Bleib höflich und sag nichts, das ärgert sie am meisten

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- Die alte Leier, die das Lied des Unverständnisses made bei Kleinkaro-Manufaktur spielt...

Eher unterschwellig spielt das Leben einem stetig neue Streiche, stellt einen vor Herausforderungen und prüft Wille, gleichsam wie Toleranz, auf Herz und Nieren.
Schaut man sich mal genauer "unter der Schwelle" um, stellt man ganz schnell fest, dass es nicht immer einer Lupe bedarf, wenn man den Fokus einmal auf Subtilität verlagert und jene Argumente obduziert, die von einer bestimmten Sorte Mensch tagtäglich frischgebacken auf dem vergoldeten Blechtablett serviert werden: Totschlagargumente. Vorwiegend in dörflichen Gegenden lebt man nicht für die eigene Unterhaltung, sondern vielmehr für die Unterhaltung der Nachbarn. "Dit is' dem Herr Extrawurst sein doch schietegal, Hauptsache, er kann mir wieder kritisieren." - könnte man aus der Ferne vernehmen; Intoleranz, Engstirnigkeit und Abwertung von Unkonventionellem sind schließlich gerechtfertigt mit der Begründung, dass dies schon immer so war und (ich liebe es:) weil alle es tun ('"§%#+=@). Allem, was dem Zahn der Zeit eine Protese verleiht, wird mit gehaltlosen Pseudoargumenten kundgetan. Wir alle kennen sie, die Mitmenschen, denen man auf einem echtgoldenen Tablett Wahrheiten und Fakten argumentativ einwandfrei präsentieren kann, und selbige einem dieses Tablett sogleich wieder um die Ohren hauen. Dies können diese Menschen unangefochten hervorragend: Mit einer Flanke von links, einhändig und erfahren, eine vermeintliche Veränderung ausbooten.
"Selbst schuld, wir Underarchiver!" - natürlich in eingedeutschter Fassung, 78.0000ste Ausgabe, Kapitel 3 "Mit einem Teelöffel Wasser aus dem sinkenden Kreuzfahrtdampfer schöpfen - oder: Wie man als Gutmensch die Echtheit der Perlen überprüfen kann, hilfsmittelfreier Teil", scheint populärer zu sein als die Bibel...
Jene wird insbesondere von vermeintlich tiefgläubigen Philistern zurate gezogen und es werden Psalmen wie Weisheiten rezitiert, deren Bedeutung den Sendern scheinbar inhaltlich nicht geläufig sind, dennoch als Schutzschild gegen Angriffe missbraucht werden und man einem Dialogpartner Moral, Tradition, Gemeinschaft und Bildung vorheuchelt, ohne auch nur Weizen von Roggen unterscheiden zu können.
Im Grunde kann man sich nur arrogant und menschlich hinterblieben vorkommen, wenn man hinterfragend unter der Schwelle sucht, die Subtilität der unterschwelligen Botschaften seiner spießigen Mitmeschen auseinanderklambüsert; doch stimmt das auch? Wer sagt, dass man arrogant ist, nur weil man sich nicht unterkriegen und als Duckmäuser verscherbeln lässt sondern stattdessen dies tut, was von jenen Gutmenschen all die Jahre angepriesen wurde: Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit entwickeln?
"Definiere mir Doppelmoral" - ist dies die richtige Art, Philister aus der Reserve zu locken, sie aus der Schlinge der Starrsinnigkeit herauszuschneiden? Nicht falsch verstehen, Bräuche, Fakten und Gewohnheiten aus einer anderen Zeit sind nicht der Punkt, denn Althergebrachtes ist zunehmend mit einem Kern ausgestattet, der der heutigen Gesellschaft an allen Ecken und Kanten fehlt! Die gute alte Schule war doch bestimmt nicht so schlecht, nur weil sie eben überholt wurde. Früher wie heute gibt und gab es logischerweise Differenzen, Vorteile wie Nachteile und das krampfhafte Festklammern an Postmoderne ist nicht verurteilungswürdig, sondern leitet dazu an, jenen Gutmenschen besondern viel Zuversicht und Unterstützung in der Gegenwart entgegenzubringen, ohne sie aus ihrem Geflecht altbekannter Vertrautheit herauszureißen. Doch alles zu verurteilen, was sich verändert hat, aus Angst, die Vertrautheit des kohärenten Weltbildes zu verlieren, worauf alles aufgebaut zu sein scheint, erscheint mir als 3-Watt Birne in der Mittagssonne ("Du schon wieder mit deine [-n sic!] komischen, äh, Sätze!" - Imperativ reloaded).
Der Generationenkonflikt mag hier die Fuge sein, die alle in diesem Kontext vermauerten Worte und Phrasen in einer erkennbaren Einheit verbindet. Die Meinungsintoleranz und offensive Bildungsferne kann einem Leid tun, bringt einen jedoch meist auf den Wipfel der subtropischen Monokotyledonen, insbesondere, wenn Gutherzigkeit und geschenktes Gehör gegen einen verwendet werden, um das eigene Ego zu stärken und sich selbst Macht einzuverleiben (#intelligenteskonfliktlösen). Darüber wird in Folge nie nachgedacht, es wird abgetan und abgewunken, das Thema wird wie üblich gewechselt und der Fokus des Gesprächs wird vom Philister abgewandt und schlängelt sich wieder in Richtung eventueller Fehler und unergründlichen Gedankengänge des Dialogpartners, des Leidtragendes der Dummheit seines zerphillisterten Gesprächspartners... Halleluja!
Für's Protokoll: Es geht nicht um das Erwecken von Mitleid, das Rechtfertigen der eigenen Unfähigkeit oder das Erzwingen von Verständnis, um sich damit gegen Gutmenschen zu brüsten, sondern schlichtweg um das Verstehen dessen, was in solchen Gesellen wirklich vorgeht, und dem Versuch, die Fronten gleichsam zu klären.
Schon Autoren vergangener Zeiten kritisierten das gekünstelte, überparfümierte Gutmenschentum derer Lebenszeiten. Auch sie haben nicht verurteilt, sondern sich innerlich über dieses Klangkarussell entblößt, sodass die heutigen Ansichten im Antlitz eines vermeintlichen Philisters in Aktion nichts Neues zu sein scheinen und man sich damals wie heute verärgert zurückzieht und die anderen labern lässt.
Doch was nach wie vor vorherrscht und das Ganze Ringelreihen mit Chili entschärft, ist das verkniffene Gesicht eines innerlich grienenden und lachenden Menschen, der sich nur denkt "Ach wie gut, dass niemand weiß, auf wen und was ich alles scheiß'!"
Laut werden und mit erhobenem Ton Fakten wie Argumente einbleuen bringt nichts, mehrfach erprobt. Philister kann man nicht mit Argumenten überzeugen, sondern mit Standardsätzen und Emotionen. Man lässt sie am besten einfach reden, die Leute, verkneift sich das Mitleid ihnen gegenüber und hört auf,etwas beweisen zu wollen, wir haben doch auch Besseres zu tun, als das Heu im Nadelhaufen zu finden, oder? :) Das nennt man im Übrigen nicht rücksichtslos, sondern menschlich zielorientiert

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