Winter (Saint Rémy, 1890), für Vincent

von Annelie Kelch
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Ins Grün und Blau des Horizonts,
abseits geduckter Bauernkaten
hingerollt: das späte Sonnenrad.
Und abgenabelt schon vom Gelb und
auch vom Rot, das Gelbes säumt: Gekräusel,
bannerwehend, das mit Wolkentürmen
am satten Abendhimmel zieht, den Vincent
über schneebedeckte Felder wölbt.

Pauline und Juliette, gesichtslos
und in Drillichtuch gewandet,
gekrümmt wie Ährensammlerinnen,
seh ich graben dort in frostig harter Erde
und spür im Herz die Schmerzen ihrer
tief gebeugten Rücken und auch
das Weh des winterweißen Tages,
den die blaue Nacht verschlingt.

3. Platz beim "Syrischen Lorbeer", Lorbeer Verlag

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