Miss Mutig und das leidige Thema „Sex“

von Alf Glocker
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Früher einmal war Miss Mutig einigermaßen attraktiv gewesen und sie hatte auch ein wenig darauf geachtet. Nicht zu viel natürlich, denn der dödelige Stein sollte niemals denken können, er solle sie ihres Äußeren wegen lieben. So unanständig sind Frauen einfach nicht und die mutigste aller Missen schon gar nicht.

Sie benahm sich anschmiegsam und gab sich in den ersten Wochen (nachdem sie ihn zuallererst ein paarmal tödlich beleidigt hatte und er daraufhin das Weite nicht suchte) ihrer jungen Verliebtheit auch einige Mühe, ihn zu verwöhnen und seelisch aufzubauen – und das, ohne ihren eigenen Stolz verletzen zu müssen …

Dann allerdings sah sie ein, eine gewaltige Aufgabe vor sich zu haben: Die bewusste Zerstörung einer Persönlichkeit, durch den steten Tropfen negativ wirkender Bemerkungen auf den heißen Stein. Jedoch nicht auf daß er gänzlich erkalte, nein, sondern damit er auf einen Lebensweg finde, der einer Frau auch gerecht werden kann.

Aber Sowass von Schlapp war eben von Natur aus ungerecht! Und begriffsstutzig über alle Maßen war er dazu – er wollte einfach nicht begreifen, daß auch Frauen zerstörerisch sein können. Und so ignorierte er alle pädagogischen Maßnahmen von Seiten der Miss, nahm einfach an, sie würde ihn lieben und vertraute auf die Zukunft.

Das allerdings kann nur ein Trottel machen: Auf eine Zukunft vertrauen, die er nicht vorher mit seiner Partnerin abgesprochen hat und sie maßgeblichen Anteil an der Planung dabei hatte. Wie die Planung dann allerdings aussah, würde er schon ahnen müssen, denn zu sagen gedachte sie ihm das selbstverständlich nicht.

Ein Mann, der nicht erspürt, was eine Frau möchte, ist kein Mann! Jedenfalls nicht in Miss Mutigs Augen. Und noch etwas: Ein Mann hat abrufbar zu sein! Er verzehrt sich 24 Stunden am Tag nach seiner Geliebten, und wenn es ihr dann einfällt, „Liebe“ gemacht haben zu wollen, dann muss er gradestehen und zwar hopp!

Der geneigte Leser wird es geahnt haben: Stein konnte auch das einfach nicht. Viel zu dumm und viel zu beschäftigt mit seinen „schönen“ Künsten, merkte er praktisch niemals, was da sehr oft auf ihn zukam. Dabei unterstützte ihn auch noch die Vorsicht, die er Miss Mutig angedeihen lassen wollte … so komisch das auch klingt.

Er dachte doch tatsächlich, sie nicht direkt auf seine „Bedürfnisse“ hin ansprechen zu dürfen. In den ersten Wochen war das vielleicht noch möglich gewesen, weil auch sie nicht „davon“ genug kriegen konnte, aber später hätte er sie schon vergewaltigen müssen, um sich selbst etwas Spaß zu verschaffen. So ein Typ war er aber eben auch nicht.

Was er für ein Typ war, konnte sich Miss Mutig nach einiger Zeit nicht mehr konkret vorstellen. Sie sperrte sich nur, wenn er einfach so daherkam und sie küssen wollte. Wozu sollte er denken, daß er ihr Lustgefühle verschaffen könne, wenn er sich sonst für alles als ungeeignet erwies?! Das wäre entschieden zu viel verlangt.

Wenn sie, Miss Mutig, dann auf einmal „Gefühle“ bekam, reagierte der Depp einfach nicht. Machte er das absichtlich? Sie traute ihm das, auf Grund ihrer jahrelangen Erfahrungen mit seiner Brutalität, locker zu. Er wollte sie erpressen! So viel stand fest! Er bedrohte sie, nachdem er ihr, ganz nebenbei bemerkt, keine Wünsche erfüllen konnte, mit Sex-Entzug!

Sie reagierte meist sehr diplomatisch darauf: Mit offen zur Schau getragenem Unmut. Soll er mich doch als Miss Unmutig erleben, dachte sie gewissenhaft. Dann wird ihm schon ein Licht aufgehen. Aber je unmutiger sie wurde, desto dunkler wurde die Atmosphäre im Haus Mutig, von Schlapp, und desto mehr fürchtete sich Stein vor einer Stimmungsentgleisung!

Am Abend war dann schließlich der Bogen bis zum Zerreißen überspannt – Miss Unmutig war derart enttäuscht, daß er nicht zu ihr kam, um sie zu trösten, um sie in die Arme zu nehmen und sanft zu streicheln, damit sie ihm daraufhin ordentlich die Leviten lesen und zu weinen beginnen konnte, worauf sie sich ihm endlich hinzugeben gedachte …

daß sie nichts mehr hielt! Sie bekam einen stieren Blick und ging zähnefletschend daran, irgendwelche nicht dringlichen Arbeiten zu erledigen. Dann wartete sie … Stein kam ab und zu vorbei, um sie angstvoll zu beobachten – und sie wollte ihn nicht enttäuschen! Wie konnte sie ihm wohl am besten zeigen, daß er nur Unsinn im Sinn hatte?

Richtig – sie musste ein Zeichen setzen. Als er wieder einmal antanzte, um sich ein Bild von ihrem Zustand zu machen, sah sie ihm voll ins Gesicht und weil sie gerade dabei war, die Spülmaschine auszuräumen (es war inzwischen 1 Uhr nachts geworden), kam ihr die zündende Idee: Sie warf ihm ein sauberes Glas vor die Füße, wo es zerbrach.

Stein erschrak wieder einmal bis ins Mark, ließ sich aber nichts anmerken. Er verließ schnellstmöglichst die Wohnung und machte einen langen Spaziergang – befürchtete er doch, die Miss würde die Scherben mit den Fingern zusammenklauben und sich dabei so stark verletzen, daß ihm endlich und unwiderruflich klarwerden musste, wie sehr er sie beleidigt hatte. Darauf hätte er keine Antwort mehr gehabt.

Er eilte hinaus und beschloss noch schnell, auf dem Friedhof vorbeizuschauen, wo ihn vielleicht ein paar romantische Kerzenflammen trösten würden. Er hoffte, die Toten sprechen zu hören. Doch als er das kleine Eisentor quietschend öffnete, ging in der Aussegnungshalle die elektrische Beleuchtung an. Stein erschrak an diesem Tage zu x-ten Mal!

Aber der Feigling wurde erlöst. Gegen 3 Uhr nachts rief die inzwischen von Unmutig zu Miss Mutig zurückentwickelte Partnerin auf dem Handy an und fragte, ob er nicht wieder nach Hause kommen wolle. Stein fiel ein Stein vom Stein … aber an Sex war an diesem Heute, das ja schon ein Morgen war, nicht mehr zu denken. Und er versagte erneut ...

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Kommentare

20. Mai 2020

LAUT Bertha Krause kommt so was dann raus,
Räumt man Geschirrspülmaschinen aus ...

LG Axel