Johannes Junius

Bild von Cori
Mitglied

Johannes Junius -
Bürgermeister und Ratsherr zu Bamberg,
geb.1573, gest.06.08.1628

Im Rathaus zu Bamberg, dort waltet er,
mit jedweder Treue und Würde,
ihm ist es Berufung, nicht Bürde.
Sein Leumund, der zeugte von Glaub und Ehr,
doch heut wird ihm werden sein Schicksal so schwer…
Er, der Böses argwöhnt hier nimmer,
vernimmt plötzlich Lärmen vorm Zimmer.

Als er zur Amtsstube scheu blickt heraus,
um die Ursache wohl zu ergründen,
da hört er’s schon lautstark verkünden:
„Im Namen des Herrn, hier im Haus
wirkt Drudner*-Tun tagein, tagaus.
Dem setzt man jetzt sorgsam ein Ende!
Er geht in des Allmächt‘gen Hände!“

„Wer spricht solch arges Wort, ich bitt?“,
erfragt er, der Freund alles Guten.
„Wer wird Ungemach hier vermuten?“
„Die Heilige Kirche! Bezeugt ist der Ritt
auf Beelzebubs* Lenden. Der Ketzer muss mit!
Der Ratsherr sei’s, der Bürgermeister.
Wo ist er, der Freund böser Geister?“

Sein Herz stampft, pulsiert in den Adern so laut.
„Ihr suchet mich? Das ist ein Fehler -
denn ich bin kein Lügen-Erzähler!“
Die lähmende Angst lässt ihn hadern, ihm graut!
Als er hört, was man spricht, er sein‘n Ohren nicht traut:
„Seid Ihr es selbst, Johannes Junius?!
Ins Drudenhaus müsst Ihr mit uns geh’n - und Schluss!“

„Ein Irrtum! Ich walte stets christlich und gut,
kein Satanswerk ist hier zu finden!
Wes‘ Lügenwort tat solches künden?“
„Die Hopfen-Else war’s, sie bewies leidlich Mut
und klaget euch an, dass ihr Teuflisches tut.
Sie sah euch im Hauptsmoor* beim Tanze.
Ihr hieltet den Satan beim Schwanze!“

Gebeugt ist sein Haupt und verhalten sein Gang.
Ins Malefiz*-Haus sie ihn bringen,
dort wird man den Ketzer bezwingen.
Ihm ist vor der Folter so unendlich bang.
Kann er sie bestehen? Und wenn ja, wie lang?
„Oh Gott“, fleht er, „minder die Plage,
damit ich die Marter ertrage!“

In Güte noch, soll er bekennen sogleich.
Doch gibt er nichts zu von den Taten,
obwohl sie ihn anfangs drum baten.
Beim Wort des Inquisitors wird Junius bleich -
der kündet mit Gleichmut den folgenden Streich:
„Wir werden dich peinlichst* befragen,
so wirst du dem Satan entsagen!“

Die Daumenschrauben legt ihm der Folterknecht an!
Ein Schreien hallt durch alle Zimmer!
Dann Stille - zu leis sein Gewimmer.
Und Beinschrauben! Junius fast nicht mehr kann.
Wird er jetzt bekennen, der gebrochene Mann?
Aber nein! Er beschwört seinen Glauben,
obwohl sie die Sinne ihm rauben.

Und wieder Befragung - nun vor sechs Zeugen.
Kein Richter hier ist ihm geneiget.
Doch Junius seufzt nur und schweiget.
Er kann und er will sich nicht beugen.
Mit Argwohn sie drum ihn beäugen.
Ihm schwant, aus dem Malefiz-Haus,
kommt er nur noch als Toter heraus.

Mehr Folter! Er leidet sie nackt und bloß.
Die Augen geweitet vor Bangen,
sieht er auf die glühenden Zangen.
Und als er schon beinah besinnungslos,
gesteht er die Untaten – jeden Verstoß!
So bringt man ihn in Kerkers Kammer.
Dort reut ihn sein Wort mit Gejammer.

Ein Aufseher hört seinen Wunsch und er bringt
ihm das, was er braucht, um zu schreiben,
bevor man wird Junius entleiben.
Und als dem nach Mühen die Feder sinkt,
ein Trost für die Tochter im Herzen ihm klingt:
Warum er dem Richter gestanden -
Veronika erfährt diese Schanden.

Tags drauf ist’s Johannes, der selbst denunziert
zwanzig Bürger – ihm ist’s nicht geheuer -
und auch diesen bleibt einzig das Feuer.
Die Katholische Kirche so grausam regiert.
Bei Folter sagt jeder, er wurde verführt
von Satan, dem Herrscher im Bösen.
Was da bleibt, ist nur Tod – kein Erlösen.

Der Scheiterhaufen - er brennt lichterloh!
Das Volk schaut mit Ekel und Wonne!
Und am Himmel strahlt dennoch die Sonne,
als ein Märtyrer stirbt – ohne Grund, einfach so.
Wen macht - außer Henkern - solch Morden bloß froh?
Es sind Tausende den Weg gegangen,
die, wie Junius, in Unschuld gefangen.

* Erklärungen:
Drudner -> Ketzer, Hexer
Drudenhaus -> Gebäude, das dem Verhör und der Folter von Hexen und Ketzern diente
Malefitz-Haus -> Name des Drudenhauses in Bamberg
Beelzebub -> Satan, Teufel
Hauptsmoor -> Östlich der Stadt Bamberg gelegenes Gebiet
Peinlichst befragen/peinliche Befragung -> Befragung unter Pein, gemeint war Folter.

Über Johannes Junius gibt es zahlreiche Videos auf YouTube, oder Beiträge im Internet.

Ausschnitt eines abgefangenen Briefes, den der Bamberger Bürgermeister Johannes Junius 1628 aus dem Bamberger Hexenhaus an seine Tochter Veronica schrieb.

Buchempfehlung:

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise

Kommentare

22. Nov 2015

Ein trauriges Kapitel in der Geschichte
Zeigen jene brutalen Willkür - Berichte!
(Oft ging es um eig'ne Vorteile, massiv -
Daher gezielt man diese Geister rief...)

LG Axel

22. Nov 2015

Das waren wirklich dunkle Zeiten. Ich bin zufällig bei YouTube auf den Mann und seine Geschichte gestoßen und habe dann weiter geforscht. Der Brief wurde in den Gerichtsakten gefunden - seine Tochter hat ihn demnach nie erhalten ...
Aber dadurch existiert dieses Zeugnis noch.
Danke für deinen Kommentar!

Viele Grüße,
Corinna