Ist das Leben ungerecht?

von Jürgen Wagner
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Wenn Stürme über Felder jagen
Und Eiswind fegt durch Wald und Haus
In solchen harten Wintertagen
Sah man der Götter wilder Braus

Sie holten sich manch arme Seelen
Ob Mann, ob Frau, ob kleines Kind
Manchmal, da ließen sie noch wählen
Doch meistens ging es zu geschwind

Und himmelwärts sind sie gefahren.
So ging ein Bauer einst nach Haus
Mit drei Sack Mehl auf seinem Wagen
Und hielt im Sturm den Weg g'radaus

Die Luft war voll Gebell und Heulen
Frau Frigg, die kam ihm in den Sinn
In seiner Angst tat er sich beugen
Warf all sein Mehl ihr'n Hunden hin

Die, die haben es gefressen
Der Wind nahm alles, alles mit
Zuhause gab’s nichts mehr zu essen
Und keiner zeigte, was er litt

‚Sind Deine Säcke leer geworden‘
So sprach zu ihm die Ehefrau
‚So wirf sie hin mit deinen Sorgen!‘
Er tat es – und im Morgentau

Da standen sie gefüllt am Hause
Sie staunten über dieses Glück
"Nimmt Dir ein Gott etwas im Brause
Gibt er‘s dem Bittenden zurück"

2018 - Im Zuge der Christianisierung traten die alten Götter langsam zurück, aber nicht ganz. Der schamanische Allvater Odin und seine seherische Frau Frigga erschienen den Menschen weiterhin: in den rauen Winternächten, besonders zu der heiligen Zeit der 12 geweihten Nächte waren sie mit den Hunden und toten Seelen unterwegs. Denn in dieser Zeit starben etliche, die diese Kälte und Not nicht aushielten - und so wusste man, dass die alten Götter, wenn sie sie mitnahmen, doch auch für sie im Totenreich sorgten. Aber man fürchtete sie sehr, den Wode und die 'alte Frick' - und nur ein paar Sagen wussten auch noch um deren Segen, wenn man sich angemessen verhält.

© Maria Khan
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