du spielst meine tiefen töne

von Anouk Ferez
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du spielst meine tiefen töne,
säst in mir den weiten norden
hast es in jede muschel geraunt
die zu meinen füßen lag
„sei mein herz“
bis dein wunsch tausendfach zu mir aufschrie
und rauer seesand mein fühlen glattschliff

du zähmst meine wogen
und flüsterst das nordlicht in meine augen
dass es mir deine schlichten steinfarben
mit lila, iris, kobalt und rosé überhauche.

du bist mein steg in die stille
belädst meinen kahn
mit treibholz und blüten
entlässt ihn an jenen punkt
wo der himmel seinen grauen saum
im mosaik des meeres ausschwenkt.

herz in herz erwandern wir uns die küste
die füße versunken in gischtblumen
die staunenden augen in goldene kosmen gesenkt
in jedem bernstein eine versunkene sonne
unsere weihe ist so bescheiden und leise
vielleicht erkennen wir in zwei, drei dekaden
dass wir heute himmeltaumelnd und
atemversiegend glücklich waren…

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Kommentare

27. Aug 2018

Danke, lieber Axel. Ja, das ist das Schöne an Bernstein, das, was er birgt und dem Betrachter zeigt.
Lg
Anouk

27. Aug 2018

Dein bezauberndes Liebespoem ist ja förmlich der helle Gegenspieler zu meinem etwas düsteren Gedicht, „herz in herz erwandern wir uns die küste die füße versunken in gischtblumen“, wunderschöne Worte hast Du gefunden und miteinander verbunden, liebe Anouk …

sei herzlich gegrüßt - Marie

27. Aug 2018

Danke, liebe Marie .
Ich habe, als ich dein Gedicht las, auch festgestellt, dass wir unsere Stücke , mit komplett konträrem Inhalt, etwa zeitgleich gepostet haben.

Es ist immer wieder interessant zu sehen, was für unterschiedliche Stimmungen bzw. unterschiedliche Themen man plastisch, nahezu greifbar, in Worte kleiden kann.
Mit jedem Gedicht taucht man als Leser quasi in eine komplett unterschiedliche Welt ein: Das hat mich bereits als Kind fasziniert.

Danke und liebe Grüße
Anouk

27. Aug 2018

Liebe Anouk, es schon allein sehr schön, Nord- und Ostseeküsten zu erwandern. Ich tat das oft - allein, zu zweit und auch mit KlassenkameradInnen; aber mit jemandem, den man liebt, bringt es am meisten Spaß. Bernstein mag ich besonders. Vor sehr, sehr langer Zeit kaufte ich mir eine Bernsteinkette. Sie müsste neu aufgezogen werden; ich habe die Steine gut verwahrt. Vielen Dank für dieses schöne, poetisches Gedicht - ein wahres Kleinod aus Bernstein.

Liebe Grüße,
Annelie

27. Aug 2018

Liebe Annelie, vielen Dank für deinen lieben langen Kommentar.
Dieses Gedicht entstand in meinem Kopf während ein paar unvergesslich schöner Sommertage mit meinem Mann und unseren Kindern an der Ostseeküste. Ich, im Norden aufgewachsen, oft zu Nordseeaufenthalten wegen Bronchitis (ja, das gute Reizklima) "verdammt", war später ein absoluter Toskana- und Griechenland Fan. Nun bin ich dem Zauber der Ostsee erlegen. Den Farben. Der Stille. Und dann wieder der Rauhigkeit.

Seit ich eine Doku über Bernstein und den Bernsteinhandel in der Bronzezeit ("Träne der Götter" ) gesehen habe , finde ich Bernstein noch schöner und interessanter als ich ihn bereits als Kind fand.
Einen Mini-mini Bernstein haben wir sogar in jenen Tagen neulich selbst gefunden.

Danke für deinen lieben Worte
liebe Grüße
Anouk

28. Aug 2018

Ein schlichtes, ehrliches DANKE , ich freu mich!
Liebe Grüße,
Anouk

28. Aug 2018

>vielleicht erkennen wir in zwei, drei dekaden
dass wir heute himmeltaumelnd und
atemversiegend glücklich waren…<
Ein wunderschönes Liebesgedicht!
Im Erkennen so viel Weisheit.
Das trägt mich durch den Tag. Danke, liebe Anouk!

Liebe Grüße,
Monika

28. Aug 2018

Liebe Monika, ich freue mich sehr über dein Lob und deine Worte.

Ich komme in letzter Zeit immer mehr zu dem Schluss, dass es die tiefen leisen "Töne" sind, die dauerhaft Erfüllung bringen. Denn im Gegensatz zum "großen Drama" und heftigen "Allüren"kann dieses Leise, Natürliche , Schlichte die breite Basis für Dauerhaftes sein.

Liebe Grüße, und danke!
Anouk