Bescheiden bleiben ...

Bild von Horst Fleitmann
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Ein Mensch fragt: Gott, wie kann es sein,
ich esse täglich Haferschleim,
mein Nachbar, sitzt allein im Garten
isst Berge Rind- und Schweinebraten,
ja auch Geflügel, Wild und Fisch
kommt dort im Wechsel auf den Tisch.
Kannst Du nicht auch an mich mal denken
und mir ein solches Festmal schenken?

Ich denke, sagt Gott, auch an Dich,
sonst säßest Du an leerem Tisch.
Du hast ein Heim, zwar wenig Geld,
doch Weib und Kind - wie's Dir gefällt.
Du bist gesund, nun bleib bescheiden.
Hör auf, den Nachbarn zu beneiden,
denn dieser ist trotz Reichtum traurig
und hätt's gern so wie du... beschaulich.

Was nützt ihm denn sein Gut und Geld
wenn Liebe, Frau und Kind ihm fehlt ?
Er ist und isst täglich allein
und wünscht sich, es mög' anders sein.
Ich weiß nicht ob Dir das gefällt,
sagt Gott, der nichts von Neidern hält.
Der Mensch stellt die Beschwerde ein,
denn plötzlich schmeckt sein Haferschleim.

© Horst Fleitmann, 2021

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Kommentare

12. Mai 2021

"Der Mensch stellt die Beschwerde ein,
denn plötzlich schmeckt sein Haferschleim."

Ich sehe/höre es bereits vor/in meinem inneren Auge und Ohr Menschen mit großen Plakaten, T-Shirts und Jutebeuteln durch deutsche Großstädte skandieren.

13. Mai 2021

So viel ich verzehre
pfundiges Rind oder Schwein
nicht kann füllen die Leere
ich bleibe allein

13. Mai 2021

Genau das sollten die Zeilen ausdrücken

13. Mai 2021

Wir möchten so viel sein, haben und gelten,
dass einer alles hat, das ist selten.

Tucholsky

Beste Grüße

13. Mai 2021

"Das Ideal" ... eines meiner Lieblingsgedichte Tucholsky's