Eine virtuelle Geschichte

Bild von Alf Glocker
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Eines, nein, nicht Tages, eines Weißnichtwas, redete eine Seele in die Erdennacht hinein und fragte sich: „Ist dies das wirkliche Leben?“ Und, natürlich, antwortete sie sich, „das ist es“.
„Dann beschreibe es mir mal“, echote das Echo zurück, ohne einen Ursprung zu haben. „Nun, es geschieht eine ganze Menge, aber es passiert nichts!“
„Wie meinst du das?“ Da läuft ein Film ab und ich weiß nicht mal, ob ich ein Bestandteil des Films bin. Mir scheint er zu künstlich“.
„Warum?“
„Weil der Wahnsinn keinen Halt findet!“
„Keinen Halt?“
„Ja, er lässt sich nicht anhalten!“
„Ach so ...“

„Das ist aber eine komische Wirklichkeit“
„Nicht, wenn man Bücher liest – da steht doch auch schon alles drin und der Leser ist mit dabei, aber anhalten kann er eben nichts. Er kann höchstens das Buch zumachen ...“
„Du meinst sterben?!“
„Klar, oder es wird ihm vor der Nase zugeschlagen. Das ist die nächste echte Lösung. Beitragen kann er trotzdem nichts“.
„Es ist also wie mit den Geschichtenbüchern?“
„Nicht ganz, die können zudem auch noch gefälscht sein“.
„Wiiie bitte? Na, angenommen, jemand anderer hätte DEN Krieg gewonnen, von dem man doch unaufhörlich und ohne Ende spricht ...“

„Was wäre denn dann gewesen?“
„Nichts – in den Augen der Mitläufer. Alles wäre gut geworden, weil immer alles gut wird, solange man nicht darüber nachdenkt. Heute ist es doch ganz genau so – nur wäre es eben anders genauso, wenn die Geschichtsbücher nach ganz anderen Richtlinien zurechtgefälscht worden wären“.
„Da ist was dran! Überhaupt werden ja nicht nur zu allen Zeiten die Geschichtsbücher gefälscht, sondern ja bereits die Gegenwarten. Man muss sich ranhalten, daß niemand wirklich mitwirken kann, in dem Schlamassel, sonst bleibt es nämlich keines. Selbst der Dümmste hätte, glaub ich, mehr brauchbaren Verstand, als von der jeweils herrschenden Klasse angewandt wird“.
„Und wenn der Dümmste an der Regierung wäre?“
„Na, dann natürlich nicht ...!“

Die Seele kam deutlich ins Schlingern ... „Wo bin ich denn dann eigentlich?“
„Nirgends!“
„Wer hat das gesagt?“
„Niemand hat das gesagt und niemand hat es gehört, denn es geschieht ja auch nichts, an dem du real teilhaben könnntest. Der Eindruck mag vielleicht für den entstehen, der sich ins Wasser begibt und im Fluss mitschwimmt. Dann verändert sich die Landschaft. Der Schwimmer kann selbstverständlich auch behaupten, er bestimme selbst, wie schnell er vorankäme – aber gegen den Strom hat er es eben noch gar nicht probiert. In diesem Fall würde er nämlich feststellen, daß sich außen herum nichts verändert, weil er nicht von der Stelle kommt“.

„Später, ja später, nein, viel später könnte ‚man' dann eventuell immer noch sagen, gesagt haben, ‚da war doch mal ein Schwimmer, der nicht vom Fleck kam, weil er gegen den Strom schwimmen wollte', aber damit hat sich's dann auch. Die Fälscher werden bestimmen, was über ihn, den Schwimmer, berichtet werden darf und falls es jemand wieder einmal ungewöhnlich betrachten sollte, dann schwimmt der eben auch gegen den Strom.
„Womit bewiesen wäre, daß alles virtuell ist?“
„Womit bewiesen wäre, falls nicht mal wieder grad alle weghören, daß nur das nicht virtuell ist, an das man glauben möchte. Glaubst du, was du siehst? Ja und nein ... ich meine schon, daß da etwas ist, aber ich traue meinen Sinnen nicht!“
„Da haben wir's ...“.

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