Leben in Zeiten der Massenpsychose

von Sheo Gorath
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Dies ist ein persönlicher Erlebnisbericht über den Versuch während des
Höhepunkts der Corona-Eskalation in Deutschland und Europa zwei Wochen in
Urlaub zu fahren. Er enthält gesammelte Beobachtungen und Gedanken aus dieser
intensiven ersten Zeit und des folgenden Vierteljahres in einer sich rasend
schnell verändernden Gesellschaft.

Corona begann Teil meines Lebens zu werden, während ich gerade im Begriff war,
zwei Wochen Urlaub zu genießen. Es ist leider bei dem Versuch des Genusses
geblieben. Stattdessen erlebte ich das Gegenteil von Urlaub in Tagen, die vom
Corona-Virus beherrscht, ja überwältigt waren. Zwischenzeitlich fühlte ich
mich von den Vorgängen um mich herum stark belastet. So eine Belastung soll
man ja selbst behandeln können, indem man seine Last einfach aufschreibt und
so verarbeitet. Also dachte ich mir: Warum nicht einen Erlebnisbericht
schreiben über den Versuch zwei Wochen Urlaub während der CoronaEskalation in
Deutschland zu machen? Ich machte mich an die Arbeit. Letztendlich ist es eine
Art Zeitzeugenbericht über ein Vierteljahr leben mit Corona in Deutschland
geworden. Die Zeit, die Vorgänge in der Gesellschaft alleine auf der Sachebene
zu betrachten, erscheint mir schon lange vorbei zu sein. Von daher nehme ich
ganz ausdrücklich eine subjektive, von meinen Wahrnehmungen geprägte Haltung
in diesem Text ein. Außerdem betrachte ich vieles ironisch und mit einem
zwinkernden Auge. Das Ergebnis finden Sie im Folgenden.

Seit Jahren meide ich die Leitmedien und nutze vornehmlich alternative Quellen
verschiedenster Art, um mich zu informieren. Die tagesaktuelle und oftmals
hysterische Berichterstattung ist mir zuwider und ich bevorzuge es nüchterne
und möglichst aufgeklärte Beiträge in zusammenhängender Form zu konsumieren.
Mit dieser Grundeinstellung zur Mediennutzung gingen die Ereignisse in der
chinesischen Stadt Wuhan zu Beginn des Jahres 2020 größtenteils an mir vorbei.
Irgendetwas an diesem Thema erschien mir damals wenig konstruktiv und
nützlich, so dass mein Verlangen nähere Informationen darüber zu erhalten
nicht besonders groß war.

Die Grundzüge der Vorgänge dort blieben mir dennoch nicht verborgen: Ein neues
Virus sei dort vom Tier auf den Menschen übergesprungen. Ein Virus mit dem
geschmeidigen Namen „Corona“, oder für diejenigen, die sich lieber etwas
technisch-professionell geben „COVID-19“. Bei letzterem handelt es sich
lediglich um eine (englische) Abkürzung für „Corona Viruserkrankung 2019“. Es
hieß dieses Virus befalle die Atemwege, sei gefährlich für den Menschen, und
der chinesische Staat würde autoritäre Maßnahmen ergreifen, um die weitere
Verbreitung der Krankheit zu stoppen. Wärmekameras allerorten sollten helfen,
Menschen mit Fieber aus der Bevölkerung zu fischen. Die Bewegungsfreiheit der
Bürger wurde eingeschränkt. Unter Internetnutzern kursierten allerlei vage
Informationen zu der Lage in Wuhan bis hin zu Behauptungen wie derjenigen,
dass dort Menschen ohne Vorwarnung einfach von jetzt auf gleich tot umfallen
würden. Auch die Vermutung war zu hören, dass dieses Virus gar nicht
natürlichen Ursprungs sei, sondern aus einem Labor in der Stadt Wuhan stammen
könnte.

Schließlich hörte ich, dass China große Teile seiner Volkswirtschaft
stillgelegt hatte, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Wie bitte? Das
machte mich doch hellhörig, das war ja schon eine Dimension. Existierten die
Aktienmärkte noch? Die gerieten ja schon leicht in Schnappatmung, wenn ein
Araber ein Fass Erdöl fallen ließ. Aber noch schien es nur leichte Einbrüche
an „den Märkten“ zu geben. Einige Wochen später war zu hören, dass China seine
Volkswirtschaft langsam wieder anfahre und die Virusproblematik innerhalb
seiner Grenzen für erledigt betrachte. Die Krankheit sei nur noch ein
„ausländisches Problem“. Derweil sollten sich mit dem Corona-Virus infizierte
Menschen über den halben Erdball verteilt haben. Nun begannen die Medien
hierzulande weltweit Fallzahlen zu zählen und eine zunehmende Hysterie machte
sich breit.

Die Krankheit erreicht Europa

Vor allem in Norditalien sollte sich mittlerweile ein großer Corona-Herd
entwickelt haben und der italienische Staat hatte aus diesem Grund dort erste
Gebiete abgeriegelt und beschränkte den Personenverkehr aus diesen Gebieten
heraus und in diese Gebiete hinein. Wie ich erst später in den Leitmedien
lesen konnte, soll in der norditalienischen Stadt Bergamo gar das „Epizentrum“
des Corona-Virus in Europa gewesen sein. Dies war Anfang März und ich war
bereits genervt von der zunehmenden Berichterstattung über Corona-Fallzahlen
selbst in den alternativen Medienkanälen. Ganz zu schweigen vom Erbsenzählen
einzelner Erkrankungen und den reißerischen Echtzeit-Tickern in den
Leitmedien.

Am 15. März sollte der gemeinsame Urlaub mit meinem Lebenspartner beginnen.
Wie jedes Jahr am Ende der Winterzeit hatten wir einen Aufenthalt am
Mittelmeer geplant, wo es um diese Zeit schon recht warm und Frühling ist.
Fast ein halbes Jahr ohne längere Auszeit lag hinter uns und wir freuten und
schon sehr auf die bevorstehende Zeit der Entspannung. Unser Reiseziel hatten
wir schon lange festgelegt: Es sollte nach Sizilien gehen. Die
Berichterstattung aus Norditalien irritierte mich zunehmend, doch versicherte
ich mir und anderen, dass Sizilien sicher nicht von Beschränkungen betroffen
werden würde. Immerhin ist es doch eine Insel und am anderen Ende von Italien. Da würde ja
das ganze Land abgeriegelt werden müssen, damit es so weit kommt.

In diesen Tagen begann man in meiner Firma „Schutzmaßnahmen“ für die
Mitarbeiter zu ergreifen. Solcher ungefragter „Schutz“ anderer sollte in der
nächsten Zeit ein immer stärker strapaziertes Wort werden. Die ersten
Maßnahmen sahen vor, dass die Putzkräfte im Gebäude künftig jeden Tag alle
Türgriffe desinfizieren sollten. Weiterhin sollten auch die Schreibtische
aller Angestellten gewischt werden. Nachdem also täglich die diversen
Türgriffe von Durchgangstüren, die immer verschlossen gehalten werden mussten,
einige tausend Male berührt wurden, sollte jemand kommen, um sie zu
desinfizieren. Und mein Schreibtisch, auf dem sich eigentlich nur der Schmutz
befinden sollte, den ich ohnehin mit mir herumtrage, sollte nun erstmals nach
Jahren Säuberung erfahren. Da fühlte ich mich schon deutlich beruhigter. Ich
dachte an die Erkältungswelle die einige Monate zuvor durch die Reihen der
Büros um mich gefegt war. Rund die Hälfte aller Kollegen hatte es innerhalb
einiger Wochen erwischt. Und wie so oft waren einige dabei, die trotzdem krank
ins Büro gekommen waren. Es war das übliche saisonale Leid des Winters. Dieser
selbstverständliche Umgang mit Krankheit war jetzt undenkbar geworden. Es war
zwar praktisch niemand in meinem Arbeitsumfeld mehr krank. Aber auch nur der
leiseste Verdacht eines Hustens sollte nun Anlass sein, sich selbst zu Hause
unter Quarantäne zu stellen.

Über das Wochenende vom 7. und 8. März beschleunigte sich die Hysterie noch um
einige Grade. Am Freitagabend zuvor erreichte mich und meine Gruppe im Büro
die Mitteilung unseres Chefs, dass er die Situation (das hieß vermutlich die
Berichterstattung über Corona) genau im Auge behalte und jederzeit bereit sei,
darauf zu reagieren. Derweil sollten wir als seine Untergebenen sofort
etwaige Veränderungen unseres Gesundheitszustandes an ihn berichten. Es war
ein interessanter Vorschlag, doch war ich stark der Meinung, dass meine genaue
körperliche Verfassung meine Firma zunächst einmal nichts anging. Am
darauffolgenden Montag machte ich mich wie eh und je auf den Weg in mein Büro
und begann mit meiner Arbeit. Nach dem ersten Durchstöbern

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