Der Panther

von Rainer Maria Rilke
Aus der Bibliothek

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rezitation: 
Rezitation: Angélique Duvier, Klavier und Komposition: Vladyslav Sendecki

Das Gedicht "Der Panther" ist eines der geläufigsten Gedichte des deutschsprachigen Dichters Rainer Maria Rilke. Der Panther ist gleichzeitig eines der bedeutendsten Dinggedichte- Rilke der wichtigste Vertreter dieser Gedichtform.

Das Gedicht ist zwischen 1902 und 1903 entstanden. Zuerst lediglich in einer böhmischen Zeitschrift veröffentlicht, avancierte es zu einem von Rilkes bekanntesten Werken. Häufig übersetzt, analysiert und interpretiert gehört es heute zum Standardrepertoire des Deutschunterrichts.

Auszug Wikipedia: "Der Panther gilt als das berühmteste Dinggedicht Rilkes, in denen der Dichter zum Sprecher der „stummen Dinge“ wird. Der Panther wird in drei Strophen von seiner äußeren Erscheinung (Blick, Gang, Auge) beschrieben, um sein Inneres zu erschließen."

Angélique Duvier rezitiert "Der Panther", am Klavier begleitet von Vladyslav Sendecki
Maler im Jardin des Plantes, 1902 (Gemeinfrei)
Veröffentlicht / Quelle: 
Neue Gedichte; Insel-Verlag 1907 - 1. Auflage

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895 Seiten / Gebundene Ausgabe
EUR 20,00

Interne Verweise

Kommentare

19. Apr 2016

Dieses Gedicht ist ein Juwel. Für mich. Und die Darbietung ist ein Genuss. Danke.
LG Monika

28. Apr 2017

Rilkes Gedicht: Der Panher lässt aufhorchen,
um nicht zu sagen; Wütend zu sein.
Irgend ein Tier wird eingesperrt
und seiner Freiheit beraubt.
Wenn man das mit Menschen macht,
ist das ein Verbrechen. Vorausgesetzt,
dass sie eine strafbare Handlung begangen haben.
Tiere kann man einsperren und den Menschen
zur Schau stellen Da geht mir der Hut hoch!

28. Apr 2017

Das stimmt, lieber Alfred. Und das ist für mich der Grund, dieses Gedicht als wertvoll zu empfinden.
Noch einen freudvollen Tag. LG Monika

28. Apr 2017

Das ist richtig! Rilke geht von der äußeren Erscheinung des Tieres aus,
um auf sein Inneres zu schließen.

LG
Alfred

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