir alle nur möglichen Berichte, Dokumentationen über den Krieg an – und über den Klimawandel. Die Alten, die den Krieg erlebt haben, warnen, aber für viele Menschen aus der nächsten und übernächsten Generation ist „Krieg bei uns“ ganz weit weg. Und Du hast Recht, man kann sich über den Zulauf zu der Sammelbewegung „Unteilbar“ , Solidarität statt Ausgrenzung über Parteigrenzen hinweg nur freuen, das macht Hoffnung. Ähnliche Großdemos sollten auch „pro Umwelt“ stattfinden. Umdenken, handeln. Jede/r für sich kann damit beginnen. Ich bemühe mich, es ist gar nicht einfach, zurück zu schalten, Gewohnheiten aufzugeben …
herzliche Grüße zu Dir zurück - Marie