Die Verlassene

von Charlotte von Ahlefeld
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Erklinge still, du Lied der treuen Liebe,
Nur Seufzerhauch sey deine Melodie.
Kein lauter Klang darf sich mit dir vermählen,
Denn leise nur spricht die Melancholie.

Erbebt, ihr Saiten innerer Gefühle,
Bei der Erinn'rung wundersüßem Schmerz,
Bei dem Gedanken der vergangnen Zeiten,
Und wiegt in Schlummer das erregte Herz.

Wo bist du hin, du Stunde des Entzückens,
Als seines Auges klarer Himmelsstrahl,
Wie Sonnenlicht in eines Kerkers Dunkel,
Sich in die Tiefe meiner Seele stahl?

Wo bist du hin, als seiner Stimme Zauber
Zum erstenmahl mein bebend Herz durchdrang
Und räthselhafter Ahndung leises Tönen
Mir im bewegten Busen tief erklang? -

Ach du entflohst – doch schön're Stunden kamen,
Die Scheu verschwand, ein ruhigeres Glück
Entblühte mir in der geliebten Nähe,
Und rief den innern Frieden mir zurück.

Da wagt' ich's erst mir selbst es zu gestehen,
Daß ich ihn liebte, und in seinem Blick
Lag mir, im Glanz der Hoffnung aufgeschlossen,
Die Zukunft, und ein lächelndes Geschick.

Und mich durchschauerte, wie eines Gottes Nähe,
Sein ernstes Wort, das Liebe zu mir sprach.
Ein Echo, das in meinem Innern wohnte,
Klang jede Sylbe seiner Rede nach.

Er mußte scheiden – viele Monden schwanden,
Mein trauernd Herz erhielt sich ihm getreu.
Still flossen meine Tage hin, wie Thränen,
Und meine Liebe blieb mir immer neu.

Da kehrt' er wieder – zitternd ihm entgegen
Zu fliegen, und an der geliebten Brust
Ein freudiges Willkommen! ihm zu stammeln,
Schien mir des Daseyns höchste, reinste Lust.

Doch nun verstummet, leise Klagetöne,
Erneuert nicht den ewig heißen Schmerz.
Es kehrte die Gestalt des Freundes wieder,
Doch ach – erkaltet war für mich sein Herz.

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