226. | liebe vagrom.

von philipp kirschner
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1)
lausch in den geheimnisvoin woid hinein, und hoach auf jeds gräusch, auf jedn klanstn ton
meditia, seh und hea des wochsn vom keim, schliess die augn, spia den friedn in peason
schlof tiaf und fest auf feichtn wiesn so bunt, inhalia den wüazign duft, dens weit vastroihn
begreif die zoatn symphonien, nie vastummt, freie vögl fliagn mitm wind duach bam und groshoim.
2)
geh in die geheimnisvolle wöd hinaus, so vü is no uneafoascht und unentdeckt
öffne olle sinne, schenk iah vü applaus, damit sa si no oft gnua umd sunn bewegt
loss deinen scheuen gefühln frein lauf, hob meah söbstvatraun, foss wieda neuen mut
vascheich die besn gedonkn und den rauch, da nebl lichtet si scho, befrei di vom sölischn druck.
ch 1a)
die eastn Schritt san imma die schweastn, do noch ana gwissn zeit geht da rhythmus donn ins bluad
zeast is ma ongsponnt, bereit zum beastn, do die endlose vüfötigkeit entfocht a hasse gluad
scho da easte schritt setzt lawinen frei, bei da geringstn vaändrung wean die weichn foisch gstöt
zeast is ma neavös, tonzt völlig aus da reih, denn du host unsre liebe vagrom, unsa lebm auszöht.
3)
beobocht tia, mensch in iahm lebmsraum, lean von mutta natua, iah gsetz nie vaebbt
die wöd is paradies, da letzte menschheitstraum, hom scho millionen joah hia übalebt
schöpf aus iahra scheeheit wieda neie kroft, spia iahn otem, iahn heazschlog, iahre wehn
entschlüssl iahre rätsl, iahre botschoft, iahre unsichtboare ausstrohlung wiad niemois vagehn.
4)
jeda sta, kean, tropfn eafüt sein sinn und zweck, unsa vastond reicht nie aus, um ois zu kapian
geniess lieba dieses wunda, des vasteck, muasst afoch die friedliche stün inhalian
befrei di von deinen soagn, von diesa lost, blick do fuachtlos noch voan, net scho wieda zruck
wonda üban regnbogn von west noch ost, schweb auf woikn dahin, streichl die sunn, tauch in die glut.
5)
loss di vazauban von diesm schöpfageist, von diesa genialn einzigoatigkeit
des chaos bringt oadnung, scho so oft entgleist, san gfongene da ean, unsre gonze freiheit
da tram von da besiedelung vom wödoi, bleibt füa ewigkeitn a scheene utopie
miassn mit da natua lebm, hom ka ondre woih, die menschheit vafoit dem wahnsinn, hot scho todesphobie.
ch 1b)
die eastn schritt mocht ma mit widawün, do noch ana gwissn zeit übawindet ma des biest
zeast is ois fremd, wie in an foischn füm, do donn foit ois von an ob, übazeugta optimist
scho da easte schritt bringt ois duachanond, beim zoatestn fliaglschlog entstehn hoch kreisende wön
zeast is ma geschockt, donn vakoiht, vabronnt, denn du host unsre liebe vagrom, in da hassn quön.
ch 2a)
und i streichl di gonz sonft und wach, dei geschmeidige haut schimmat im voimondlicht
und i berüah di gonz zoat und socht, dei earegta otem hot si jetzt no vatieft
und i denk die gonze zeit nua on di, scheene eainnarungen tränen weit davon
oahnbetäubend laut schrei i noch dia, hob schlecht tramt, denn du host unsre liebe vagrom.
6)
spea endlich olle tüan von deim heazn auf, loss deina quötn sö endlich iah freiheit
jeda mocht föhla, san vüz oft in gebrauch, oi die problem vauasochn an grossn streit
vaia di net im gedonknlabyrinth, kau net zlong drauf rum, vagrobs in a tiafs loch
befrei di von da lost, fliag afoch mitm wind, vagiss des mit da söbst aufealegt brutal hoatn strof.
7)
schreib dei lebm ausfüahlich auf weisses papia, moi dazua büda, inspiriat von deina gschicht
wiaf des voigschriebne buach wossafest ins mea, vielleicht intressiat si iagendwea füa dei schrift
in unbestimmta zeit wiafts a wön on an Strond, trocknet in da sunn, sponnende neugia eaweckt
vielleicht fühlt si wea mit dia sönvawondt, woahscheinlich besitzt wea füa di des richtige rezept.
8)
host scho so vü ealebt, gleant, gsehn und riskiat, eigentlich host scho ewige weisheit ealongt
do diese eakenntnis is extrem kompliziat, host di no nie füa dei lebm bei gott bedonkt
hintaloss auf deim weg kloa sichtboare spuan, damit jeda dei lebm nochvoiziehn konn
do du host scho längst dein lebmswün valuan, gibst endgültig auf, host unsre liebe vüz tiaf vagrom.
ch 1c)
die eastn schritt eafoadan vü disziplin, do noch ana gwissn zeit nimmt ma jede hüadn gonz leicht
zeast hot ma ongst, mecht glei wieda entfliehn, do donn bewäaht si die stondhoftigkeit, host vü eareicht
da easte schritt kostet vü söbstbeheaschung, bei da leichtestn berüahrung bebt donn wieda die ean
zeast eastoat ma zu sta, mocht sein letztn sprung, denn du host unsre liebe vagrom unta trümma und scheam.
ch 2b)
und i liebkos dei zialiche gstoit, schwebst wie a fee in an feurighassn lichtkronz
schmieg mein nocktn keapa gonz eng hearon, dei earegtes stöhnen wie a vuikan beim tonz
und i denk die gonze zeit nua on di, intime eainnarungen tränen weit davon
oahnbetäubend laut schrei i noch dia, hob schlecht tramt, denn du host unsre liebe vagrom.
ch 3a)
nua du alla host unsre liebe vagrom, nua du alla host unsre heazn vaschom
nua du alla host unsa lebm guad vasteckt, nua du alla host unsre zweisomkeit zasägt
nua du alla brichst dei heiligs eahnwuat, nua du alla glaubst on die wiedagebuat
nua du gonz alla bist voa da woahheit gflohn, denn nua du alla host unsre liebe vagrom
nua du alla host unsre heazn weit vaschom, denn nua du alla host unsre liebe vagrom.
9)
hobd woatarei scho sott, moch mi jetzt aufm weg, suach übaroi, tog und nocht, schau in jeds vasteck
die joahreszeitn reihn si schnö nemanond, die joah vafliagn, renn ständig gegn a wond
tiaf im heazn spia i dei onwesnheit, foig deina unsichtboan spua duach raum und zeit
schliess meine augn, bringst mi heil on dei zü, endlich wieda vaeint, do on diesm oat is totnstü.
10)
steh voa deim schlichtn grob, in mia wiads gonz lea, do blumen duftn und bliahn in jeda foab
millionen tränen foin aufs blumenmea, wiakn wie dünga, klopfn zoat on dein soag
traua, sehnsucht, wut, schmeaz quön mi endlos tief, die einsomkeit treibt mi no in den wahnsinn
wea dein tod niemois kapian, wea depressiv, do dei lädiats buach eazöht von deinen kronkn phobien.
11)
zreiss die vadommtn seitn, schleudas in dreck, spia so vü hoss in mia, vabrenn unsa bett
koch und schäum innalich, schweissnoss bis aufd haut, hob mi söba auspeitscht, quöt, gfoitat, vahaut
renn bluadübaströmt duachn nächtlichn woid, da voimond grinst ma bled ins gsicht, hots donn bereut
do a geheimnisvolle kroft is mit mia gflohn, fühl di gonz nah bei mia, hob unsre liebe wieda ausgrom.
ch 1d)
die eastn schritt wie in trance hinta si brocht, do noch ana gwissn zeit duachbricht ma donn die hemmschwön
zeast is ma vawiat, hot si söbst vasklavt, do donn geht ois spielend leicht von da hond, braucht goa kan höm
da easte schritt löst kettnreaktion aus, beim leisestn hauch vawondlt si die luft in an oakan
zeast betet ma innig, bringt an gonz draus, denn du host unsre liebe vagrom, unsa lem a oiptram.
ch 2c)
und i vawöhn di von kopf bis fuss, unsren phantasien san goa kane grenzn gsetzt
schenk da mei gonze sexuelle lust, unsre höhepunkte homma fost untaschätzt
und i denk die gonze zeit nua on di, ekstatische eainnarungen tränen davon
oahnbetäubend laut schrei i wüd noch dia, hob schlecht tramt, denn du host unsre liebe vagrom.
ch 3b)
nua du alla host unsre liebe vagrom, nua du gonz alla host unsa glück betrogn
nua du gonz alla host so leicht lebwoih gsogt, nua du alla host unsre zukunft vajogt
nua du alla brichst den heilgen treueschwua, nua du gonz alla ziagst on da foischn schnua
nua du alla host mi die gonze zeit belogn, denn nua du alla host unsre liebe vagrom
nua du gonz alla host unsa glück betrogn, denn nua du alla host unsre liebe vagrom.
ch 4a)
host unsre liebe vagrom, unsre liebe vagrom, tiaf in mia wochst a besa dämon
host unsre liebe vagrom, unsre liebe vagrom, bin a lebendes chamäleon
host unsre liebe vagrom, unsre liebe vagrom, vawondl mi scho in a phantom
host unsre liebe vagrom, unsre liebe vagrom, föhst ma scho so, entschlof gonz longsom.
1)
lausch in den geheimnisvoin woid hinein, und hoach auf jeds gräusch, auf jedn klanstn ton
meditia, seh und hea des wochsn vom keim, schliess die augn, spia den friedn in peason
schlof tiaf und fest auf feichtn wiesn so bunt, inhalia den wüazign duft, dens weit vastroihn
begreif die zoatn symphonien, san nie vastummt, freie vögl fliagn mitm wind duach bam und groshoim.

geschrieben am 01./04./05. august 1997 /// 12./13./14./15. märz 2001.pk.
copyright by philipp kirschner.pk.
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danke.

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