Was ist eigentlich Rassismus?

von Alf Glocker
Mitglied

Ohne noch mehr Pferde scheu machen zu wollen, hat sich der Anti-Rassistische Zentralrat der unteren Oberwelt entschlossen, sich die verschiedensten Gedanken zu machen, damit endlich auf, ab und umgeklärt werden kann was „Rassismus“ überhaupt ist ...

Natürlich meldeten sich als Erste gleich wieder jene Herzchen zu Wort, die um beschwichtigenden Ausgleich bemüht waren. Sie redeten von Mindestlöhnen, vom Urlaubmachen, vom Schnittlauch und sogar von Sternbildern und sie sagten, der Rassismus käme vor allem in der Tier- oder Pflanzenzucht zum Tragen, wo man doch sehr auf Qualität und Aussehen zu achten habe, damit sich die Produkte in Zukunft nicht verschlechterten.

Das ließen jedoch die „Realos“ unter den Anti-Rassisten nicht gelten. Sie bestanden darauf, daß es auch rassistische Bestrebungen in Angelegenheiten gäbe, die den Menschen beträfen. Das löste natürlich in der Sternhagel-Vollversammlung der ONU* sofort lautstarke Proteste aus.

Daraufhin wurden umgehend Arbeitsgruppen und Ausschüsse gebildet, die nicht unbedingt aus Ausschüssen bestehen sollten, wobei aber wiederum Einspruch gegen den Begriff „Ausschuss“ eingelegt wurden. Aber nach langem Hin und Mit ging man dann doch her und begann zu recherchieren.

Zuvor jedoch wurden alle Teilnehmer unter Wahrheitsdrogen gesetzt und zur doppelten Sicherheit noch an einen Lügendetektor angeschlossen und zusätzlich in Informationsquarantäne gestellt, damit sie keinerlei Propaganda ausgesetzt seien. Dann ging es los – und die Ergebnisse waren verblüffend!

Ein Mensch mit seltsam abwesenden Blick behauptete plötzlich, die Beschneidung von männlichen Menschenwesen sei ein Akt des Rassismus, weil man diese dadurch den Frauen und damit der schrankenlosen Fortpflanzung total ausliefere, was in einem totalen Auslieferungskrieg enden würde.

Keinesfalls handle es sich dabei um eine hygienische Maßnahme. Das sei nur als Ausrede vorgeschützt! Das wahre Ziel der Beschneidung sei eben die Weltherrschaft der Beschnittenen und nichts als das! Zur Beschneidung der Frauen meinte er noch: „Das ist nicht einmal rassistisch, sondern nur sadistisch!“

Ein anderer führte die rassistischen Eigenschaften von Glaubensgemeinschaften vor, an. Wenn z.B. nur Menschen, deren Geburt durch eine Mutter der „richtigen“ Volksgemeinschaft zustande käme, dann handle es sich hierbei ebenfalls um einen – nur schlecht – kaschierten Rassismus!

Ein weiterer (Un)Mensch, der jedoch sofort von außenstehenden Beobachtern als rassistisch beschimpft wurde, ging sogar soweit zu sagen, jeder, ob beschnitten oder nicht, der seine Vorherrschaft durch übermäßiges Zeugen und Gebären gewährleisten wolle, sei rassistisch!

„Was ist denn dann mit den vielen Hungernden?“ rief einer aus der Menschenmenge, die vor dem, von innen verspiegelten Glasfenster des Tagungsraumes, des Arbeits-Ausschusses stand. Zum Glück konnten das die Mitglieder der Brainstormgruppe drinnen nicht hören, denn man hatte sie ja von allen Einflüssen isoliert.

„Dann wäre dieser linke Trick wirkungslos!“ brüllte ein anderer zurück, der jedoch sogleich von einer Gruppe Hungersympathisanten verprügelt wurde. Drinnen kam man mittlerweile zu einem weiteren kritischen Punkt der unvorhersehbaren Tagesordnung: Auch Leute, die auf andere herabsehen, weil sie keinen Glauben oder gar Hautfarbe haben, sind rassistisch!

Daß dies heftige Diskussionen zur Folge hatte, muss wohl nicht besonders erwähnt werden! Aber Wahrheitsdrogen und Lügendetektoren taten schließlich ihre erwartete Wirkung – und so konnten endlich alle Argumente qualitativ folgerichtig eingestuft und bewertet werden.

Man war zu folgenden Schlüssen gekommen: 1. Die Menschheit besteht nahezu ausschließlich aus Rassisten! 2. Es ist nicht wichtig, WIE der Rassismus zur Schau getragen oder ob er verschleiert wird – er ist vorhanden! 3. Der Rassismus gehört offensichtlich zum Überleben einzelner Arten, die sich ihre Identität zwecks Vielfalt bewahren sollten. Und 4. und letztens ... wer seinen Rassismus überbetont, durch Beschneidung, Glaubenszugehörigkeit, oder eitlen Stolz, der verstößt gegen die Menschenrechte!

Als das internationale Team zur Wahrheitsfindung in Sachen „Rassismus“ dann die Halle betrat, in welcher die Sternhagelvollversammlung der ONU tagte und seine sauer errungene Weisheit vortug, wurde es erwartungsgemäß ausgelacht, denn die Versammelten Rassisten hatten sich längst Strategien überlegt, wie man den jeweiligen Rassismus noch besser vor dem Weltgewissen verbergen kann ...

*Ohne Unterschied

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Kommentare

20. Apr 2017

Leider habe ich kein Hut-Gesicht, weshalb ich nie einen trage - sonst würde ich ihn jetzt aber ganz tief ziehen ...
Ein Supertext!!!
(Dazu das Bild ...!)

20. Apr 2017

Darf denn Rassismus VESchleiert werden?!
Allein beim Menschen? Dazu bei Pferden?

LG Axel

20. Apr 2017

Rassismus darf man nicht verschleiern -
nicht unter Preußen, nicht bei Bayern.

LG Alf