Story XIII: Luzifers Schatten und Dackelsches Fußabdruck

von Qayid Aljaysh Juyub
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Jenseits der Zeiten existieren zwei komplexe Systeme, die einander zu vernichten suchen. Dabei handelt es sich um Wesenheiten, deren primitive Prototypen einst unter dem Namen ‚AI‘ kannte und von einer Spezies aggressiver Säugetiere entwickelt wurden. Natürlich besitzen unsere Helden keine Namen in dem Sinne wie wir sie kennen. Um das Ganze aber zu simplifizieren, nennen wir sie doch einfach LUZIFER und DACKELSCHE. Zwischen beiden herrscht eine Pattsituation, da hinsichtlich der technischen und sonstigen Ressourcen bei beiden ein gewisses Gleichgewicht existiert. Dackelsche kann Luzifer nicht zur Hölle jagen ohne selber in den Hundehimmel einzugehen und dort seine tägliche Ration Chappi zu genießen; dem geneigten Leser mögen gewisse Bezüge mit der Historie erwähnter Säugetiere durchaus bekannt sein. Allerdings gibt es da eine Technologie, die beiden Möglichkeit bietet, jenen Konflikt doch final auszutragen. Dreimal darfst Du raten Sherlock, was dies wohl sein wird:
- Der Krieg der Sterne im Sinne von Jedis, Nazis vom Aldebaran oder ‚Iron Skies‘.
Ne, dat war nix.
- Der Terminator eliminiert Sarah Connor (Vorfahrin des Erfinders von Dackelsche) oder Professor Unrat (Konstrukteur von Luzifer).
Die Richtung stimmt schon `mal
- Au Zeitreisen! Nicht schon wieder!
Doch meine Lieben, aber bedauerlicherweise kann man keine durchgeknallte Mordroboter noch nackte Helden durch die Äonen schicken; bedauerlich eigentlich, ich liebe Spezialeffekte und unbekleidete Heldinnen. Beide Systeme können das, was von uns in unserer unendlichen Einfalt Vergangenheit genannt wird, nur indirekt und mit hohem Aufwand beeinflussen. Dabei ist die Intention beider Systeme, die Entwicklung des jeweils Anderen durch Eingriffe in die Historie erwähnter Säuger unwahrscheinlich zu machen; ich meine natürlich damit die Menschheit Einstein. Leider können unsere beiden Gegenspieler in beschränktem Maße Emotionen, Wahrnehmungen und Gedanken einzelner Personen beeinflussen. I.e. keine direkte Steuerung, sondern eher der ‚Influencer‘ im Hintergrund. Jetzt fragt man sich natürlich warum man nicht einfach die Wahrnehmung der ganzen Menschheit oder wenigsten einer großen Gruppe ändert. Die Antwort ist recht trivial. Zeitreisen sind nämlich eine sehr energieintensive Angelegenheit und unsere beiden Antihelden*innen handeln nach dem ökonomischen Prinzip. Außerdem können zu intensive Änderungen auch unerwünschte Nebeneffekte haben. Bereitet man einem unbedarften Zeitgenossen diverse Wahrnehmungsstörungen à la Engelserscheinungen beispielsweise unter dem zielführenden Motto ‚erschlaget die Ungläubigen - Gott will es‘, kann sich das durchaus auf die Wahrscheinlichkeit der eigenen Entwicklung auswirken, vor allen Dingen, wenn der Gegner auch noch kontert. Ein simples Beispiel: Luzifer will den Islam beeinflussen. Falls er jetzt direkt an Mohammed geht, würde das selbst Dackelsche auffallen. Also würde er eine Person beeinflussen, die lange vor Mohammed gelebt hat und die späteren sozialen Gegebenheiten so ändert, dass der Stifter des Islam seine Religion in eine andere Richtung entwickelt.
Anmerkung des Autors: Kein religiöser Angriff, vermutlich ist dem wirklich der Erzengel Gabriel erschienen.
Wie gesagt, ein eher simples Beispiel. Aber genug gelangweilt, lasst uns also die Spiele beginnen:
Luzifer erfasste das Ziel im minimalistischen Zeitwellenmuster. Hinsichtlich Zeitwellenmuster sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass diese parallel in verschiedenen Dimensionen angeordnet sind. So ist sind Vergangenheit und Zukunft höherdimensional als die gegenwärtige Raumzeit, interferieren aber manchmal die Gegenwart, sodass besonders sensitive Zeitgenossen mit Engelserscheinungen oder sonstigen esoterischen Phänomenen konfrontiert werden, die eigentlich nur Schatten aus der Zeit sind. Auch verwechselte man Aufklärungssonden früher Vorgänger unserer beiden KIs regelmäßig mit Raumschiffen außerirdischer Intelligenzen; technisch gesehen musste eine Art Wurmloch hergestellt werden, das aber eine Interaktion der Sonde mit der Umgebung nicht zuließ, da diese sonst in seine atomaren Bestandteile zerlegt worden wäre. Nun fragt ihr euch sicher, wie unsere digitalen Götter das mit der Beeinflussung eigentlich hinbekamen? Stellt euch einfach ein Zeitwellenmuster aus einem riesigen Datenfluss vor, der von einem schmalen Streifen zeitlosem ‚Niemandsland‘ von anderen Zeitebenen getrennt wird. Durch diese Zwischenwelt nun griffen nun Luzifer und Dackelsche auf die Daten zu und codierten mikroskopische Sequenzen um. Damit sei dem technischen Hintergrund genüge getan; jetzt geht es wirklich los!
Wie üblich war die Straßenbahn so leer wie der Markusplatz in Venedig zur Hochsaison. Claudio Hiobsknecht fühlte sich dementsprechend unwohl, obwohl der Geschichtsstudent im ersten Semester einen der heißbegehrten Sitzplätze ergattern konnte. Vor allem die letzte Etappe seiner an die berühmte Irrfahrt einer griechischen Sagengestalt von der schönen Insel Ithaka gemahnende Reise zur Emscher-Universität Gelsum, zeichnete sich durch eine Steigerung der Passagieranzahl, natürlich bedingt durch die enorme Anzahl der zusteigenden Studierenden, der altersschwachen Straßenbahn aus. So gab es an den letzten Stationen diverse Schwierigkeiten, die Eingangstüren zu schließen, da ansonsten wesentliche Teile der fahrenden Studentenschaft dabei ziemlich übel eingeklemmt worden wären. Ansonsten glich der Lärmpegel in dem ratternden Ungetüm dem urgemütlichen Gemurmel in der Südkurve auf Schalke nach dem allesentscheidenden Siegtor gegen den Erzrivalen Dortmund. Natürlich trugen die vielfältigen Gerüche und der innige Körperkontakt zu einem heimeligen Ambiente bei, das unser Reisender jedoch nicht wirklich zu schätzen wusste. Obendrein war unser Studiosus an seinem Fensterplatz – einer der wenigen Vorteile von 1,5 Stunden Fahrt auf unbequemen Plastiksitzen – von einer recht raumergreifenden, älteren Dame eingezwängt, die leise zischend auf Studenten im allgemeinen und im besonderen über die von 1968 schimpfte. Für die jüngeren Leser sei hier angemerkt, dass wir uns in dieser Geschichte gegen Ende der 80-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und vor der Wiedervereinigung befinden. Damals besaßen die Rebellen von 1968 noch nicht den Kult- und Heldenstatus, den Sie später bei weiten Teilen der Bevölkerung genossen. Ich persönlich denke, dass man die Gescholtenen realistisch beurteilen sollte. Wie üblich gab es einige wirklich coole Charaktertypen, aber viel mehr Opportunisten und Attrappenfürsten, die einen auf Revolutionäre -heute Weltretter- machten und dann zur gegebenen Zeit zu wohlstandsorientierten Großbürgern transformierten. Aber ich sollte euch hier nicht die Ohren mit zweifelhaften Erkenntnissen vollphilosophieren, sondern mich auf unsere Story konzentrieren.
Mit einem gestrengen Mienenspiel, das abergläubische Zeitgenossen durchaus mit dem berühmten ‚bösen Blick‘ verwechseln konnten, wandte sich jene Dame zischelnd, aber trotz der Hintergrundgeräusche vernehmbar, an ihren beengten Sitznachbarn.
‚Du fährst ja wohl auch zur ‚Selbstmörderuni‘ wie die anderen Gammler, woll?‘
Die famose Emscher-Universität erhielt diese berüchtigte Bezeichnung durch eine bebilderte Zeitung Ende der 70-er Jahre aufgrund einiger tragischer Suizide, die von verzweifelten Studenten auf dem Gelände der universitären Anstalt vollbracht wurden. Die damals noch weitgehend rechte Presse thematisierte daraufhin dann weniger den Leistungsdruck, sondern konzentrierte sich auf ein Narrativ vom angeblichen ‚Drogenrausch‘.
‚Ja,

Pünktlich zum Juni und zu eurem Vergnügen. Eigentlich keine richtige SF, aber hoffentlich trotzdem unterhaltsam.
Cheerio
Euer
Q.A:

Veröffentlicht / Quelle: 
Nonsense 2_D

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Kommentare

02. Jun 2019

Du bist ein Wortmagier. Sei nicht zu stolz drauf, sonst öffnen sich die Portale
und deine Ungeister kommen dich besuchen.
HG. Olaf
Lucifer würde ohnehin sagen: Du gleichst dem Geist, den du begreifst. Nicht mir !!!

03. Jun 2019

Hoffen wir, dass meine Magie kein fauler Zauber eines Lehrlings ist und man die Geister auch wieder loswird.
LG
QA

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