Vom Emigrier'n

von Alfred Krieger
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's Unzufried'nsei helft a nix …
's Guatmoana werd a falsch verstand'n …
's Kritisier'n nennen s' „granteln“ …
's Verändernwoll'n werd a ned vui bringa …
's Geduldigsei hat eh scho z'lang dauert …

Da helft dann bloß:
auswändig dableib'n
aber inwendig auswandern.

Der Text entstand am 1. November 1985. Eine Besonderheit sind die Schreibweisen "auswändig" und "inwendig", welche - da unüblich - einer Erklärung bedürfen: Mit "auswändig dableib'n" wollte ich ausdrücken, dass ich nach genannten Enttäuschungen zwar "dableibe", aber nur nach außen hin, nach innen habe ich eine "Wand", einen "Schutzwall" aufgebaut, unsichtbar zwar, aber in meiner Vorstellung real existierend. Obwohl ich aber augenscheinlich "dableibe", wandere ich aus und zwar "inwendig" - nach innen "gewendet". So erklärt sich die unterschiedliche Schreibweise mit "ä" und "e".
Die rechte Bildhälfte des Fotos soll die nach außen gezeigte Offenheit (das "Dableiben") symbolisieren, je weiter man aber nach links blickt, desto mehr weist die zunehmende Verfinsterung auf eine Verschlossenheit, eben auf eine innere Emigration, ein "inwendiges Auswandern" hin.

Diese 1969 entstandene Aufnahme bearbeitete ich in meinem Fotolabor (1985) für dieses Gedicht.

Rezitation:

Rezitation: vertont am 15.9.2016
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