Die Seele des Staates 120

von Alf Glocker
Mitglied

(Ausflug ins Tierreich)

Immer wenn ich mir keinen Rat mehr weiß, ziehe ich jemanden zu Rate, der nicht nur nicht weise ist, sondern sich auch nicht wirklich überlegen muss, warum er handelt wie er handelt, weil er eben genauso handelt, wie er handeln muss!

In diesem Fall habe ich mir einen Tiger ausgesucht. Er lebt wie die Made im Speck und er ist ein stattliches Tier. Lange hat er um sein Revier gekämpft! Ein ausgefranztes Ohr und eine Narbe auf der Nase künden davon. Auch ein Weibchen kreuzt gelegentlich seine Wege.

Aber seit kurzem ist er in Gefahr! Eigentlich sieht er sich vielen Gefahren ausgesetzt…das fängt damit an, daß das Trinkwasser aus der Quelle immer salziger wird und, daß die Tiere, die er noch jagen kann irgendwie krank aussehen. Essen und Trinken scheinen demnach vergiftet zu sein.

Aber da ist noch etwas: ein anderer Tiger streift durch sein Areal! Er hat ihn zwar schon mehrfach besiegt, deshalb fühlte er sich ja auch immer sicherer, aber der Rivale hat sich nach jeder Konfrontation verändert: er stellt sich nicht mehr zu Kampf!

Nur aus dem Hinterhalt greift er gelegentlich noch an. Er springt ihn von hinten an und versucht ihn so schwer wie möglich zu verletzen, damit er ihn eines Tages töten kann. Das Weibchen, das weiß mein Tiger, wird sich dann mit dem paaren, der übrig geblieben ist. Das ist ein Naturgesetz.

Deshalb ist mein Tiger auf der Hut! Zum offenen Kampf wird sich der Gegner nicht stellen. Er weiß, daß dies nur schief gehen kann. Aber der „Held“ unserer Geschichte weiß auch, daß sich der Feind eines Tages in seinen Arsch verbeißen wird, um ihn um die Früchte seiner Anstrengungen zu bringen.

Und dann ist alles umsonst gewesen. Irgendwann wird unser Tiger nicht genug aufgepasst haben und auf der Strecke bleiben. Das will er jedoch so lange wie möglich hinausschieben… Was also wird er tun?

Er wird überlegen? Wie wir wissen wird er das nicht! Er wird instinktiv die Probleme, ihrer Größe und Dringlichkeit nach, instinktiv sortieren und handeln. Das schlechte Wasser wird er weiter trinken und er wird auch weiterhin die kranken Tiere fressen – aber er wird sofort die Grenzen seines Reviers markieren und bewachen! Wie klug Tiere doch manchmal sind…!

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Kommentare

09. Feb 2016

Für sich zu kämpfen - ist sein Recht -
Bloß deshalb ist kein Tiger schlecht...

LG Axel