Worin sich Stärke ausdrückt

von Alf Glocker
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Die Stärke eines Menschen drückt sich nicht in seinem Bizeps aus – aber auch nicht in seinem Geist! Nicht verträumte Augen, die von viel Phantasie sprechen, sondern grimmige Blicke, ein kleines Hirn und große, schwere Knochen machen die Durchsetzungsfähigkeit eines scheinzivilisierten Wesens im 21. Jahrhundert aus.

Bildung und Wohlstand sowie eingefahrene Regeln und Begriffe haben Wege für unterdurchschnittliche Kreaturen geöffnet, die damit die Mittel erhalten haben, sich Mägen und Beutel zu füllen. Auch der Glaube spielt eine nicht unerhebliche Rolle, nachdem das Zeitalter der Aufklärung und das der Wissenschaft vorübergegangen sind.

Sie haben keine nennenswerten Spuren im Gehirn hinterlassen. Nur die Bauten und die vorübergehende Technik, die noch ein kleines Weilchen aufrechterhalten werden kann, sind spürbar und versetzen aggressive und kleinkarierte Individuen in die Lage, groß aufzusprechen und sich Teile der Welt anzueignen, die eigentlich für etwas anderes gebraucht würden.

Das bloßes Rechnen und Geld und Geldeswert nicht alles bedeuten, kann niemandem mehr plausibel gemacht werden. Jedermann – ob klug oder völlig im Wahnsinn verhaftet – kann sich medizinischer, krimineller oder politischer Mittel bedienen, die ihn auf eine Daseinsstufe anheben können, die er und seine Nachkommen normalerweise nicht in 100 000 Jahren erreicht hätten.

Man kann woanders gekaufte Waffen auffahren lassen, sich der Raketen bedienen, die von völlig artfremden Menschen erfunden worden sind, oder ganz einfach behaupten, sein Gott habe den Tod Unzähliger verfügt, die nicht an ihn glauben möchten – und schon setzt sich eine bösartige Maschinerie in Gang, gegen die Träumer nichts aufzubieten haben.

Träumer erfinden imaginäre Rechte, die von anderen zwar sofort verstanden werden … aber nur als Ausreden für sich selbst, damit Macht ausgeübt werden kann: unqualifizierte Macht gegen die Erfinder der Rechte. (Weil sie die Einzigen sind, die an sie glauben.) Dabei ist alles nur eine Hoffnung – die Verkleidung der Primitivität mit engelsgleichen oder hoch zivilisierten Ansprüchen.

Niemand, der keinen Verstand hat, muss sich danach richten, wenn einer sagt: „Alle Menschen sind gleich!“ Selbstverständlich wird sich ein urtümliches Wesen diesem Denkansatz sofort heimtückisch anbiedern, denn auch oder eben gerade der Dümmste ahnt, was das für seine persönlichen Chancen bedeutet: Eine Aufbesserung seines Standes!

Daß darauf jeder Dahergelaufene ebenso großen Wert legt wie ein gewissenhafter Denker, ist klar. Und jeder weiß doch im Stillen ganz genau: Träumer mit großer Phantasie und ehrliche Kämpfer mit gewaltigem Bizeps kann man nur besiegen, wenn man ihnen verbietet, ihre natürlichen Vorteile zu nutzen … man muss ihnen also das Kämpfen verbieten!

Dann bleiben nur noch die Verschlagenheit, die Geldgier und die Brutalität der anderen übrig – und die Globalisierung sorgt dafür, daß alle die gleichen Waffen besitzen. Menschen ohne Hirn und ohne besondere Fähigkeiten dürfen dann, ab sofort, auch die Atombombe besitzen und was man besitzt, das kann man auch verwenden!

Aber wer wird, im Interesse seiner Durchsetzung seine Waffen – egal welche – am ehesten verwenden? Der erfinderische Träumer vermutlich nicht, denn ihm fallen täglich neue Lösungen zur Bewältigung seiner Aufgaben ein. Der Gnom mit dem aggressiven Augenausdruck und dem rachsüchtigen Gott aber hat keine große Auswahl … ihm bleibt nur das Handeln!

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Kommentare

12. Dez 2019

Praktisch scheint so mancher Gott:
Flott macht man die Welt zu Schrott ...

LG Axel

12. Dez 2019

Was für eine Dystopie! Können zivilisierte Gummibärchen noch die Welt retten,
fragt besorgt - Gruß nicht vergessend, Monika

12. Dez 2019

Die Aussicht scheint vielleicht dyskopisch -
doch Lösungen sind mikroskopisch...
angesichts der doofen Götter.
Doch ich weiß, ich bin ein Spötter!

LG
Alf