Die Gesetze der Freien Marktwirtschaft

von Alf Glocker
Mitglied

Zum Glück haben wir die Freie Marktwirtschaft! Was das ist? Na, jeder darf einen Artikel haltbarer, schöner, wertvoller herstellen, als ein Konkurrent – und zwar zu einem festen Preis, oder billiger. Damit lockt er Kunden an und wirkt als Vorbild für die anderen Hersteller. So ist es doch ... oder?

Oder haben wir die Freie Betrugswirtschaft, wo der Preis vom Tag, ja, von der Stunde abhängig ist – und zwar unabhängig von der Qualität? Da gibt es doch glatt Leute, die herausfinden, warum ein Produkt ruhig teurer sein kann, als es angeboten wird! Dafür sind manchmal Lappalien ausschlaggebend.

Man muss eben nur ermitteln, wie man dem Käufer mehr Geld aus der Tasche locken kann. Das ist dann wie an der Börse, oder beim Monopoly. Der Kunde, bzw. der Bürger genießt keinerlei Schutz! Der Staat kümmert sich nur um die Steuern und hilft gewinnträchtigen Unternehmen auch noch, ihre Erträge zu optimieren.

Im „finsteren Mittelalter“ wurde ein Bäcker noch mit dem Ohr an den Türstock genagelt, wenn er zu kleine Brötchen für einen hohen Preis verkaufte, wodurch das sogenannte „Schlitzohr“ entstand. So wusste jeder gleich, wer schon einmal die Menschheit betrogen hatte.

Heutzutage ist eine solche Vorgehensweise schwer in die Tat umzusetzen ... man müsste wohl erst einmal sämtliche Parlamentarier an den Ohren in den Plenarsälen annageln, wie auch sämtliche Lobbyisten und sämtliche Interessenvertreter von Handel und Industrie???

Nein! Selbstverständlich nicht! Bei uns ist alles geregelt! Niemand darf übervorteilt werden – und die Werbestrategen befassen sich ausschließlich damit, uns unumstößliche Wahrheiten schmackhaft zu machen! Die „Oberen Zehntausend“ können nahezu nicht mehr gut schlafen, so sehr sind sie um uns in Sorge, daß uns ja nichts Böses geschieht.

Wir dagegen können selig und geborgen (der Bürger = der Geborgene) einschlafen! Was bei uns auf den Tisch, in den Tank, oder ins Land kommt, ist ausgesucht gut und bedenkenfrei zu konsumieren, integrieren, summa summieren!

Uns geht es gut – wir dürfen nur nicht sooo genau hinschauen! Und vor allem dürfen wir uns nicht gleich über alles beklagen – auch nicht auf hohem Niveau! Auf gar keinem Niveau! Wir (das sind „wir“ alle, sind doch auch nur Menschen, wie Menschen eben so sind, so bleiben werden und auch so sein wollen, weil wir lieber an allem nichts ändern ...).

Das ist, wie es ist, das kommt vom Kommen, das geht ganz gut, das macht Spaß (wenn man's kann), das überzeugt und zeugt und zeugt, weil's ja gar nicht so drauf ankommt. Damit ist es uns Ernst – auch wenn man die Hühner auf dem Bio-Bauernhof vor der Stadt schon lauthals lachen hört!

*

Der neue Tanzschritt

Tschetschietschatscha, tschewapptschitscha,
tschewapptschitschie, tschebumsassa,
tschewuppdischwupp, tschefallera,
tscheüberhaupt, tschehoppsassa!

Tsche-ge-wara, tschingdrassassa,
tschingmachsmitmir, tschingichbinda,
tschingwobistdu? Du Müllers Kuh -
des Müllers Esel kommt im Nu!

So geht der Schritt, er nimmt was mit,
den Kanzler und die Nitribitt,
und der Minister singt ein Lied:
„Wir sind ganz ohne Unterschied!“

Das haut dich rein, das macht dich platt,
das ist ein Tanz, den jeder hat -
wir tanzen ihn mit dem Gehirn
und schreiben uns auf Herz und Stirn...

Tschewippschatscha, Tsche-go-ri-lla,
Tschewummdibumm, tscheblahblahblah,
tschelachdichschlapp, tschehahaha,
tsche-so-solls-sein – tschealleskla...?

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Kommentare

17. Nov 2016

Teilweise ganz richtig, ist es in einem viel größeren Ausmaß der Konsument, der den Markt bestimmt. Der Konsument ist es, der ohne Hirn konsumiert, auf Ebay bei dem kauft, der einen Euro weniger Versandkosten hat, sich aber darüber beschwert, dass viele DHL-Subs an der Armutsgrenze leben. Der Konsument ist es, der beim billigeren Anbieter kaufen kann (und er tut es auch) und mit dem Kopf schüttel und "teuer" sagt, wenn eine Jacke mehr als 30 Euro kostet. Das eigentlich perverse ist das Konsumverhalten, nicht die Marktwirtschaft.

17. Nov 2016

Das "sozial" ist schon VERSchwunden -
Man hat es nicht mehr gefunden ...

LG Axel

17. Nov 2016

Ein ernstes Thema, das auf eine Weise dargestellt wird, dass der Lachmuskel nicht zur Ruhe kommt. Köstlich. So IST Satire. Den Tanz muss ich noch üben, denn momentan komm ich aus dem Lachen nicht raus. Dafür danke.
LG Monika