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Magie eines Ortes

Bild von Susanna Ka
Bibliothek

Nebel über dem See,
die Stille in Watte gepackt.
Möwen gleiten lautlos hindurch.
Zehn Glockenschläge schweben über das Wasser,
klingen lange nach, ehe sie sich im Nichts verlieren.

Magie dieses einzigartigen Ortes.

Wir wollen mit der „Sonnenschein“ auf die andere Seite der Müritz. Da aber weder Radar noch GPS ihren Weg in dieses stille Land gefunden haben, müssen wir warten, bis sich der Nebel sich lichtet. Niemand hat es eilig. Der Schiffer lädt unsere Fahrräder auf das Vorderdeck. Einkaufswagen und Kinderroller folgen. Das Rufen und Scheppern stören die Stille nur kurz. Dann treten wir an die Reling und sehen zu, wie sich die ersten Sonnenstrahlen einen Weg durch den Nebel bahnen und ihn vergolden. Auf dem Steinwall neben der Anlegestelle stehen drei Reiher. Auch sie nebelgrau im goldenen Schimmer. Ein Bein unter das Gefieder gesteckt, beobachten sie uns, so wie wir sie beobachten. Lautlos zieht eine Segelyacht vorbei. Hinein in das Grau, das sie sofort verschlingt. Es schließt sich, wird wieder dichter und legt sich kalt auf unsere Jacken. Aus der Kajüte strömt Kaffeeduft.
„Das kann dauern…“
sagt der Schiffer und schenkt Kaffee aus, einen Becher für jeden. Gesprungenes Porzellan, gelöste Stimmung. Die Urlauber genießen das kleine Abenteuer, und die Einheimischen bleiben gelassen. Sie kennen diese Wetterlage und wissen, wie wichtig es für den Schiffer ist, die Tonnen und Markierungen entlang der Fahrrinne zu erkennen. Tückische Strömungen, Strudel und sich plötzlich auftürmende Wellenberge können selbst ein Fährschiff wie die „Sonnenschein“ in Schwierigkeiten bringen.
Von dem Oberdeck aus beobachte ich, wie der Nebel sich verdichtet und wiede auflöst. Wie Sonnenstrahlen sich hindurchkämpfen und wie aus dem Grau plötzlich ein leuchtendes Blau wird. Ich spüre Wärme, höre Möwengelächter. In der Ferne tuckert ein Außenbordmotor. Auch die „Sonnenschein“ vibriert. Sie will hinein in dieses Blau, will die Wasserfläche kreuzen, Gischt versprühen und mit heulender Sirene die Bewohner der Hausboote begrüßen.

Ich bliebe gerne hier. Zufrieden zwischen den ersten Sonnenstrahlen, einen Becher heißen Kaffee zwischen den Händen. Das sich stets verändernde Licht beobachten und den fernen Geräuschen lauschen.

Einfach… sein.

Text und Bild aus meinem Müritz-Tagebuch von 2015, etwas überarbeitet.

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Interne Verweise

Kommentare

25. Mai 2018

Einfach schön ... ist dieser Text, Susanna. Man möchte sofort auch dort weilen - für eine Weile - und die besondere Stimmung in dieser Gegend genießen. Danke für die wirklich hervorragende Prosa.

Liebe Grüße,
Annelie

25. Mai 2018

Ja, Dein Text ist wirklich fein -
Der Leser stellt sich gern dort ein!

LG Axel

25. Mai 2018

Ein wunderschöner Bericht! Ich habe das Gefühl, dabei zu sein und würde dort gern verweilen. Danke!
LG Greta

25. Mai 2018

Dein Text gefällt mir sehr, liebe Susanna, und auch das Ende und das schöne Foto, hab vielen Dank!
Lieben Gruß, Monika