Ich bleibe stumm

Bild von ulli nass
Mitglied

in träger Bewusstlosigkeit
rechnen dumpf vor sich hin
die neuronalen Netze

tiefe Nacht herrscht
bis auf weiteres
im digitalen
Zukunfstparadies

terra incognita -
sie sind noch
nicht entdeckt
die ultimativen Gesetze

ein Christoph Columbus
ein Vasco da Gama
des Geistes
sind nach wie vor
fixiert und gefangen
in Hirnmaterie

wie in einem
auf alle Zeiten
fest verschlossenen
Verlies

wie wäre es
eine Fledermaus zu sein
wie fühlst du
denkst du
erfährst du Wirklichkeit

magst du blau
bist gerne allein
glaubst an ewiges Leben
oder endgültige
Sterblichkeit

der Homunkulus im Hirn
zündet voller Verachtung
ungehemmt weiterhin
die Nebelkerzen

doch
er existiert nicht
da ist kein Dirigent

im Neuronenkonzert
dominieren bis auf weiteres
disharmonisch die Strukturen
von nicht auflösbaren
Akkorden
falschen Quinten
schrägen Terzen

bestraft wird mit
noncholanter Verachtung
wer weiter unbekümmert
in Platons Höhle
gegen die Mauer rennt

Descartes'
cogito ergo sum
ist eindeutig
zu kurz gesprungen
als letzte Wahrheit
völlig
misslungen

sei ' s drum
schweige dazu
und
bleibe stumm

Interne Verweise

Kommentare

07. Dez 2020

Ja, Descarte mit seiner Leib-Seele Theorie ist eindeutig zu kurz gesprungen, auch Platon hat's nicht gebracht - da bleibt einem nur SCHWEIGEN. Und unverdrossen weiter suchen!

LG Marie

07. Dez 2020

Danke Marie, ich freue mich immer, wenn ich mit meinen Gedanken verstanden werde. Sie sind so wie sie sind, zum Glück kann ich sie immer dann auch meist mit Distanz sehen . . . nachdem ich versucht habe, sie sprachlich zu fassen. So erfährt man doch immer wieder auch neues über sich. Die alte Dichotomie :
exllizit-implizit. Interessant. Konstantin Wecker sagte neuliich in einem Interview bei uns in der Zeitung : meine Gedicht waren schon immer klüger als ich. Da kann ich zustimmen.
Ich grüße Dich herzlich und bis bald mal
ulli

07. Dez 2020

Ja, beim Versuch Gedanken in Worte umzuwandeln erfährt man Neues über sich selbst ...

LG Leo

07. Dez 2020

Konstantin Weckers Aussage stimme ich auch zu - und grüße Dich herzlich - bis zur nächsten Begegnung hier im Forum. Ein Austausch mit Dir - bereichert!

Marie

07. Dez 2020

Auch Neuronen(feuerwerke) sind nur Klaviaturen - wer "Ohren" hat, der höre .. sein ganz persönliches Lied des Lebens.

07. Dez 2020

Das ist alternativlos Noé und ich kann zustimmen, obwohl die Schnittmenge unserer Vorstellungen zu Gehirn, Bewusstseinsforschung, Neurophilosophie vermutlich überschaubar ist. Ich schreibe dss nur (es muss arrogant wirken), weil es wirklich unerheblich ist.
Jeder sollte seine eigene Lösung finden und wenn sie nicht gänzlich der Vernuft widerspricht, dann ist es total OK.
Jeder hat tatsächlich eine eigene Welt im Kopf, ich verstehe es inzwischen, es kann nicht anders sein.
Ein Wunder, dass wir uns mit ein wenig gutem Willen(?) passabel verständigen können.
liebe Grüße
ulli

07. Dez 2020

"... und wenn sie nicht gänzlich der Vernuft widerspricht ..."
Wessen?

07. Dez 2020

ja Noé, es gibt nur die eine, es ist die unserer merkwürdigen und und doch so begabten Spezies. Demut bleibt die angemessene Haltung. Aber viele Vorstellungen von viel zu vielen Menschen sind einfach grundlegend falsch. Mein Problem schon über Jahrzehnte in kürzester Version,deswegen sitze ich oft zwischen den Stühlen :

Wissenschaft ist nie absolut ( diese Vorstellung ist mir fremd)
sonst wird sie zur Ideologie- aber das Unwissen der meisten Menscheh über das, was wir sicher wissen, das erschüttert mich immer wieder. Von CERN,Biologie, Genetik, Astrophysik,Neurowissenschaft, Philosophie,Kultur-und Religionsgeschichte . . . oder mit Goethe, zu wissen was die Welt im Innersten zusammenhält.
Ich versuche , einen ganz ganz groben Überblick zu behalten.Schier unmöglich. Aber ich hab Spass daran. Wir werden nie alles wissen, aber wir wissen schon viel mehr, als die meisten Menschen sich vorstellen können. Das gilt es, zur Kenntnis zu nehmen. Auf dieser Basis darf man dann von mir aus fantasieren .. Die Neurowissenschaften beforschen das Organ ( das Gehirn) , in dem unsere Welt komplett stattfindet, inklusiv Emotionen, Wissen, Persönlichkeit,die religiösen Vorstellungen, wirklich alles. Täglich zwingen uns ihre Erkenntnisse, für sicher gehaltene Annahmen über uns als unzutreffend zu den Akten zu legen.Das fasziniert mich . . . verletzt nicht meine Würde. Überhaupt ist moderne Wissenschaft sehr oft kontraintuitiv. Das vertragen viele nicht. Kränkung Seit mehr als 50 Jahren
finde ich es faszinierend.
Sieh's mir nach. Mein Weltbild, ich hab es schon Marie erklärt, ist ziemlich fertig. Camus etc. Ich lebe gut damit. Religion hat darin keine Bedeutung mehr.Moral lässt sich z.B. niemals durch Religion begründen.
No need for Transzendenz, Unsterblichkeit , etc. - vollkommen unnötig für ein sinnvolles, erfülltes Leben.
Ich mag übrigens schon immer die meisten Menschen sehr gerne. Ein gutes Gefühl.
Das mag's für heute sein.
liebe Grüße
ulli