Die Welt der Friedenshüter -Kapitel 1-

von Theresa Leseeule
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Emma saß schon eine ganze Weile gedankenverloren auf einem Baumstumpf mitten im Wald auf einer kleinen Lichtung - dort schien das Sonnenlicht auf eine besondere Art und Weise auf die unterschiedlichsten Pflanzen und Bäume. Dieser Platz gehörte eindeutig zu ihren Lieblingsplätzen und sorgte jedes Mal dafür, dass sie alles andere um sich herum vergaß. So viele Dinge schwirrten in ihrem Kopf herum und sie war sich nicht sicher, ob und wie sie eben diese lösen sollte. Angefangen bei ihrem größten Konflikt, welcher sie dermaßen beschäftigte, dass er es immer wieder schaffte alle anderen wichtigen Dinge zu verdrängen. Es scheint, als wäre es dieser Konflikt wert seit Jahren immer und immer wieder darüber zu grübeln, jedoch sprach Emma mit niemandem darüber, denn ein niemand in ihrer jetzigen Lebenssituation würde auch nur im entferntesten verstehen, was all diese Dinge zu bedeuten haben oder gar wie wichtig sie einst waren.
Es war nun fast 10 Jahre her, als dieses Ereignis vorgefallen war und ihr Leben auf den Kopf gestellt hatte - noch immer hatte sie nichts davon vergessen können und war sich sicher, dass dies auch niemals der Fall sein würde. Damals stand Emma kurz vor ihrem 13. Geburtstag - einem Geburstag von enormer Wichtigkeit in ihren 'alten Welt'. Jedoch kam es nicht dazu, dass sie eben diesen in ihren Welt erleben konnte. Die Welt der Friedenshüter wurde von einem tragischen Ereignis erfasst, welches ihr Leben schlagartig veränderte. Von jetzt auf gleich musste sie sich in einer anderen Welt anpassen, um nicht aufzufallen und entdeckt zu werden. Ihre Familie und Freunde hatte sie verloren und war damit auf sich allein gestellt. Aus diesem Grund verließ sie ihre Welt und lebte unter den Menschen bei einer Familie, die sie damals aufgenommen hatten. Sie dachte noch oft an diese Zeit zurück und vermisste sie hin und wieder, jedoch verschwommen ihre Erinnerungen immer weiter. Die Zeit, in der sie nachts aufwachte und weinte hatte sie hinter sich gelassen - ab und zu jedoch wachte sie immer noch schweißgebadet und außer Atem auf. Der Gedanke daran, dass sie in einer Nacht ihre gesamte Familie verloren hatte und das auch noch durch ihren damaligen besten Freund Liam, bescherte ihr immer wieder Albträume. Schlimmer, als die Albträume selbst waren die zahlreichen Gedanken, die sie darauf hin an Liam verschwendete. Er war derjenige, der ihre Familie damals verraten und somit im Stich gelassen hatte. Sie würde ihm niemals verzeihen, jedoch würde sie wahrscheinlich auch niemals aufhören sich zu fragen, warum er dies getan hat, denn sie hätte ihm eine solche Tat niemals zugetraut. Seit 10 Jahren hatte sie von keinem Friedenshüter mehr gehört, geschweige denn einen gesehen.
Mittlerweile hatte es ein wenig angefangen zu nieseln und Emma machte sich auf den Heimweg. Zu Hause angekommen nahm sie den Geruch von Pfannkuchen war und beeilte sich, um so schnell wie möglich an den Tisch zu gelangen. Ihre Ziehfamilie saß bereits am Tisch und aßen genüsslich - sie waren es gewohnt, dass Emma hin und wieder später nach Hause kam, denn sie wussten, dass sie ihre Zeit für sich brauchte, um über ihr früheres Leben nachzudenken. 10 Minuten später und drei Pfannkuchen voller verspürte Emma den Wunsch sich in ihr Bett einkuscheln und einfach an nichts zu denken - ein Wunsch, der unmöglich war, denn an nichts oder nur etwas Belangloses zu denken fiel ihr sehr schwer.

"Wenn du nicht bald aufstehst und dich anziehst, dann kommen wir schon wieder zu spät!", schrie Liam erneut seinem kleinen Bruder zu. Die beiden waren gerade einmal 3 Jahren auseinander, jedoch war Liam eindeutig der mit dem größeren Pflichtbewusstsein von beiden. Nach einer halben Ewigkeit verließen die beiden das Haus und machten sich auf den Weg zur Versammlung. Draußen war es noch stockdunkel, was jedoch genau die Zeit war, in der die Friedenshüter sich am meisten bewegten, da sie ihnen Schutz bot. Die beiden kamen, wie Liam es schon zuvor gewusst hatte zu spät und wurden von den anderen 26 Mitgliedern der Versammlung mit bösen Blicken beäugt - Liam setzte sich auf seinen Platz, denn er war das 27 Mitglied. Jede Namensgebende Familie hatte einen Sitz in der Versammlung und da Liam der ältere Sohn war ging dieses Erbe an ihn. Die Friedenshüter waren zu Beginn 30 Familien mit 30 Sitzen. Platz 28 würde für immer frei bleiben, da dies die Familie war, die für das tragische Ereignis vor so vielen Jahren verantwortlich war und aus der Friedenshüterversammlung verband worden war. Platz 29 gehörte der Familie von Emma und auch dieser blieb frei, denn bis auf Liam wusste niemand, dass sie noch am Leben war. Platz 30 gehörte der Familie einer jungen Frau, die ebenfalls damals ums Leben kam - eine genauere Erklärung dazu kannte ebenfalls nur Liam, jedoch hatte er ihr geschworen niemandem davon zu erzählen und dieses Versprechen hatte er bis zum heutigen Tag gehalten und würde dieses auch noch bis zu einem bestimmten Tag in naher Zukunft des Friedens wegen für sich hüten - ein Tag, der erneut das Leben aller Friedenshüter verändern würde.

03.01.2019

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