Die Eisblume und die alte Frau

von Annelie Kelch
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E isblume, sei mir herzlich willkommen
I ch sitze hier jeden Tag am Fenster bei trübem Licht
S oviel hat man mir im Leben genommen
B in auch schon recht wacklig auf den Beinen: die Gicht
L iebe? Kenne ich nicht: Mutter starb gleich nach meiner Geburt
U nd wer mein Vater war, weiß ich nicht; bin aufgewachsen im Waisenhaus, in Furth
M eine Finger sind schon ganz klamm und voller Kerben,
E isblume, mir ist kalt, und falls du morgen taust, will ich gern mit dir sterben.

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Kommentare

31. Dez 2016

Traurige Tiefe in deinem Text - kombiniert mit dem Foto gefällt es mir!

31. Dez 2016

Lieber Frank,

ganz sicher gibt es sehr viele alte Leute auf dieser Welt, denen es so schlecht geht. Wenn ich so einen alten Menschen wüsste, würde ich ihn regelmäßig besuchen. Früher, in Hamburg, wenn ich alte Menschen an den Fenstern ihrer Wohnungen gesehen habe, habe ich stets hinaufgewunken, mich dann aber immer hinterher gefragt, ob so eine kleine Aufmerksamkeit Hoffnungen weckt, die nicht erfüllt werden können; aber in Hamburg haben die alten Leute eigentlich immer recht fröhlich zurückgewunken, und irgendwie hat auch mir das Kraft gegeben.

LG und guten Rutsch ins Neue Jahr, das froh und erfolgreich für dich sein sollte.
Annelie