Vogel Gefängnistier

von Karl Hausruck
Mitglied

Vogel Gefängnistier.

Vogel Gefängnistier, zusammen bringt nichts.
Schlag vor, jeder zieht zurück, die Muschel, das Meer.

Redet, wiederholt, was hat er? schweigen.
Augen flattern, Aderngas, bis zum Schluß bleiben.

Geheimnis Tod.

Geheimnis Tod, spürt es schon, je wie es steht.
Ob es drängt.
Süß verlockend oder kühl ängstigend.
Ein Leben ist da nie.

Tod ruft Kindheit an, zuerst entsetzt.
Nähern uns, halb gezogen, halb gesucht.
Dahinter kommt.
Endloser Schlaf tilgt Bedürfnis.
Liegt da, unendlich müd.

Immer trautrer Begleiter, er gibt sich dann Liebe.
Viele lassen früh ein.
Genuß, kleine Betäubungen.
Beschleunigt Leben.

Wann wird noch wahr.

Wann wird noch wahr? nie dem Gekerkerten.
Nichts zielt hinaus.
In der Festung einrichtet, dann fortgeräumt.
Andere warten schon, Platz nehmen.

Dasein zum Zerfall, folgenloser Genuß, was ist das?
Chemische Wiederholung.
Kerker sprengen Selbstmord.
Aufrechterhalten, dicht halten.
Leben.

Mit dem Haar der Göttin.

Mit dem Haar der Göttin, komm voll Verlangen.

Hier erschöpft liegen, gelähmter Glieder Gewicht.
Über dem Leib, der nicht mal selbst sich trägt, unendliche Massen.
Erschöpfter Seele, die kaum noch glimmt, rundum Macht.

Vergewaltige, gib alle Kraft, dem letzten Rest, tränk den Tod, mit Liebe.
Der Verstorbene steht, noch lang an der Schwelle.

Den Rücken gegen die drängende Tür.
Starrt ohne Hoffnung auf letzten Spalt.
Ende währt bis zum jüngsten Tag.
Starr im Lehmstrom, der über die Kante bricht.

Nichts als Leben das Ziel, aber nicht rufen.
Keiner hört, keiner rettet.
Lächerlichkeit, schlimmer als Tod.
Täglich absterben, blutleer, Seele, Haare und Nägel.

Haar der Göttin, Blutwasserfall Liebe, überflute.
Der hat keine Kraft mehr, zur Sehnsucht, Endstation.

Bedeck sein Grauen, heißer Kuß.
Begehr die Leiche, Raserei.
Sei ohne Hoffnung, Qual und Schande.

Überm Abgrund verkrallt, nur um sich selbst besorgt, voll Angst.
Dem Egoismus des Entsetzten, gib kein Gold.
In kurzer Zeit bist, du krank und kahl.

Vampir sauge, deine Küsse.
Nur den Sturz zu verzögern.
Hoffnungsloser, zieht dich hinab.
Flieh des Besiegelten Schicksal.

Grauenerregende Macht.

Grauenerregende Macht, unendliche Mauer.
Der Freiheit beraubt, ist nicht Herr über, Essen und Trinken, Entleerung, Schlaf.
Was hindert den Apparat, Bekämpften, die Fütterung einzustellen?

Dringt des Wahnsinns Schrei hinaus? empört sich das Volk?
Nur solange schreckt als, des Entfernten Schicksal bekannt.
Hoffnungsloser Haft Verrat, rechtfertigt die Macht.

Einst erlöste die Hinrichtung, strahlte öffentliche Verbrennung.
Aber der Beton der Macht, schluckt Verzweiflung.
Wo einst Wut stieg, heut unsichtbare Angst.

Was beengt? Weggehen.

Was beengt? Weggehen? einen Platz ohne Besitzer, gibt es nicht, überall Arbeit.
Also die Macht, sonst andere, selbst erringen, Anspruch selbst stellen.
Das hältst du nicht aus? schmerzt das Herz? zieht der Bauch? willst nicht bluffen?
Brüder sehnt, unter die Macht.

Streit um Macht tötet Brüder.

Streit um Macht tötet Brüder, Gereizten Fuß tritt Blumen, kein Engel dem Zorn mit Liebe,
Geschwächter wütet, Haß der anderen versinkt.
Angst endgültigen Verlusts, zeugt Raserei.
Blindes Entsetzen, selbstmörderische Wut, am Grund des Kessels.
Wenn sich letzte Stelle, Mauern, schließt, fegt Wut, Brüderlichkeit der Angegriffenen weg.

Trittst Rasendem mit Haß entgegen, was hast du von seiner Berserkerei, daß er sich selbst hineinstößt?

Wer kündet, Rasenden zu lieben, spricht nicht Erbarmen wankender Macht.
Läßt Unterdrückte im Stich?

Fort, nichts mitnehmen.

Fort, nichts mitnehmen.
Keine Gegenstände, Gedanken.
Nackt muß wagen, nichts vorherzusehen.

Ist nicht einfach, Amputation.
Bleibt kein Gedächtnis.
Wo kein Anhaltspunkt, Erfahrung behindert.

Wohin Macht nicht strebt, Gedränge Präsidiumstisch, verlassen.
Sich in aussichtsloses Bett.

Was Geliebter nicht weiß, vergiß.
Gehen, bis toter Schenkel wieder lebt.
Nicht mit Abgeordneten.

Wer klopft Verschlossenen Tür.

Wer klopft Verschlossenen Tür? solch grenzenloser Stunde?
Steht saugendem Mund, nackt ganze Schönheit, längst vergessenen Sehnsucht.

Vertraute tritt ein.
Verschließt Tür, entfaltet.
Angst, andern Tags nur Schein.

Zimmer am Rand des Nichts.
Rein, Körper, Atem, Verlangen, was immer nur Traum.

Gegenstände, alte Gedanken, mit Inbrunst umschlangen, mit der so oft.

Nacht, Ohr.

Nacht, Ohr, links, rechts Räder.
Transportieren Gehirn, aus dem Kopf, durch die Kehle.

Versteinerte Brust, Bauch schmerzender Punkt, Unterleib ohne Verbindung, Gliedmaßen in der Gegend.

Einfach kein Blut mehr hin, her, einfach keine Kommunikation.

Körperteil allein auf sich.
Irritiert, am rauschenden Empfänger.
Mund bewegt sich nicht mehr.

Welchen Tod, einbetoniert.

Welchen Tod, einbetoniert, noch sterben?
Außenschicht, nicht mehr zu fühlen.
Innersten glimmt ein Rest.
Dunkles Gefängnis, Fleisch, Nerven.

Kein Hauch durch die Mauern mehr, seit langem niemand, Herz ohne Atem.
Erstickender vermag schon gar nicht, seinen Panzer.

Auf Wunder warten? Äußeres unwiderruflich tot.
Mit letzter Lücke, letzte Zufuhr unterbrochen.

So plötzlich endgültig, wie langs auch tobte.
Solang noch Spalt, war im Prinzip noch.
Dann nur noch Automat.

Schwebend denken.

Schwebend denken, schwimmendes Hirn.
Freischwebend?
Freiheit erbarmungslosem Griff, Umstände.
Phantasie, Dokument.

Armer Mann, und ohne Liebe.

Armer Mann, und ohne Liebe.
Arme Frau, ohne Schmuck, Mittel zur Schönheit.
Was morgen?
Wirst Geld für Brot, Armer, wirst Liebe haben? Traurige, wirst schön sein?

Nacht, Nadeln aus Eisen.

Nacht, Nadeln aus Eisen, Glas.
Kälte, verfluchte Sucht.
Schnaps, Zigaretten, Wollust Erschöpfung.
Aber zur Freude des Körpers keine Kraftanstrengung.

Tag weiblichen Gotts.

Tag weiblichen Gotts.
Wetterdunkle Säule Hochsitz, gebüschumkräuselt, auf grünem Bauch.
Zu Seiten Samtdecke des Waldes.
Auf ihr Seligkeit.

See, Aug, Schilfwimper.
Liebevoll blickst! goldner Schimmer Wangen, dunkler Schimmer Hals.

Tiere auf der Haut, lecken.
Beine des Gestreckten, Hochsitz, spritzende Energie.
Fern leuchtenden Erhebungen.
Blut des Getroffnen, an den Halmen.

Saug nicht den Hals.

Saug nicht den Hals, klopf nicht zwischen den Augen, blas nicht durch Arm und Bein.

Besitzlosigkeit.
Angst vor Zusammenbruch.
Hoffnungslosigkeit.

Schäm nicht, zu fordern, die Hand führn.

Sterne, zehn, tausend Kilometer?
Himmel, Gewölbe, Kuppel, Zeltdach?

Tief atmen, Brustkorb beim Anblick geweitet.
Einzig fest herunten, einziger Schoß, Grund, Besitz, wichtigst, zu erhalten und düngen.
Geht um Besitz, Erde, Tiere, Menschen.
Das je anders?

Stiller Fluß.

Stiller Fluß, Sumpfdotter.
Bauernfluß, Entwässerungsgräben, Mückenfluß.
Bad abends Muschelfluß.

Silberne Blasen steigen, Uferhöhlen, Barbe, Hecht, Wels.
Bei Hochwasser in der Wiese.
Bauer und Fischer, nicht Freund.

Fluß, weich, kurvig.
Schwimmer bettet sich, Haare umfließen ihn, zeitlos.

Nacht, absaugend.

Nacht.
Absaugend, umfangen, erholsames Gebiet.
Glieder hinein, Magen fällt, Produktionsqual wird abgenommen, freigelassen Atemwege, Hirn schwimmt fort.
Schöner Schied.

Oder kein Loskommen.
Angst, grausame Erwerbspeitscherin, versucht auch noch, Nachtschicht.
Dünner Schlafhaut, Zitterndems Fleisch.
Extraprofit morgen schon dahin, kopflose Beutlerin.

Liebender Umarmer Schlaf, Ruheland.

Ruhelosen Esser stärkt nichts.

Ruhelosen Esser stärkt nichts, füllt, wenn nun kein Essen mehr? schüttet, frißt, nützt nichts, macht keine Kraft, daß sein Arm um kräftigen Körper, hat ja keinen.
Nur noch Reiz, weiter zuzuführen.
Vollen Bauch vermag keine Nahrung.

Lebensenergie Sonnenstrom, Luft.
Nötig, ins Zelleninnere zu fördern.
Ausgehungerte Zellen verlangen.
Doch mit Fressen, Saufen, täuscht!

Wieder plötzlich Tod.

Wieder plötzlich Tod, nackte Störung, eignes Leben nicht schont.
Wer häuft diese Unerträglichkeit, verborgen?
Keiner ahnt Sinnloses, befreiend?
Haben das ins Kalkül gezogen, Ruin des Wütenden, Argument, Jahrtausend, immer?

Traum? schwamm.

Traum?
Schwamm, ging, atmete, schlief mit der Nacht.

Gestern noch, wenigen Minuten, fremdes Zeitalter.

Kehrte zurück, ins Unwirkliche.
Vergeudet.

Nicht als

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