Verraten und verkauft

von Annelie Kelch
Mitglied

Am Hohlweg neben seinem Herzen
vorbeigeschrammt und auf den
Schotter der Nacht gesunken.

Das Siegel gebrochen – nun dunkeln
die Rosen des Bluts, Liebe hat
anderswo zu tun.

Schmerz verstummt; der Tag hat
die Nebelwand zerrissen und
den Anker geworfen.

Wirf eine Handvoll Hirse in
die Schale über dem Feuer, das
vor der Hütte flackert, Noomi*.
Die Verhältnisse nehmen keine
Rücksicht auf dich.

Willst du sie ändern, musst du
auf Wanderschaft gehn, es wartet
kein Zug vor eurer Hütte, der
dich nach Mombasa brächte.

Der erste Schritt jedoch bringt
dich auf den weitesten Weg.

*Dieser afrikanische Mädchenname wird No-omi ausgesprochen.

Umgerechnet 60 Euro zahlt ein Bräutigam in Afrika, um eine junge Frau für eine glückliche, kinderreiche Ehe zu kaufen. Dabei sind die unfreiwilligen Bräute oft selbst noch Kinder. Dass Mädchen mit 12, 13 oder 14 Jahren an deutlich ältere Männer verheiratet werden, ist in einigen afrikanischen Ländern völlig normal (Quelle: rtl.de).

Mehr als 700 Millionen Frauen auf der Welt sind zwangsverheiratet.
Fast die Hälfte der Kinderbräute lebt den Berichten zufolge in Südasien, aber mit 77 Prozent ist das Land mit dem höchsten Anteil an Kinderehen das afrikanische Niger (Quelle: Die Zeit).
Formal liegt eine Zwangsheirat vor, wenn einer der Partner mit der Verheiratung nicht einverstanden ist und seine Zustimmung nicht gegeben hat bzw. sich genötigt fühlt.
Die Abgrenzung der Zwangsheirat zur arrangierten Ehe ist fließend, weil es letztlich der subjektiven Einschätzung der Beteiligten unterliegt, was als Zwang empfunden wird. Eine Heirat ist eine wichtige Lebensentscheidung. Von außen herangetragene Erwartungen und sozialer Druck können die Stresssituation so verstärken, dass oft nicht objektiv festgestellt werden kann, ob Zwang oder Nötigung vorliegen. In Deutschland werden Zwangsehen seit 2011 in § 237 StGB definiert und unter Strafe gestellt.
Wenn die Betroffenen sich weigern, die für sie bestimmte Heirat einzugehen, sind sie oft Repressionen durch Mitglieder der eigenen Familie ausgesetzt, zum Beispiel Beschimpfungen, Drohungen, Prügel oder sogar Mord (sogenannte Ehrenmorde). Der Begriff der Shotgun Wedding (Schrotgewehrheirat), einer aufgrund einer ungeplanten Schwangerschaft durch den Vater der Braut erzwungenen Heirat, gehört zur US-amerikanischen Folklore (Quelle: Wikipedia).

Foto: pixabay, copyright: Annelie Kelch
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Interne Verweise

Kommentare

28. Jan 2018

So mancher Wahn gilt als "normal" -
Der "Sapiens" hockt im tiefen Tal ...

LG Axel

28. Jan 2018

Recht intellektuell ist heut dein Kommentar -
jedoch auch diesmal - unschlagbar.

LG Annelie

28. Jan 2018

Dein einfühsames Gedicht berührt mich, Annelie, Frauen müssen weltweit vor Zwängen aller Art beschützt werden, wir haben ein gutes Grundgesetz - und dennoch gibt es bedauerlicher Weise auch hierzulande Zwangsverheiratungen, es kann ja sein, dass der familiäre Druck so groß ist, dass die Frauen es nicht wagen, sich dagegen zu wehren. Ein großes Thema.

Liebe Grüße - Marie

28. Jan 2018

Danke, liebe Marie, für Deinen Kommentar. Ich bin auch Deiner Meinung, dass der familiäre Druck zu stark ist und dass die Mädchen keinen Ausweg sehen. Nicht jede hat den Mut zu fliehen. Aber es gibt Organisationen, die zumindest versuchen, solche Zwangsheiraten rückgängig zu machen. Wenn in der Türkei Eltern ihre Söhne erschießen, nur, weil sie homosexuell sind, was kaum strafrechtlich verfolgt wird, kam man sich ungefähr ein Bild davon machen, welche Repressalien eingesetzt werden, um die Mädchen gefügig zu machen.

Liebe Sonntagsgrüße zu Dir,
Annelie

28. Jan 2018

Unterdrückung, Gewalt und Nötigung an Frauen und Kindern ist eine Schande und zeigt, liebe Annelie, das sich, vor allen in den armen Ländern nichts verändert hat. Auch in Deutschland hört man von Ehrenmorden, Beschneidungen und Zwangsverheiratung. Selbst hier, unter Schutz vom Gesetz, ist all dies möglich und wird vollzogen. Wie Hilflos müssen die Frauen, Kinder "vor Ort" sein ...???

Viele liebe Grüße in deinen Sonntag
Soléa

28. Jan 2018

Vielen Dank, liebe Soléa, für Deinen guten Kommentar. Du hast vollkommen Recht. In dieser Hinsicht befindet sich der Fortschritt auf dem Abstellgleis. Das Gesetz verhindert solche Gewalttaten nicht, möglicherweise kennen es Täter und Opfer noch nicht einmal. Es ist grausam, dass Minderjährige diesen Repressalien schutzlos ausgeliefert sind.

Auch zu Dir liebe Grüße
und einen schönen Sonntag,
Annelie

28. Jan 2018

Nach der Biographie "Wüstenblume" von Waris Diri, in der es um die Zwangsbeschneidung geht, ist die Zwangsheirat, in der es in Deinem Gedicht geht, ein weiteres starkes Stück Protest gegen ungerechtfertigte Riten vornehmlich des Islams.
Die Idee mit der Gedichtskarte zur Verbreitung finde ich sehr gut! Mach weiter so!
LG Ekki

28. Jan 2018

Vielen Dank für Deinen positiven, bestätigenden Kommentar, lieber Ekki. Wahrscheinlich wird es noch Jahrzehnte dauern, bis überhaupt ein Ende dieser Zwangsheiraten abzusehen ist. Das ist eine wahrhaft schleppende Entwicklung. Aber man kann ja schon froh sein, wenn es überhaupt vorwärts geht. Unendlich leid tun mir nur die vielen Opfer, die auf der Strecke bleiben.

Liebe Grüße,
Annelie

28. Jan 2018

Erschütternd! Wer Dein Gedicht liest, MUSS aufs Tiefste entsetzt sein, liebe Annelie. Wie Menschen doch durch gewisse Ideologien in Bahnen gelenkt werden, die jegliches Maß an Würde, vor allem gegenüber Frauen, verlieren. Das Instrumentalisieren schon von kleinen Mädchenkörpern durch Zwangsheirat, Vergewaltigung und Schwängern, ist - jedenfalls in unserem normalen freiheitlichen Empfinden - unmenschlich. Ob es jemals möglich sein wird, diese grausamen Sitten zu eliminieren, ist fraglich, da der religiöse Hintergrund all dies rechtfertigt. Da hilft nur aufklärerische Bildung. Danke für dies 'wichtige' Gedicht.

Liebe Grüße,
Monika

28. Jan 2018

Vielen Dank für Deinen sensiblen Kommentar, liebe Monika. Ich habe gerade an Ekki (s.bitte oben) geschrieben, dass es ein noch ein sehr langer Weg werden wird, bis sich überhaupt etwas ändert. Ich denke aber schon, dass sich irgendwann etwas ändern wird - durch Aufklärung, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen, Schulbildung etc. Es geht ja hier nicht ums Missionieren, sondern darum, dass man Leid verhindert, gegen das sich diese Frauen nicht wehren können. Sie werden praktisch wie Sklavinnen und gar noch schlimmer gehalten.- Ich könnte wetten, dass es Deiner Khalessi im Vergleich zu vielen Frauenschicksalen in Afrika und Asien "gold" geht. Und das ist gut so, dass es ihr so prächtig bei dir geht.

LIebe Grüße zu Dir und Khalessi,
Annelie

29. Jan 2018

So hat der Mensch es weit gebracht
doch überall bleibt es weiter Nacht
wenn Ideologien schmerzhaft die Herzen binden
wird man nicht wahren Fortschritt oder Liebe finden...

Berührend und eindringlich!

LG Yvonne

29. Jan 2018

Dank Dir, Yvonne, für Deinen guten Kommentar;
kaum wissen wir, was hier geschieht und stets geschah.
Tragödien - griechisch fast - im Stile der Kentauren gar ...
Grausame Riten gibt es auf der Welt, so schrecklich schandbar.

LG Annelie