Juni-Gedicht der Künstlergruppe 14 Zoll: „Götter"

von Axel C. Englert
Mitglied, Moderator

Keine Wahl

Ich stehe in der zweiten Reihe,
zuerst kommst du, und dann erst ich,
weil ich dir gerne Glanz verleihe:
Du bist ein wahrer Gott für mich!
Ich stecke hinter dir zurück,
denn du bist ja mein ganzes Glück.

Mich nervt es nie, dir zuzuhören,
denn was du sagst, hat Hand und Fuß.
Du musst mir nicht mal Treue schwören,
ein Blick von dir ist Liebesgruß.
Ich denk nicht dran, mich zu beklagen,
denn was hab ich schon groß zu sagen …

Du leidest sehr an den Gebrechen,
die dir dein schweres Schicksal schlug,
und planst, an jedem dich zu rächen,
der dich nicht auf den Händen trug.
Doch ich verstehe deinen Groll,
du bist für mich so wundervoll!

Ich sehe dich mit klaren Blicken
und brauche keinen Blindenhund.
Du kannst mich immer neu entzücken,
ich liebe dich auch ohne Grund.
Scheint manchem das als Höllenqual:
Mir lässt die Sehnsucht keine Wahl …

© noé/2019

Reise ins Fassungslose

Weitgereist ins Fassungslose –
Menschen, wie unter Hypnose!
Zitternd kriecht die Angst umher.
Tiefgebeugte glauben Gräuel
trotz vorhandener Logikknäuel!
Blindgehorsam kreuz und quer.

Staunend grüß ich Monumente,
bis zur Zeit der Glaubensrente,
die ich wohl nie kriegen werde.
Völlig nutzlos, ihr da oben.
Hört mal auf jetzt, rumzutoben,
sonst gibt’s gleich von mir Beschwerde!

Hier sind viele längst ernüchtert,
dann und wann auch eingeschüchtert,
von euch „Monumentalisten“.
Riesenhafte Urgestalten,
Ungetüme seid ihr alten
Götter, die im Nonsens fristen.

Weltbevölkerungsverdummung,
goldbeglänzt und in Vermummung –
Größenwahn, der um sich schreit.
Zu viel Zeit für keine Späße.
So, als ob da jemand säße,
der uns straft in Ewigkeit!

© Corinna Herntier

ICH ein SCHAKAL?! Gemein! Skandal ...

„ANUBIS“! Mein Name regt mich auf:
Auf „Otto“ kam kein Schwein wohl drauf ...
Welcher vor- UND rückwärts funktioniert –
„Sibuna“?! VERSicherung! Blamiert ...

„An U bis“ – das stört! E-Norm:
SauBISblöd – Recht-Schreib-Reform ...
Der Leser fragt sich fix: NANU?
„Nanubis“ – WOMIT wäschst denn DU?!

„DuBIS“ müsste der Krempel heißen:
LuBISst, alles hinzuBISschmeißen!
(AuBISgenblick: „A nu BISS“?!
VORSICHT VOR DEM GOTT! – gewiss ...)

© Axel C. Englert

Ihr Götter

Götter, was soll DAS bedeuten?
Steht doch jedes steingeschrieben!
Wendet Ihr Euch ab der Regeln,
fehlt am Ende gar ein Drüben?

Götter, Euch galt Wirk und Schaffen!
Jetzt furzt jede Kuh Methan!
Niemand frisst sich satt an Plaste,
und es bockt der Untertan.

Götter, mit dem Wust Erkenntnis
könnten wir hausieren gehen ...
Zahlen tanzen feinste Rumba,
niemand will im Wege stehen.

Götter, gebt uns, was versprochen!
Lasst uns edel, hilfreich sein.
Gierig jedem Nächsten helfen,
der so wenig wie wir Schwein.

Götter, sagt, wo ist der Schalter,
den zu kippen WIR erkoren?!
Welches Opfer bringt Erlösung,
wann wird unser Sinn geboren?

Götter, seht Ihr unser Leiden?
Führt Ihr Buch und stoppt die Zeit?
Uns, Probanden, zu ersetzen –
gegen Spezies, die bereit?

© Ralf Risse

Wunderschöne Lebensbilder

Weiß beschneit von Blütentrauben
liegt die Wiese – Sonnenglanz
breitet sich im Himmelsblau!
Wir wollen an das Gute glauben,
absolut und voll und ganz –
doch wir wissen nicht genau …

Nur die Freude lässt uns hoffen –
ist sie doch der schönste Teil
dieses Lebens auf der Welt.
Jeder ist von ihr betroffen,
jeder möchte schlemmen, weil
uns das jung und frisch erhält!

Blicke gehen, schlau, nach oben,
wo Götter sich in Lust ergehen …
Wolken tragen ihr Gewicht!
Ja, sie möchten Tänze proben
und uns auf dem Boden sehen,
schön verpackt – in ihrem Licht!

So bereiten pralle Stunden,
voller Euphorie und Bangen,
uns die Zeit im Glorienschein …
Und die Jahre drehen Runden,
in welchen wir das Glück erlangen:
Schmalzgesang und Weib und Wein!

© Alf Glocker

Tagtraum

Es fallen dunkle Schatten auf die Erde,
werfen nebelhafte Bilder auf die Welt;
ob ich wohl etwas daraus erkennen werde,
was da so von oben auf uns niederfällt.

Zwischen all dem liegen meine Träume,
ich frage mich, was habe ich im Leben bereut.
Was auch immer ich heuer versäume,
worüber habe ich mich zuletzt gefreut?

Was werde ich noch finden auf den Wegen,
außer Frohsinn, Bosheit, Hohn und Spott?
Aus meinen Augen strömt ein Tränenregen,
ihn zu sehen, gestatte ich nur Gott.

Doch zwischendurch strahlt manchmal helles Licht,
lässt all meine Liebe sich entfalten,
und ich schäme mich dessen sicher nicht,
denn ich weiß, du wirst stets zu mir halten.

© Angélique Duvier

Götter

Als das Menschenkind geboren,
fühlte es sich recht verloren.
Sah um sich die große Welt –
wer hat sie wohl hergestellt?

All das Grün – wer ließ es werden,
schuf der Tiere große Herden,
schuf den Fisch, das Krabbeltier,
wer schuf all das Leben hier?

Wie ein großes Räderwerk,
Elefant, Ameisenzwerg,
Pflanzen, Pilze und Mikroben,
Sonnenschein, Stürme, die toben.

Wer ließ all das nur entstehen?
Menschenkind konnt niemand sehen!
Götter waren’s, mit mächtigem Geist,
die man bittet, lobt und preist,

die im hohen Himmel ruhn
und beobachten sein Tun!
Ihre Botschaft zu verstehen,
musst man still sein – in sich gehen!

Wer verstand, der schrieb es auf –
bestimmte bald den Weltenlauf.
Weil man glaubt’, alles zu wissen,
ließ man den Respekt vermissen

vor der Ordnung der Natur,
folgt den Worten – engstirnig, stur!
Bald ist’s Götterwerk zerstört –
Mensch, der hat sich wohl verhört!
 
© Sigrid Hartmann

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Kommentare

15. Jun 2019

Gefallen mir alle sehr!
Herzliche Grüße an die Autoren, Lena

15. Jun 2019

Danke, Lena!
Und Dank fürs Veröffentlichen, lieber Axel!