Welt über Kopf

von Britta Pelü
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Es ist Sommer. Vor mir ein See, sehr klar und still. Ich kann bis auf den Grund blicken. Er scheint mir nicht sonderlich tief, vielleicht einen halben Meter. Eine dünne Schicht Eis bedeckt ihn. Nur an einer Stelle am Rand ist ein kleines Loch. Eine Frau sucht mit ihrer kleinen Enkelin einen Stein. Es ist ein großer Pflasterstein, quaderförmig, von Menschenhand gemacht. Die Frau lächelt weise, will ihrer Enkelin etwas zeigen. Ich stehe neben ihnen, als sie den Stein durch das unscheinbare Loch fallen lässt. Er fällt und fällt. Mit jedem Moment, den er noch nicht aufschlägt, wächst mein Erstaunen und meine Verwirrung. Viel später als erwartet, schlägt er dann auf. Ich kann ihn immer noch gestochen scharf sehen, auch den Grund. Wie ist das möglich? Wie konnte er so tief fallen? In mir fängt es an zu toben. Ich bücke mich, blicke neu über den See und entdecke ein verstecktes Gebirge unter der Eisschicht. Erschrocken springe ich zurück. Nein!!! Alles wehrt sich in mir dagegen! Die Kleine sucht noch mehr Steine.

04.07.2020

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Kommentare

04. Jul 2020

So ist das Leben. Ein tägliches Verwirrspiel. Wir sind es, die lachen, weinen oder in ei nBierfass fallen.
Tolle Geschichte !!!
HG Olaf

04. Jul 2020

Huhhh, da wäre ich aber auch erschrocken gewesen, liebe Britta,
spannende Geschichte, tolle Bilder!

Lieben Gruß,
Monika

05. Jul 2020

Was man nicht sehen will erschreckt...
weil zu viel Wahrheit darin steckt!

Liebe Grüße
Alf