Eine Begegnung mit dem Tod

von Alf Glocker
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Entzieht sich so etwas allen Betrachtungen? Natürlich! Der Tod an sich kann nicht betrachtet werden bzw. alles, was nach ihm erfolgt oder nicht erfolgt, denn, vom Leben aus betrachtet, erfolgt, nach dem Eintritt des Todes nichts mehr. Die Zeit ist für den Gestorbenen stehen geblieben: Nichts „ereignet“ sich mehr! Ein Wandel ist, vom Standpunkt eines lebendigen Betrachters aus gesehen, nicht feststellbar. Das sollte uns Anlass zum Denken geben … zum Betrachten! Sind wir gesund?

Diese Frage scheint nicht ganz zu den eingangs gelesenen Sätzen zu passen, denn was hat die „Gesundheit“ mit der Betrachtung zu tun? Ereignisse finden statt, ob wir nun gesund sind, also aus der geistigen und körperlichen Gesundheit heraus etwas betrachten, oder ob wir gar nicht in der Lage sind, etwas gesund zu betrachten! So argumentiert der „Realist“. Doch aus der Kühle des absoluten „Realismus“ heraus wirkt das Leben, mit all seinen Facetten, bereits ein bisschen tot …

Denn das Leben macht Unterschiede: Wie oder warum ereignet sich was – und was sind die Folgen … die dann wiederum welche Bedeutung haben. Vom Standpunkt des Lebens aus betrachtet, müssen wir andere Maßstäbe ansetzen als vom Standpunkt des „relevanten Nichts“ aus. Aber was ist das „Relevante Nichts“? Ein abstrakter Begriff? Ein abstrakter Begriff! Für den Tod sind alle Werte gleich – sie existieren nicht! Ein gefällter Baum ist Grundstoff für Möbelstücke, Zäune, Papier …

Ein wildes Tier ist ein Fotoobjekt, eine Jagdtrophäe, ein Schädling, ein generell unter „Naturschutz“ stehendes Vorhandensein einer bestimmten Art. Ein Mensch ist eine Arbeitskraft, ein Wähler, ein Soldat, ein Elter, ein Steuerzahler, eine Ausweisnummer – nichts weiter. Welcher Baum, welches Tier, welcher Mensch, das spielt, bei einer rein abstrakten Betrachtung, keine Rolle! Wie kann man etwas verwenden und was muss ich diesem Etwas beimessen, damit ich es effizient verwenden kann?

Alles, was wir betrachten, kann also tot oder lebendig sein, egal ob es sich um einen Baum, oder um Holz, um ein Tier, also um einen Löwen, einen Hund, eine Kuh oder ein Insekt handelt – es kommt immer darauf an, WIE wir etwas betrachten! Der „Realist“ wird, mithilfe seiner „Betrachtungen“, die – nur mit äußerstem Wohlwollen – als solche angesehen werden können, stets Gewinne machen. Diese können aber, genau BETRACHTET, letztendlich auch große Verluste sein!

Denn, vom Standpunkt des Lebens aus betrachtet, werden uns plötzlich große und wohl auch sehr wesentliche (wesentlich … von Wesen) Unterschiede bewusst! Und das Wort „Bewusst“ hat für den Vorgang einer Betrachtung eine große Bedeutung! Bewusst kann man nur BETRACHTEN, wenn man frei von zwanghaften Vorgaben ist, wie z. B. der Vorgabe, ein Baum sei nichts weiter als Holz, ein Tier nichts weiter als eine Jagdtrophäe (ob für Kamera oder Gewehr) und ein Mensch …

Was ist ein Mensch? Ein Mensch ist, sofern er in der Lage ist, bewusst zu betrachten, ein Individuum. Alle Menschen sind Teile einer menschlichen oder unmenschlichen Gemeinschaft. Auch dieser Umstand sollte bewusst betrachtet werden! Welcher Gesellschaft Teil ist ein Mensch? Was beabsichtigt diese Gesellschaft? Was beabsichtigt der einzelne Mensch? Ist diese Gesellschaft, in der sich der jeweilige Mensch befindet, tot oder lebendig? Wie bewusst betrachtet er oder sie?

Ein „gesunder“ Mensch betrachtet das Leben, ganz bewusst, als Geschenk! Weiter bewusst betrachtet (denn die Betrachtung ist frei und grenzenlos, nur dem Bewusst-Sein unterworfen) ist das Geschenk „Leben“ fortwährend gefährdet. Wenn ein Baum zum Holz und ein Mensch, von der Abstraktionslust ausgebildeter Fachleute, zur Arbeitskraft uminterpretiert wird, dann hat er bereits aufgehört, real zu existieren! Er ist zu einer toten Ausweisnummer geworden!

Eine Verleugnung lebendiger Unterschiede ist demnach keine bewusste Betrachtung mehr, sondern krank! Kann es sein, daß sich etwas lebendig fühlt, das sich selbst verleugnet? Einen Baum betrifft das nicht – er würde sich niemals als Holz verstehen. Ein Tier weiß instinktiv, daß es zu einer Jagdtrophäe werden könnte, wenn es nicht aufpasst, nur der Mensch weiß nichts! Zumindest nicht der Mensch, der den natürlichen Ablauf, unter Hinzuziehung einer verzerrenden Abstraktion, „betrachtet“.

Wie wir gesehen haben, ist der Begriff „Betrachtung“ bei ausschließlich in Zahlen denkenden Wesen, um diesmal nicht „Mensch“ zu sagen, verfehlt. Das Leben mit toten Augen zu sehen, in deren Gesichtskreis alle Unterschiede jegliche Bedeutung verlieren, ist eine Negierung der intakten Ereignisfähigkeit der Zeit! Hierfür benötigt niemand das bewusste Denken = Betrachten. Dafür brauchen wir nur vorgegebene Systeme und feststehende Regeln: Faktoren zur Verzerrung des Seins.

Mit den Augen des Todes „betrachtet“ sich das Leben als unwesentliches Etwas, innerhalb vorgeschriebener Abläufe, deren Erlebniswert gleichbedeutend mit der Zahl 0 (Null) ist. Alles ist austauschbar, es muss nur ordentlich zurechtgestutzt werden! Befreien wir uns von der Betrachtung und wir werden den Tod erleben! Andere, die sich auf einer Stufe befinden, die eine „Betrachtung“ auf der Stufe primitiver Instinkte ermöglicht, werden uns ablösen. Das ist gesund??

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