Der unaufhörliche Streit

von Ian Reichl
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In einem kleinen Waldstück lebten einst viele Tiere, die vor einem Problem standen. Die Tiere mussten die gesammelte Nahrung untereinander aufteilen jedoch wusste man nicht wer die Nahrung zuteilen sollte. Die Tiere fingen an sich zu streiten. Ein großer und mächtiger Löwe sagte: „lasst mich die Nahrung gerecht aufteilen und ich verspreche euch das niemand mit leeren Händen nachhause kommen wird“. Einige Tiere trauten dem Löwen und wollten ihm diese wichtige Aufgabe überlassen. Andere Tiere erwiderten jedoch: „Herr Löwe, wieso sollten wir Ihnen trauen, dass sie die Nahrung auch wirklich gerecht aufteilen? Wer garantiert uns das?“. Der Löwe machte darauf hin einen Vorschlag: „Nun in Ordnung, was haltet ihr davon, wenn die Tiere, die mir trauen mit mir kommen und sich ein neues Waldstück suchen, in dem ich die Nahrung gerecht aufteilen werde?“. Es wurde diskutiert und der Löwe sagte nun: „also, wer mir traut der möge mir jetzt folgen“ und so taten es auch einige Tiere und gingen mit dem Löwen von dannen. Die übrig gebliebenen Tiere fingen wieder an zu diskutieren und es bildeten sich Gruppen, die Vorschläge machten, wie ihrer Meinung nach, die Nahrung verteilt werden sollte. Eine Gruppe von Bibern sagte: „Uns steht mehr Nahrung zu als den anderen, wir arbeiten jeden Tag hart und sollten deswegen dafür belohnt werden“. Daraufhin riefen die Bären: „Wir sind doch viel größer und schwerer als ihr deshalb steht uns mehr Nahrung als euch zu!“ es artete in einem großen Streit aus in dem die verschiedenen Tiere alle argumentierten, wieso sie mehr Nahrung als die anderen bekommen sollten. Der Streit hielt eine Weile an bis sich ein Luchs auf einen Baumstamm aufrichtete und rief: „Meine lieben Freunde, so lasst uns nicht weiter streiten. Jeder der sich zutraut diese wichtige Aufgabe zu meistern möge die Hand heben“. So taten es auch die Tiere und von jeder Tierart meldete sich eins freiwillig. Nun sagte der Luchs wieder: „Also gut, ihr seid also die Tiere, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Nahrung gerecht aufzuteilen. Der Rest der Tiere kann nun wieder gehen, die auserwählten Tiere werden nun untereinander entscheiden wie die Nahrung aufgeteilt wird und sobald sie eine Lösung gefunden haben euch darüber berichten“. Die Tiere waren einverstanden und gingen fort, um die auserwählten Tiere ihre Arbeit machen zu lassen.
Auf der anderen Seite des Waldes hat der Löwe mit seiner Gefolgschaft ein neues Waldstück gefunden, das sie nun bewohnten. Der Löwe rief: „Meine lieben Freunde, fangt an Nahrung zu suchen und bringt sie mir. Sobald wir genug Nahrung haben werde ich sie gerecht aufteilen“. So geschah es auch und die Tiere begannen mit der Nahrungssuche.
Monate vergingen, bis der Herbst vor der Tür stand. Der Löwe verkündete das sich alle Tiere versammeln sollten damit er das Ergebnis verkünden konnte“. Als alle Tiere versammelt waren kam der Löwe. Es wurde still und der Löwe fing an zu sprechen: „Heute ist es also soweit. Heute werden wir die Nahrung verteilen“. Die Bären, verkündete er werden 60% der Nahrung erhalten. Die Bären freuten sich jedoch waren die anderen Tiere besorgt. Sie riefen: „das ist nicht gerecht! Wieso bekommen die Bären mehr als die Hälfte?“. Der Löwe versicherte den Tieren: „Vertraut mir, ich habe niemanden vergessen und es wird jeder das bekommen, was er benötigt.“ Er fuhr also fort, bis die gesamte Nahrung verteilt wurde. Einige Tiere waren unzufrieden mit der Aufteilung und fühlten sich hintergangen.
So brach der Winter an und die Tiere mussten ab sofort mit den zugeteilten Vorräten den Winter überstehen.
Es vergingen wieder Monate bis die Bäume wieder Blätter bekamen und der Frühling begann. Der Löwe lies zu Beginn des Frühlings wieder alle versammeln. Einige Tiere waren immer noch enttäuscht und waren gespannt was der Löwe nun zu sagen hatte. „Nun meine Freunde, der Winter ist vorbei und wir können wieder neue Nahrung sammeln. „Also, musste jemand hungern im Winter? Hat es jemand nicht durch den Winter geschafft? Die Tiere antworten: „Herr Löwe, niemand ist gestorben, es haben alle den Winter überlebt“. Daraufhin antwortete der Löwe: „Seht ihr, ich habe die Nahrung so aufgeteilt das jeder aus unserem Volk das bekommt was er benötigt und niemand Hunger leiden musste. Ihr zweifelnden Tiere, sagt findet ihr die Aufteilung nun immer noch ungerecht?“. Die sich ungerecht behandelt fühlten Tiere schüttelten den Kopf und antworteten: „Nein Herr Löwe, sie haben das getan was für die Gemeinschaft am besten ist. Wir entschuldigen uns für unser Misstrauen“. Der Löwe nahm die Entschuldigung an und verkündete das er das frühere Volk besuchen werde um zu schauen, wie es ihnen ergangen ist.
Er zog also los und erreichte nach einiger Zeit sein früheres Zuhause. Was er vorfand war erschreckend. Er fand abgemagerte Tiere, die beinahe zu schwach zum Gehen waren. Er fragte einen alten Freund, ein Lamm, was passiert ist. Das Lamm antwortete: „Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, es wird immer noch diskutiert jedoch ohne Erfolg“. Niedergeschmettert fügte das Lamm hinzu: „der Zwang es allen recht zu machen wird uns den Tod bringen. Ich hoffe das wir davor verstehen werden das wir es nicht allen recht machen können und es nicht das Ziel sein sollte es den einzelnen Gruppen recht zu machen, sondern dem Großen ganzen“.

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