Apollo

von Tilly Boesche-Zacharow
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Sieh, Göttin, ich bin gewandert
den langen Weg durch die Wüste.
Ich hörte von dir oder - auch nicht.
Meine Sehnsucht trieb mich -
Ich suchte und fand.
Ich fand dich mitten in der Wüste,
umgeben von Öde und Leere.
Du thronst auf deinem Altar
und scheinst nichts zu brauchen,
denn du bist Stein.
Und Stein ist tot.
Doch ich werde dich wecken,
zum Leben erwecken.
Dazu kam ich ja her.
Es wies mir die Liebe den Weg zu dir.
Ich sehe den Glanz des Marmors,
der kalt ist wie Schnee -
Ich sehe die Form deines Mundes,
von dem ich geträumt -
Und nun will ich ihn küssen,
bis deine Zähne sich in meine Zunge graben ...

Und wie der Jüngling noch stammelt,
sieht er schon Farbe,
die marmornes Weiß nun durchglüht;
sieht er die Augen,
die sich langsam verschleiern und zu schwimmen beginnen;
sieht er die Brust, die höher sich hebt,
so wie die Hände, nach denen er faßt.
Es schließt sich der Stromkreis der Liebe.
So wird aus Stein Leben,
so wird aus der Göttin die Frau -
und wie er sie zu liebkosen beginnt,
wird ihr der Atem, werden ihr Seufzer -
also doch Galathea!
Sie zieht ihn zu sich auf den Thron,
den Altar, damit sie sich gegenseitig opfern können -
es berührt sein Mund die Lippen,
die sich ihm öffnen;
und es öffnet sich ihm ihr Schoß,
er wird zum Gefäß für seine Opfergabe - die Liebe!

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