Des Teufels Großmutter

von Monika Jarju
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Ich hatte keine Ahnung, sonst wäre ich nicht durch das verschneite Viertel zum Pflegeheim gestapft, um meine Großmutter zu besuchen. Sie war uralt und stand mit einem Fuß schon fast vor dem Jüngsten Gericht. Sie lag im Bett, als ich eintrat und sah heute jünger aus. „Erzähl mir von Königsberg, von Bromberg“, bat ich, „erzähl von deinen zehn Kindern und deinem Mann, wie habt ihr gelebt?“ Jetzt werde ich endlich alles erfahren, dachte ich froh. Als ich ein Kind war, und sie ihre Pommersche Kliebensuppe kochte, hatte sie oft davon gesprochen. Ich habe alles vergessen. Irritiert sah sie mich an. Dann sprang sie mit einem Ruck aus dem Bett, schob mich beiseite und rannte auf die Pflegerin zu. Sie kicherte vergnügt. Das war wirklich keine gute Idee von mir zu kommen. „Ich komme wieder, dann kannst du mir alles erzählen", sagte ich kleinlaut. Ich sah nur noch ihren sinnlichen Mund, das lockige Haar, die Lust in ihren Augen. Sie war so lebendig. Ich erschrak. Oh, Teufel noch mal, leben wollte sie!

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