Besuch beim Homo Parasiticus oder: Warum reden sie nicht mit uns?

von Joachim Kaesler
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Ein Tagtraum von Joachim „Kessi“ Kaesler

„Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die Dummheit
der Menschen. Beim Universum bin ich mir aber nicht ganz sicher!“
Albert Einstein ?

Schon seit 5 Stunden schleppen wir unsere Thunfischköder durch den tiefblauen Atlantik vor Madeira.
Trotz Köderwechsel noch keine Attacke, und wir haben nur noch eine Stunde.
Ich lehne mich zurück, schließe die Augen und genieße den Duft des Ozeans.
Endlich Urlaub!

Charly und Matt, die beiden Skipper, diskutieren über eine TV-Doku.
Es geht um Ufos.
Gibt es sie wirklich? Was wollen sie hier? Warum reden sie nicht mit uns?
Ich lausche. Ich döse. Ich drifte durch Raum und Zeit. Ich wechsle die Welten.

Ich bin ein Alien von Antares 4 und hab endlich Urlaub!
Wird auch Zeit, nach der Schufterei in der heißen Wassermine!
Meine Freunde haben mir einen Trip zur Erde empfohlen,
zum angeblich schönsten Planeten im bekannten Universum.
Doch sie haben mich auch gewarnt:
„Nur anschauen, nicht landen, keine Kontakte! Dort ist es gefährlich!“

Also rein in den Space-Jumper und ab Richtung Erde.
Die Kollegen haben nicht übertrieben: Sie ist wunderschön,
ein leuchtend blauer Edelstein in der Schwärze des Raumes.

Die Erde ist ein Wasserplanet mit großen Landflächen, üppigen Wäldern, Feldern, Bergen, Wüsten, Flüssen und Seen, vereisten Polkappen,
viel Sauerstoff und angenehmen Temperaturen.
Selbst unter Extrembedingungen blüht das Leben.
Ein Paradies, einzigartig im All.
Es ist der einzige bewohnte Planet im ganzen Universum,
glauben die Menschen.

Geschickt navigiere ich meinen Jumper durch das Trümmerfeld
aus Raketenstufen, Satelliten und sonstigem Weltraumschrott.
Schöne Visitenkarte! Sogar der Orbit ist schon zugemüllt!

Gerne würde ich landen und die Erde erkunden, doch ich denke an die Warnungen und schicke die Drohnen zur Fernanalyse.
Sie sind lange unterwegs. Ihre Daten sind erschreckend.

Die Atmosphäre, aus der alle Lebewesen ihren Atem schöpfen, ist mit Schadstoffen verschiedenster Art verpestet.
Die wertvollsten Rohstoffe, wie Kohle und Erdöl, werden in Autos, Häusern und Fabriken verbrannt. Giftige Gase, Staub und Ruß in der Atemluft verursachen Krankheiten und verwandeln den Planeten in ein Treibhaus.
In den Städten ist Atemschutz nötig, im sauren Regen sterben die Wälder.
Die Ozonschicht ist dünn geworden, die Kraft der Sonne bringt den Tod.
Das ist der Preis des Fortschritts, sagen die Menschen.

Die Erde, aus der die Menschen entstanden sind und aus der ihre Nahrung wächst, wird mit Pestiziden und Düngern getränkt. Auch Schwermetalle und radioaktive Niederschläge vergiften ihre Nahrung, doch das scheint sie kaum zu stören. Monokulturen zerstören die Böden, Krankheiten und Schädlinge vernichten die Ernte. Uralte Wälder werden gerodet, sie fehlen im Gleichgewicht, und die Erde vertrocknet.
Wo gehobelt wird, da fallen Späne, sagen die Menschen.

Die Meere, in denen das Leben einst begann, waren früher reich an Nahrung und Lebensgrundlage für viele Völker.
Heute hungern sie, denn die Netze der großen Fangschiffe reichen immer tiefer und vernichten das Leben bis hin zum Meeresgrund.
Auch Schutzgebiete werden geplündert, und die Bestände erholen sich nicht. Bestrafung fürchten die Zerstörer nicht, denn die Herrschenden sind ihre Freunde, und ihre Tentakel sind lang und geschmeidig.
Geld regiert die Welt, sagen die Menschen, und es stinkt nicht.
Daß man es nicht essen kann, werden sie zu spät begreifen.

Nach dem Motto: „Wirf es ins Wasser, dann ist es weg“,
wird seit langer Zeit Müll aller Art in die Ozeane gekippt.
Radioaktive Abfälle und alte Reaktoren rosten auf dem Meeresgrund langsam vor sich hin. Wann brechen sie auf? Was passiert dann?
Niemand weiß es, niemand kümmert´s.
Aus den Augen, aus dem Sinn, sagen die Menschen.
Doch die Natur vergißt es nicht.

Giftige Abwässer werden in Flüsse und Meere geleitet und führen zu Massensterben. Große Mengen Plastikmüll, im Meer zu Staub zerrieben, vergiften alle Organismen. Bald gibt es mehr Müll, als Fische.
Viele Spezies sind fast ausgestorben, und viele Menschen hungern. Schneller Profit ist wichtiger, als die langfristige Erhaltung der Lebensgrundlagen.
Sie sind recht kurzsichtig und selbstsüchtig, diese Menschen.
Es gibt noch viel zu tun, rotten wir´s aus!

Trinkwasser und Erdöl werden knapp, die Ressourcen schwinden.
Sie nutzen die Kraft der Atome, doch sie beherrschen sie nicht.
Unfälle und Abfälle verseuchen die Erde für viele Jahrtausende.
Heute stehen wir am Abgrund, sagen die Denker,
morgen sind wir einen Schritt weiter!

Die Menschen sind vor langer Zeit als Affen von den Bäumen gestiegen, haben gelernt, wie man aufrecht geht, seine Mitmenschen bestiehlt, wie man seine Brüder erschlägt und seinen Planeten plündert.
Sie vermehren sich ohne Maß und haben die Erde überwuchert.
Viele flüchten vor Gewalt und Armut und wissen nicht wohin, viele verhungern, doch sie werden immer mehr.
Seid fruchtbar und mehret euch, soll der Große Erschaffer gesagt haben. Wenn die wüßten!
Es geht immer weiter, sagen die Menschen. Bis zum bitteren Ende!

Das Schicksal der Welt wird von den Herrschenden bestimmt. Sie sollen für das Wohl von Allen sorgen und ihre Welt für alle Zeit erhalten.

Doch das eigene Wohl geht denen vor. Sie sind korrupt, sie dienen den Zerstörern und werden dafür reich belohnt.
Ihre Gier nach Macht und Geld kennt keine Grenzen.
Sie haben kein Gewissen, und sie lügen ohne Scham.
Sie fangen auch gern Kriege an, das bringt Profit, und sie sind nicht dabei.
An ihrer Stelle stirbt ein Volk, das Frieden will.
Der Klügere gibt nach, sagen die Menschen.
Deshalb werden sie von den Dummen beherrscht.

Obwohl sie alle zur gleichen Spezies gehören, kämpfen sie ständig gegen ihre Brüder, als wären sie Feinde.
Auch die Pflanzen und die Tiere, sogar ihren eigenen Planeten behandeln sie wie Feinde. Vernunft und Weitsicht scheinen sie nicht zu kennen.
Als wäre es ihr Daseinszweck, so arbeiten sie an ihrem Ende.
Es nähert sich mit Riesenschritten.
Hört auf zu weinen, sagen die Weisen, das ist erst der Anfang!

Sie glauben an den Großen Erschaffer, auch wenn sie ihm verschiedene Namen geben. Angeblich reden sie mit ihm von Freund zu Freund,
und doch zerstören sie sein Werk. Ihr Papst steht ihm besonders nahe.
Doch er schweigt, und die Vernichtung dauert an.
Nach uns die Sintflut, sagen die Menschen. Vielleicht kommt sie schon bald. Wir werden sehn.

Als ich den Großen Erschaffer einmal nach den Menschen fragte, seufzte er und sagte: "Ich habe unzaehlige Welten erschaffen, und ihnen gab ich die Schönste. Doch sie schänden ihre Welt und töten meine Kreaturen , denn sie wissen nicht, was Leben heisst.
Die sind mein grösster Irrtum! Bald hole ich sie wieder zu mir."

Wenn ich ihm sage, daß sie weiterhin in seinem Namen „Heilige Kriege” führen und Menschen morden, dann wird er stinksauer. Ich sag´s ihm lieber nicht.
Ihr wißt ja, wenn der Alte sauer ist, dann rumpelt es gewaltig.

Es wundert mich sowieso, daß er den Sack noch nicht zugemacht hat.
Früher war er nicht so zimperlich. Vielleicht läßt er sich ja mal wieder dort unten blicken und ruft sie zur Ordnung, bevor alles hinüber ist.
Der Zeitpunkt wäre günstig.

Doch ich schweife ab. Ich bin froh, wenn ich wieder zuhause bin.
Es juckt schon überall!

Mein Planet, Antares 4, ist nicht so komfortabel wie die Erde.
Er ist heiß und ziemlich trocken. Wir haben gerade genug Sauerstoff und
nur wenig Rohöl. Nie würden wir es wagen, diese Schätze zu verbrennen!
Wasser holen wir tief aus dem Boden, jeder Tropfen ist uns kostbar. Nahrung wächst nur unter großen Schirmen, geschützt vor der heißen Sonne.
Doch es ist unsere Welt, es liegt an uns, sie zu gestalten!

Unsere Population haben wir auf ein vernünftiges Maß begrenzt.
Wir respektieren uns und leben in Frieden miteinander. Wir betrügen
uns nicht und wir erfreuen uns an den Gaben des Großen Erschaffers.
Nur wer gibt, kann glücklich leben, das wissen wir!

Dem Erschaffer sei gedankt, daß er mich zum Alien gemacht hat
und nicht zum Menschen!!!
Wenn ich ihm beim nächsten Umtrunk berichte, daß sie sich für die „Krone“ seiner Schöpfung halten, kriegt er bestimmt einen Lachanfall.
Doch ich schweife schon wieder ab.

Was erzähle ich meinen Freunden in der Wassermine?
„Es stimmt, die Erde ist der Schönste aller Planeten. Aber nur anschauen, keine Kontakte! Die Menschen haben ihn total versaut.
Sie sind das größte Übel, das einen Planeten befallen kann.

Sie sind habgierig und dumm, und sie denken nicht an morgen. Ihre Intelligenz ist zu gering, um mit ihrer Welt und ihren Geschöpfen in Harmonie zu leben.

Kontakt ist zu vermeiden, denn was sie nicht begreifen können, das zerstören sie. Sie werden sich bald selbst ausrotten, nur weil sie dazu in der Lage sind.
Dann kann die Erde wieder atmen.“
Die Zeit heilt alle Wunden, sagen die Menschen. Sie haben recht.

Lautes Schnarren und Charlies Schrei: „Strike!“ reißen mich aus der Zwischenwelt. Endlich ein Biss, hoffentlich ein Großer!

Doch was bedeuten diese Traumbilder?
Blanker Unsinn oder haarsträubende Realität?

Handeln wir auf lange Sicht?

Was für eine Welt hinterlassen wir unseren Kindern ?

Werden mich meine Enkel verfluchen, weil ich geholfen habe,
ihren Planeten zu plündern ?

Liegt das Schicksal unserer Nachkommen in den richtigen Händen?

Sollen wir unsere Welt den Macht- und Geldgierigen überlassen,
den Korrupten, den Gewissenlosen?

Wird sich die jahrtausendealte Geschichte der Menschheit selbst ad absurdum führen?

Ist der „Homo parasiticus“ nur eine weitere Sackgasse der Evolution?

Ein paar Mutige kämpfen bereits gegen Gier und Dummheit und riskieren dabei ihr Leben.
DER GROSSE GEIST GELEITE EUREN PFAD !

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom, das zeigt uns die Natur.
BIN ICH AUCH SCHON DABEI ?

Wenn mal wieder nix beißt, denk ich vielleicht mal wieder drüber nach.
Vielleicht denkt ja jemand mit. Würde mich freuen!

Grüße von Kessi, z.Zt. Gast auf Sol 3 (Terra)

„Gib mir die Kraft, das Richtige zu tun, den Mut, das Falsche zu ändern und
die Weisheit, beides zu unterscheiden!“ ?

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Interne Verweise

Kommentare

13. Jun 2016

Spannend und zugleich bedrückend kommt die Geschichte daher. Mit vermeintlich leichter Hand geschrieben zieht sie den Leser hinein, gespickt mit Informationen, die durch die Sichtweise eines 'Außerirdischen' besonders objektiv dargestellt werden. Klasse! Hab ich sehr gerne gelesen.
LG Monika