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Bild von Heinz E. Schrocke
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Liegt da nicht irgendwo am Rhein,
dort hinter einem großen Stein,
der Ring, den gestern du mir schenktest,
bevor du dich erhenktest?

Es war ein schreckliches Erlebnis,
von einem Streit nur das Ergebnis.
Es ging bloß um ein Hühnerei.
(Der Papagei, der war dabei!)

Das Ei, es kochte fünf Minuten,
und dafür musstest du heut bluten.
Ich kann so hart sie nicht ertragen,
sie liegen schwer mir dann im Magen.

Als du darauf die Türen knalltest
und unverständlich etwas lalltest,
konnt ich nicht ahnen jedenfalls,
wie bald du brechen würdst den Hals.

Den Ring von dir, den warf ich weg.
(Das Material war eh nur Dreck.)
Dann leuchtete das Abendrot,
es baumelte dein Körper - tot!

Oh, als ich dann herniedersank
(wie schrecklich schon dein Körper stank!),
die Hände faltete zum Beten,
fand ich: Hier müßt man auch mal jäten!

Drauf fing ich schrecklich an zu wein'n,
die Tränen fielen in den Rhein.
Dann hört ich auf und wurde stutzig:
Die Leiche macht die Umwelt schmutzig!

Ganz vorsichtig schnitt ich dich ab
(dein Körper fiel sehr laut herab!)
Der Anblick war nicht zum Beglücken:
du lagst vor mir bereits in Stücken.

Behutsam sammelte ich sie auf,
die Einzelteile, und im Lauf
bracht ich sie zu des Rheines Fluten -
Dein Kopf fing wieder an zu bluten.

So ging ein großes Glück zu Ende,
die Art des Todes spricht ja Bände,
und oft seh ich dich noch im Traum,
wie du da hängst am Galgenbaum.

Veröffentlicht / Quelle: 
Silhouette Literatur - International/Nummer 16-1982

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