Zwei Frauen

von Britta Pelü
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Ich kann hier nicht sein. Du willst mich nicht haben.
Du willst eine andere, willst mich anders haben.
Ich wehre mich ständig und verschenke Energie
für Erleichterung und Auflösung, doch die kommt nie.

Verschwendete Kraft unter Deinen Krallen.
Und egal, wie ich’s tue, kann ich Dir nicht gefallen.
Ich genüge Dir nicht, das weiß ich genau.
Du willst eine Tochter, aber keine Frau.

Du willst Deine Macht an mir abreiben.
Deinen Selbstwert auf meine Kosten beschreiben.
Du willst Deine Meinung an mir etablieren
Und auch noch Zustimmung dafür kassieren.

Du sammelst Familien, um auf den Thron zu steigen,
und nötigst uns mit Feiern, Dir Ehre zu zeigen.
Es gibt kein Thema, nach dem wir uns sehnen,
denn eine Bindung besteht nicht, nur Blut in den Venen.

Er ist Dein Sohn. Und weil ich ihn liebe,
ertrage ich kurzzeitig Feiern und Hiebe.
Er ist es mir wert- und die große Idee
Von Familie, Vertrauen, Geborgenheit per se.

Aber die wird hier immer konterkariert.
Familie auf Regenbogen-Niveau karikiert.
Das will ich meinen Kindern bestimmt nicht vorleben.
Die sollen sein dürfen. Im Familienleben.

Ich finde den richtigen Weg einfach nicht.
Weil es mir tatsächlich das Herz zerbricht
Zu sehen, wie er zwischen den Stühlen hängt
Und sich nicht traut, was er fühlt und denkt.

Und Dich zu erleben, wie Du um Wertschätzung kämpfst
Und Dich dabei immer wieder selber ausbremst,
mit den Hörnern die verdammten Mauern einrennst
und Unvermögen als Tugend umkränzt.

Ich will mich nicht erhöhen, bin nicht besser als Du.
Wir alle tragen unsere Packen und schnüren sie zu.
Doch ich wünsche mir sehr, dass wir eine Zukunft bauen,
in der wir wertschätzend leben können. Wir zwei Frauen.

15.07.2019

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