Verschwiegenes – unsagbar ...

von Annelie Kelch
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Schon reicht der Herbst uns die raue Wange zum Kuss
Scheuen Mädchen gleich, zittern die Häupter der Bäume
Wind durchpflügt Wälder, Ruinen, offene Räume ...
Mein Lieb schreckt auf, wenn ich vom Ende träume
Weil ich in seinen Armen sterben will und muss ...

Was noch lebt, stimmt sich ein auf längeres Schweigen
Heldenhaft stampft dieses Jahr seinen Reigen zu Ende
Mag sein, dass ein göttlicher Wille es heiligt …
Wenngleich Trauer tropft von entblätterten Zweigen
Treibt der Sturm mir noch Dornen in die wächsernen Hände

O Wiesenstunden mit Huflattichwein und Löwenzahnbrot ...
O Narbe des Jahres, der Bitterplanet klumpt in den Herzen
In uralten Schattenwelten hab ich dereinst erfahren:
Die Süße der Taubnesselblüten lindert viel Not ...
Ein einziger Blick von dir heilt meine Seelenschmerzen

Härter schlägt jetzt die Nacht zu: ein Federn und Teeren
Fangnetze in die Gräber der Einsamkeit geschmettert ...
Die Botschaften flackernder Windlichter künden Gefahr
Aus naher Ferne will ich alles Gesagte zusammenkehren
Doch wichtiger denn je bleibt Verschwiegenes – unsagbar ...

Quelle: Bild pixabay, verändert, copyright: anne li
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Kommentare

25. Sep 2018

Liebe Annelie, mal wieder ein Kleinod von dir. Der Herbst macht mich so zwiegespalten, jedes Jahr. Wir lieben es, wieder Kerzen anzuzünden, den Duft von Räucherstäbchen, mehr Zeit gemeinsam drinnen, die Kinder mit Kakaotassen in Decken gekuschelt, Geschichtenlesen, draußen der herbe Duft von Holzfeuer ( ich liebe diesen Geruch), die Kastanien schimmern als Deko auf de Tisch, ich spüre die glatte rotbraune Schale so gern in der Hand.. und doch macht mich der Herbst jedes Jahr unsagbar traurig trotz seiner Fülle und seines Reichtums und seiner bunten Seiten. Ich kann deine Zeilen gut nachspüren. Es ist ein wunderbares Gedicht!
Liebe Grüße
Anouk

25. Sep 2018

Danke, liebe Anouk, für Deinen schönen Kommentar. Der Herbst macht mich auch jedes Mal sehr traurig, ganz besonders dann, wenn nasskaltes Wetter herrscht. Aber ich freue mich sehr darüber, wie schön ihr es euch mit euren Kindern macht. Kastanien habe ich früher auch mit meinen Kindern gesammelt - ich musste dafür etwas weiter mit ihnen fahren - mit Fahrrädern, der Jüngste saß vorne bei mir im Kindersitz. Das war wirklich eine schöne Zeit - aber leider vorbei für mich, darum genieße auch diese Zeit, die so schnell vorüber ist, und sei nicht mehr traurig. Danke auch für Dein Lob, über das ich mich sehr gefreut habe.

Liebe Grüße,
Annelie

25. Sep 2018

Von Vers zu Vers, von Strophe zu Strophe, die Bilder, die Stimmung, ein Hochgenuß, liebe Annelie.
Ich habe jede Zeile Deines wunderschönen Werkes genossen und werde es auch weiterhin, noch ein einige Male, tun.
Danke dafür :)

Lieben Gruß,
Ella

25. Sep 2018

Es ist mir eine Ehre, liebe Ella, dass ich Dir Freude bereiten durfte. Allein deshalb hat sich das Schreiben gelohnt. Und ich freue mich wie eine Schneekönigen, dass Dir mein Gedicht so gut gefallen hat.

Liebe Grüße zu Dir,
Annelie

25. Sep 2018

Ein weiteres sehr gutes, inhaltreiches Anne-Li Herbstgedicht. Ja, viele Menschen schleppen "Unsagbar Verschwiegenes" mit sich herum. Bald wird der Winter es einfrieren; da besteht noch die Hoffnung, dass es im Frühjahr endgültig auftaut - oder?

Sei lieb gegrüßt - Marie

25. Sep 2018

Liebe Marie, danke für Deinen auf das Verschwiegene Bezug nehmenden Kommentar. Der gute Robert Lemke sagte ja früher in "Was bin ich?" (Guido Baumann. Annett von Aretin, Marianne Koch etc., Rateteam) oft bedeutungsschwanger: Was ich alles weiß - und nicht sagen darf ... - Damit hat er aber ganz sicher nicht gemeint seine langjährige Affäre mit einer Dame - neben seiner Ehe; Und seine Frau fiel ja auch aus allen Wolken, als sie nach seinem Tod davon erfuhr. So verschwiegen kann man sein ... :- )))

Liebe Grüße zu Dir,
Annelie

Ingeborg Henrichs
25. Sep 2018

Sehr beeindruckendes Gedicht,liebe Annelie, wunderschönste Poesie in jeder Zeile, die Härten des Herbstes werden durch die Schönheit der Sprachbilder, sowie Zartheit der Wortklänge gemildert. Und dennoch schlägt das Unausweichliche, hier die Nacht zu, härter, Gefahr droht und Verschwiegenes bleibt wichtiger denn je. Starke Aussage. Herzlichst - Ingeborg

25. Sep 2018

Liebe Ingeborg, danke für Deinen lieben Kommentar. Du interpretierst meine Gedichte ganz hervorragend. Ja, jetzt schlägt die Nacht härter zu, die Straßen und Wege werden insgesamt menschenleerer; einsamer als im Sommer ... und die Wahrscheinlichkeit, bei Nacht Opfer eines Verbrechens zu werden, nimmt zu. Verschwiegenes ist meist das Wichtigste unter all dem Gesagten, dem Oberflächlichen - Verschwiegen wird zumeist, was einem peinlich ist, wozu einem der Mut fehlt (was schade ist), um andere zu schonen, um sich selbst zu schonen ... was einem unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertraut wurde (da ist Verschwiegenheit gut) und vieles andere mehr - und all das halte ich für noch wichtiger als Gesagtes. Dein Lob hat mich sehr froh gemacht, liebe Ingeborg. Dafür danke ich Dir sehr.

Ganz herzliche Grüße zu Dir,
Annelie

26. Sep 2018

Dein tief gehendes Herbstgedicht …
sehr besticht.

Liebe Grüße
Soléa

26. Sep 2018

Danke für Deinen bestechenden Kommentar - liebe Soléa.

Liebe Grüße zu Dir und einen schönen Herbsttag,
Annelie

28. Sep 2018

Liebe Annelie, ich bin immer wiederüberwältigt von der Kraft Deiner Gedichte und Eindringlichkeit der Bilder.
"Heldenhaft stampft dieses Jahr seinen Reigen zu Ende"
Den Herbst als stampfende Kraft zu sehen, ist ein wunderbarer Vergleich. Ich glaube schon, dass ein "Göttlicher Wille ihn heiligt". Lass ihn das Gesagte und das Verschwiegene einstampfen und ungute Gefühle fortwehen. Du weißt ja, ich liebe ihn.

Herzlichen Dank, für dieses großartige Gedicht,

Susanna

26. Sep 2018

Vielen Dank, liebe Susanna, für Deinen lobenden, lieben Kommentar, über den ich mich soeben sehr gefreut habe. Darüber hinaus freue ich mich, dass ich wiederum Dir damit eine Freude machen konnte. Ich komme gerade aus dem Herbst, von draußen; es hätte nur noch gefehlt, dass es geregnet hätte, dann wäre es das reinste Aprilwetter gewesen: sehr windig unterm wolkenverhangenen Himmel. In den vergangenen Jahren war das Wetter im September und Oktober bedeutend besser. Hamburg erinnere ich mit sehr gutem Herbstwetter trotz "steifer Brise". Ich hoffe, dass es noch viele schöne Herbsttage für Dich gibt, weil Du so sehr an ihm hängst.

Ganz herzliche Grüße zu Dir und weiterhin beste Genesung,
das beinhaltet, dass Du Dich schonst, aber ganz sicher auch
kleines Spaziergänge in der Natur unternimmst, und dass Du Dich nicht bei
der Hausarbeit übernimmst,

Annelie

28. Sep 2018

Danke für Deine Genesungswünsche, liebe Annelie. Ja, ich gehe gerne hinaus und lasse mich durchpusten. Für die Hausarbeit habe ich eine "Fee", Meine Familie ist liebe- und rücksichtsvoll, und doch werde ich langsam ungeduldig. Ich glaube, je weniger ich ich mich auf diese Krankheit einlassen will, desto mehr zwingt sie mich, mich mit ihr und mir auseinanderzusetzen.

Alles Liebe, Susanna

28. Sep 2018

Einen schönen Tag und ein angenehmes, erholsames Wochenende wünsche ich Dir, liebe Susanna.

Liebe Grüße,
Annelie