Rosenballade

von Flora von Bistram
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Ich gehe durch verwildert‘ Land,
verschlungen stehen Kraut und Blumen,
zerborsten ist schon lang die Wand
des alten Hauses. Dunkle Krumen

der Erde liegen hart und schwer.
Doch sehe ich im Nähergehen,
mit Zweigen, völlig blätterleer,
den dürren Dornenstrauch dort stehen.

Die Sonne lacht, der Wind leis weht,
ganz zart berühr ich ihn, den Kargen,
der rissig, rau und trocken steht
und wünscht, er würde Rosen tragen.

Ich setz mich auf den großen Stein,
der vor dem trock’nen Dornbusch liegt,
tauch in das Frühlingweben ein,
das tanzend eine Birke wiegt.

Mein Taschenmesser ist zur Hand,
behutsam schneid das Holz ich aus,
und säubere das Stückchen Land
dort an dem alt-zerfall‘nen Haus.

Nach Wochen lockt die Sommerluft
mich wieder zu dem alten Garten,
es ist, als ob ein Stimmchen ruft:
Komm, lass uns doch nicht länger warten!

Mein Herz schlägt laut und hüpft vor Glück,
denn schon von weitem kann ich sehen,
das Leben kam zum Busch zurück
und ließ das Sterbegrau verwehen.

So grüne Blätter, dicht an dicht
und Blüten, die in Duft mich hüllen.
Und leise eine Blüte spricht:
So kann sich mancher Wunsch erfüllen.

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