Koa Chance für a G'müatlichkeit!

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Mitglied

A so a Kasperlfigur
mit am hohl'n Plastikschädl
mechat i ned sei -
ja mir war' 's gnua!

… Und wia s' a hoaß'n mag,
de Grupp'n,
i fühl' mi ned recht wohl drin
ois Marionett'npupp'n,
de si bloß rührt
und ihre Glieder verrenkt,
weil irg'ndwo
oaner oreißt,
an dem Bandl, wo s' hängt.

A a og'schaffte Bierzeltg'müatlichkeit,
original rustikal,
fremdenverkehrsprospektsboarisch
mit „Auf und nieder“
geht mir gegan Strich,
de is mir sauz'wider!

I möcht' mi' mi'm Leb'n …
mit am jed'n Tag raffa …
… ned, weil i möcht',
sondern
weil i moan, dass i 's muass
aus Ehrlichkeit zu All'm,
zu de Ander'n,
zu mir ...

D'rum,
wenn des stimmt, wia i 's spür',
is da
kaum a Ruah
für a Ruah …
da
is s' sauber z' schad
de Zeit
für a selbstz'fried'ne G'müatlichkeit!

Was bleibt
is a Einsicht,
ganz bescheid'n:
's Leb'n wirklich „life“ erleb'n …
i moan,
's Leb'n wirklich bewusst erleb'n …
hoaßt …
's Leb'n lebendig, bewusst erleid'n.

geschrieben am 16. Juli 1986

Rezitation:

Rezitation: gelesen am 28.1.2017
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Interne Verweise

Kommentare

30. Jan 2017

Das Leben lebendig bewusst erleben heißt,
das Leben lebendig bewusst erleiden.
Ein schöner Text, den ich nachempfinden kann - trotz MundArt, die einen besonderen Reiz hat.
LG Monika

31. Jan 2017

Lesenswert und hörenswert! Ich bin Ex - Saarländerin... so viel zum Thema bayrisch. Doch Dank deinem vorlesen, kann ich gut ergänzen was ich beim lesen nicht "verstand" und das passt gut und das machst Du gut!!
LG
Soléa

31. Jan 2017

Liebe Monika, liebe Soléa,
zuerst will ich Euch beiden ganz herzlich für Euere wohlwollenden Kommentare danken, welche auf mich recht anspornend wirken, weitere Mundartarbeiten hier vorzustellen. Dass ein Bayer sich sprachlich damit zurechtfindet, ist ja nichts Besonderes, aber wenn man über die eigenen Dialektgrenzen hinaus Anklang findet, macht dieser Umstand glücklich und dankbar! Da Denken ohne Sprache im eigentlichen Sinne ja nicht möglich ist, wirken auf mich meine Mundartgedichte wesentlich natürlicher als jene, welche in der Hochsprache abgefasst sind - kein Wunder, denn ich denke eben auch in Mundart ... und deshalb bringe ich hier wesentlich feinere Nuancen ... sprachliche Schattierungen ... zum Ausdrucke. Es ist wunderbar, von mehreren Seiten unabhängig erfahren zu dürfen, dass ich mich mit meinem Schreiben in keinem "sprachlichen Ghetto" bewege! DANKE!
Liebe Grüße vom Alfred!