Mit Blödheit ist zu rechnen

von Alf Glocker
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Rechnen wir doch einmal nicht nur mit Zahlen, Daten und Fakten, sondern ernennen wir neue Mittel, um ein Stückchen Erkenntnis für uns zu gewinnen. Haben wir uns denn schon einmal mit der Blödheit befasst? Wo kommt sie her, wie wendet man sie am besten an, was bringt sie ein, wie kann man sie am besten vor Anfechtungen von außen beschützen, und warum verehren wir sie eigentlich so sehr?

Zunächst einmal stoßen wir auf 1. die Lebensfreude und 2. den Stolz! Das macht uns nichts aus – wir heißen sie beide willkommen! Dann sagen wir (bitte alle zusammen): Ein Mensch wie ich irrt sich nicht, er lernt aus seinen Fehlern, wobei er beim nächsten Mal die Blödheit sicher noch effizienter einzusetzen weiß, wie bei dem Versagen, das gerade hinter ihm liegt. Wir müssen also reagieren!

Hat denn da einer an unserer Lebensfreude gekratzt, oder gar unseren Stolz verletzt? Dann müssen wir uns rächen! Aber vorher gilt es noch zu ermitteln, woraus wir beides (Stolz und Lebendfreude) bezogen haben. War es der berufliche Erfolg gewesen? Sind wir Vater oder Mutter geworden? Hat sich ein Knaller in uns verliebt? Das sind triftige Gründe, um zu protzen! Oder trampelt da gar wer auf unserem Glauben herum?

Dann wurde nicht nur mein, dein, ihr, nein, unser aller Stolz verletzt! Das ist aber nicht nur ein Skandal, sondern auch eine Chance, sich, in aller Blödheit, einmal so richtig auszuleben. Dann kann ein, selbst noch so kleiner Mensch (?) beweisen, wie wertvoll er für die Gesellschaft, für die Welt ist. Dann wird die Blödheit ein ernster und selbstverständlich auch sehr ernst zu nehmender Faktor.

Sollte früher mal jemand über mich, den nunmehr ernst zu nehmenden Faktor gelacht haben, dann wird er jetzt eines viel Besseren belehrt, denn ich bin in den Bereich der Zahlen, Daten und Fakten aufgestiegen, ins Himmelreich der Anerkennung sozusagen: Ich habe Bedeutung erlangt! Meine Fahne hochhaltend, die leider keine Alkoholfahne ist (die wäre nämlich im Vergleich relativ harmlos gewesen), stürme ich meinem Schicksal entgegen!

Und wie lautet mein Schicksal? Das weiß kein Mensch – aber es leitet sich, mit an mehr als Sicherheit darstellender Höchstwahrscheinlichkeit, von meiner ungestümen Lebensfreude ab, von meinem unbändigen Stolz und der unglaublich blöden Annahme, daß auch ich, in einer Welt aus ausgemachten Blödheiten, eine ganz besondere Bedeutung erlangen kann … eine, die meiner Lebensfreude und meinem Stolz entspricht.

Ich sage: Das ist die wahre Würde! Kommt mir bloß nicht zu nahe, sonst kommt ihr mit meiner Würde in Berührung, denn dassss würdet ihr bitter bereuen! Ich kann nicht zulassen, daß ihr meine Würde, meinen Stolz und meine Lebensfreude beschädigt. Wenn ihr das tut, dann kaufe ich euer Haus und werfe auch auf die Straße, dann beanspruche ich alles was ihr besitzt, dann also nur noch besessen habt, und ich spucke auf euch!

Ihr könnt euch ja dann immer noch überlegen, ob ihr mich in aller Zukunft verehren und mir dienen wollt. Ihr müsst nur sagen – egal wie klug ihr auch seid – daß ihr immer schon viel blöder wart als ich es jemals sein könnte und es besser gewesen wäre, wenn ihr gleich auf mich gehört hättet. Dann dürftet ihr jetzt auch noch so vor euch hinleben, während ich herrsche.

So gesehen ist die Blödheit der ultimative Glücksfaktor, das Nonplusultra aller Zeiten, der größte Feldherr, der beliebteste Prophet, das schönste Gesetz, die reinste Liebe zu sich selbst, wie auch die richtige Behandlungsmethode für einen Nächsten usw. Nichts und niemand darf sie kritisieren, ihres Mäntelchens entkleiden, das aus „Verantwortung“ und „Treue“ besteht. Sprecht mir nicht nach: ICH bete mich an!

Dazu brauche ich immer die entsprechenden Utensilien: einen festen Glauben an mich, den passenden Gott dazu, ein für mich reines Gewissen und natürlich eine Schar subalterner Wesen, aus deren Beherrschung ich meinen Anspruch zur Macht ableiten kann. Ich bin also wunderbar! Nein, nicht nur einzigartig, sondern unerreicht dämlich, und ich werde es noch weit mit uns bringen. Seht ihr sie – dort, nicht mehr weit von uns entfernt, die rauchenden Ruinen der Welterneuerung? Sammelt mit mir etwas Holz, oder ein paar Tropfen Öl, jeder nur ein bisschen, und wir werden es schaffen …!

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