Nachwort zum Buch „Ganz einfache Betrachtungen" – Nach dem Wort

von Alf Glocker
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Nach dem Spiel kommt das Nachspiel, nach dem Tisch kommt der Nachtisch und nach dem Wort kommt das Nachwort. Man könnte ja auch den Mund halten, aber nein, wir halten Wort. Wir wollen es haben und halten, lieben und ehren, bis daß ein neues Vorwort einsetzt, das wiederum VOR dem eigentlichen Wort zu Worte kommen soll, oder einfach zu sollen hat, ganz wie’s beliebt.

Was will uns das sagen? Nun, bestenfalls ist es uns gelungen, neue Dimensionen für uns zu eröffnen, Türen aufzustoßen, oder ganz einfach aufzustoßen, wenn uns nichts anderes einfällt, wir halt nicht zu einfältig waren, für etwaige Einsichten, die den Worten entsprangen, insofern wir zugelassen haben, daß es bei uns etwas anrichtet.

„Es ist angerichtet“, sagt der Küchenmeister, und die Gäste strömen herbei, geben sich den guten Speisen hin, obwohl manche davon vielleicht schwer verdaulich sind. Ebenso ist es mit der geistigen Nahrung, die, dargeboten, nicht immer sofort rückstandslos verdaut werden kann, sondern bisweilen eben auch Kopfschmerzen verursachet – vor allem dann, wenn wir uns nicht eingestehen wollen, daß sie gut war.

So hat denn auch das (grausame) Spiel bisweilen ein Nachspiel, wenn es mit der Verdauung nicht so recht geklappt hat. Dann ergeht sich das Publikum in Wutausbrüchen gegenüber dem Koch der sinnreichen Gerichte, deren Wahrheitsgehalt manchem vielleicht zu stark gewürzt erschien. Asche zu Asche.

Beim nächsten Mal wird es demnach wieder eine ganz normale Süßspeise geben, wenn man beim Nachwort angekommen ist und vorher einen Burger aus der Hand vernascht hat. Fastfood ist stets willkommen! Und wenn der Bürger kein Nachspiel wünscht, dann gibt es nicht einmal Süßes, sondern ausschließlich trockenes Informationsbrot.

Damit kann jeder ganz leicht umgehen – im Kreis oder auch im Quadrat, er kann damit im Dreieck hüpfen, oder es sich an den Hut stecken, von wo aus es sacht über das Hirn bröselt, bis man sich endlich die Augen reibt und erstaunt feststellt, daß man, aus Bequemlichkeit, vergessen hatte, alles neutral zu betrachten.

Aber dann ist es zu spät. Dann gab es kein echtes Spiel, keinen reich gedeckten Tisch und kein wahres Wort. Es gab nur Plattitüden, die Spiele nicht stattfinden ließen, weil die Tische ungedeckt blieben, wie falsche Schecks, und jedes Wort überflüssig machten, das sich erfrechte, sich mit den Dingen des Lebens auseinanderzusetzen.

Fassen wir uns deshalb kurz: Über kurz oder lang wird es extrem langweilig werden! Der Einheitsbrei wird uns überfluten und uns vor die Wahl stellen „Friss oder stirb!“. Aber was werden wir dann wählen? Das, was wir schon immer gewählt haben, wenn wir uns nicht weiter anstrengen wollen? Oder wählen wir das bewusste Sein?

Edler im Gemüt ist das aber nicht, nur unsicherer. Manchmal sieht es auch eher bedrohlich aus. Edel ist nur der Schlaf, denn wer schläft, sündigt nicht – außer er schläft bei. Das kann dann aber ein Nachspiel haben, denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Da sollte man dann hoffen wollen, daß es sich um kein böses handelt.

Wie es auch sei – fast immer stehen wir irgendjemandem im Wort … in diesem speziellen Fall ist es das Nachwort, das noch sein muss, um die Schockwirkung aktiver Denkarbeit von uns zu nehmen. Gehen wir nun also wieder froh zu Tisch. Vielleicht gibt es ja im wirklichen Leben ausnahmsweise einen SÜSSEN Nachtisch.

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