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Das Spiel mit dem Sex (die Entdeckung des Lichts)

Bild von Alf Glocker
Bibliothek

Bevor ein Mensch das Licht der Welt erblickt, gehen diesem befreienden und furchtbar schmerzhaften Ereignis komplizierte Rituale voraus, die nicht unbedingt so leicht zu verstehen sind wie der rituelle Nestbau bei Vögeln, das einfache Bestäuben bei Pflanzen, durch fliegende Pollen, oder nicht unbeteiligte Fremde. Ein Menschenmann kann nicht einfach in die Luft masturbieren und bald darauf kommen quäkende Babys zur Welt, er kann auch nicht einfach auf eine Wiese treten und sich mit anderen Menschenmännern um eine Herde Kühe schlagen. Er muss werben und faszinieren – und was dann folgt, ist der erfüllendste Vorgang des Universums für 2 geschlechtsverschiedene Wesen, die sich gegenseitig vorspielen, worum es überhaupt geht. Und je phantasievoller sie das tun, desto befriedigender wirkt sich das auf die Psyche der Beteiligten und auf den Fortbestand der Art aus … aber, wie gesagt: Was jetzt folgt, das trifft nur auf MENSCHEN zu!

Nachwuchs entsteht, bei allen Säugetieren, quasi durch „Gewalt“. Es wird gebissen und gerungen! Geruchsstoffe berauben die für den Akt infrage kommenden Tiere ihres restlichen Kleinverstandes, und man stürzt wild aufeinander zu, um sich zu begatten! Aber auch bei noch niedrigeren Lebensformen wie Pflanzen, Reptilien und Vögeln ist die Fortpflanzung grundsätzlich mit Gewalt verbunden, denn schließlich braucht der Nachwuchs Platz (bei Pflanzen = Verdrängung) und er möchte ernährt werden (dafür müssen andere Lebensformen sterben). Das ist übrigens auch beim Menschen der Fall. Die Liebe hat also grundsätzlich zwei Seiten … Aber ihr Janusgesicht ist nicht nur erkennbar, wenn man die Aufzucht des Nachwuchses betrachtet. Denn: Wie kommt die Frau zu ihrer Leibesfrucht? Für Urmenschen war das einfach zu erklären – wenn der Mann brünftig und die Frau empfängnisbereit sind, dann schleppt er sie an den Haaren in eine Höhle (oder hinter ein Gebüsch, oder sonst wohin) und befruchtet sie knurrend. Das klappt am besten, wenn es der Frau auch noch gefällt. So spricht die Natur!

Und warum schleppt der Mann was für ein Weib in die Höhle? Er könnte ja auch ein Schwein oder eine Ziege dorthin schleppen, um das kostbare Gut des Lebens loszuwerden, das unbedingt die Umgebung wechseln möchte, damit aus ihm werden kann, was die Welt (nicht) braucht?! Nun, er ist auf Signale hereingefallen … Irgendwie muss ihn sein Opfer an etwas erinnert haben, das er hervorbringen will. Hatte sie zweideutig kindliche Züge? Besaß sie die entsprechende Ausstattung, um ein neues Wesen mit eindeutig kindlichen Zügen säugen zu können? War sie schwach genug gewesen, um sich fangen zu lassen? Konnte sie lächeln, damit das Kind keinen Gorilla vor Augen hat, wenn es im Arm liegt? Zeigte sie eine gewisse Zartheit, die unmissverständlich den späteren Umgang mit „zerbrechlichem Gut“ demonstrierte. Dann hat sie die „Seele“ des Mannes erreicht – oder, sagen wir lieber, sein hormongesteuertes Unbewusstes. Dann kommt der Spaß!

Wenn sich beide auf den folgenden Vorgang freuen, dann vielleicht deshalb, weil sie die Sublimierung der ehemals rohen Gewalt „romantisch“ darstellen können … sie erspüren den Willen des anderen und interpretieren, halb bewusst, halb unbewusst, das Schauspiel des Lebens. „Eindringen und eindringen lassen“, heißt die Devise – also Kuss! Das erste Zeichen für das Wirken der Ungeborenen besteht dann nicht nur in einem Nachgeben, sondern sogar in einem Hingeben der Frau. Sie fühlt sich darin bestätigt, begehrt zu werden und wird von der Seele zum Körper – und sie leistet dem Materiellen Tribut. Der Mann spürt die Hingebung der Frau und beginnt, sie dort zu stimulieren, wo sie später das Kind ernähren wird. Die Signale auf eine solche Vorgehensweise, sind, idealerweise, hörbar. Ein erstes Stöhnen entringt sich dem „süßen“ Mund. Es ist der Hinweis auf ein Verlangen nach der Macht unvorhersehbarer Ereignisse.

Jetzt möchte sich der Mann beweisen, daß er ein Sieger sein kann: Er „unterwirft“ sich das Objekt der Begierde. Was er nun zu sehen bekommt, bestätigt seinem Unterbewusstsein die Kraft des Leibes, denn offenbar scheint das Weib nun zu „leiden“. Es wimmert und windet sich unter seinen Vorstößen in die Zukunft – und es setzt sich hemmungs- wie auch hilflos den Ereignissen aus. Das verleiht dem Eroberer Flügel. Beide streben nun dem Höhepunkt entgegen. Unwissentlich fügen sich beide einem Drang, den niemand ganz unter Kontrolle haben sollte, wenn einem am Fortbestand der Art gelegen ist. Aber so ist es eben nicht, denn die „Intelligenz“ verkompliziert die Sache und charakterliche Eigenarten bringen weitere Erschwernisse für das Gefühl. Es gibt Weiber, die sich nicht hingeben, sondern Männer in Fallen locken – wissentlich oder nicht … meistens ja! Und es gibt Männer, die sich Frauen nicht nähern können, weil sie Angst vor ihnen haben, oder einfachere Wege suchen, ihre Erbinformationen zu entladen.

Wieder andere bereiten dem Trieb eine Überraschung, um ihn voll und ganz bewusst auszuleben … sie übertreiben das Ritual ins Bizarre hinein, sie „vergewaltigen“ zwar nicht definitiv, überhöhen den Vorgang, gewissermaßen anders romantisch, indem sie das Opfer erst einmal wehrlos machen. Wenn das beide genießen können, dann erleben sie womöglich den erotischsten Anblick überhaupt, denn alles wird sichtbar, was sonst, im Ansturm der Liebe, verborgen bleibt. Dies ist eine stark symbolisierte Verehrung der weiblichen Geschlechtlichkeit. Aber es geht auch anders: Primitiv brutale Menschenwesen erwerben ihre Gefährtinnen auf dem Markt, wo sie sich oft nicht einmal was aussuchen können. Mann bekommt eine, von seltsamen Urfamilien, zugewiesen. So müssen sie sich damit abfinden und sie „verrichten“ dann meist die Aufgaben der Schöpfung auf niedrige Weise. Dabei kommen leider auch gar nicht selten die archaischen Umgangsformen zur Anwendung, in den denen der stärkere „Partner“ den Schwächeren körperlich züchtigt, um zu einer ausreichenden Befriedigung zu gelangen. Das, so könnte man sagen, sind wohl die letzten Möglichkeiten, deren sich ein aufrecht gehendes Wesen mit sogenanntem „Großhirn“ befleißigen sollte.

Gouache auf Karton
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Kommentare

03. Apr 2018

Lesenswert war der Essay -
Das Bild dazu VERStärkt den Dreh!

LG Axel

04. Apr 2018

Das Thema dreht mich immer ver...

es kommt von irgenwo herr...

Lg lf