Leben in Zeiten der Massenpsychose - Page 6

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allgegenwärtigen und von uns
nurmehr noch als Propaganda wahrgenommenen Berichterstattung ein Stück weit zu
entziehen, indem wir alternative Begriffe einführten, die in unseren Köpfen
nicht die Verknüpfungen auslösten, die in den Massenmedien damit transportiert
wurden.

Als erste Hilfe entschlossen wir uns, uns auf die Anfangsbuchstaben der
belastenden Begriffe zu beschränken. C für Corona. AS für die Ausgangssperre.
ZI für die Zwangsimpfung. Alternativ vereinbarten wir vom Kronenvirus (Corona
kommt aus dem lateinischen und steht für Krone) oder davon abgeleitet von der
Königsgrippe zu sprechen. Und für die bereits umtriebig gewordene Redewendung
„bleib gesund“ führte ich den Gegenentwurf „bleib bei Verstand“ ein. In diesem
Sinne will ich diese Begriffe auch für den Rest dieses Berichts verwenden, um
auch Ihnen werter Leser eine verdiente Pause bezüglich dieser
Begrifflichkeiten zu verschaffen.

Am Tag der Abreise von der Insel trafen wir ein letztes Mal auf die
Vermieterin unserer Ferienwohnung. Auch hier herrschte Kulanz: Die nicht in
Anspruch genommenen Übernachtungen versprach sie uns unkompliziert
zurückzuerstatten. Ich nahm bei ihr ein kurzes Aufflackern eines inneren
Konflikts wahr, den ich in den kommenden Tagen öfter bei meinen Mitmenschen
beobachten sollte. Auch sie konnte die Berichterstattung nicht mit der eigenen
erlebten Wirklichkeit in Einklang bringen. Mit einer Geste wies sie auf die
umliegende Häusersiedlung und sagte: „Es ist schon komisch. Es ist ja noch
alles da!“. Doch schnell schaltete sie wieder zurück in die Welt der
Informationswut: Wie viele Infizierte es über den ganzen Globus verteilt gebe,
was da noch alles auf uns zukommen könnte, der große Stillstand allen
öffentlichen Lebens. Fast wie eine Gabe Gottes schien diese Abriegelung auf
die Insel herabgefallen zu sein. Manchmal glaubte ich einen unterbewussten
massenhaften Wunsch der Menschen zu spüren, jetzt endlich einmal mit aller
Gewalt die nationale Notbremse zu ziehen. Wollten sie etwa das „Ende der
Megamaschine?"’ (-> https://www.megamaschine.org).

Heimkehr in ein Katastrophengebiet

Ich war gespannt, ob mir das Land auf der Heimreise in einem veränderten
Zustand begegnen würde. Gerade einmal zwei vollständige Tage konnten wir auf
der Insel verweilen. Am Abreisetag zeigte sich das Nordseewetter von seiner
schmuddeligen Seite: nasskalt und grau. In der Wartehalle am Hafen fand sich
nur noch eine kleinere Gruppe Gäste von etwa fünfzig Personen ein, die meisten
davon im Rentenalter. Die Verkehrsmittel waren alle noch zuverlässig, jedoch
noch leerer als auf der Herfahrt zuvor. Im Regionalexpress tauchte überhaupt
kein Personal mehr auf. Im ICE durften Fahrkarten vom Bahnpersonal nun nicht
mehr in die Hand genommen werden. Die diversen Elektronikgeräte erledigten die
Prüfung jedoch auch auf größere Entfernung. Dabei fiel mir als
Fahrkarteninhaber die peinlich berührende Rolle zu, die Fahrkarte so
vorzuzeigen, dass das Einlesen dem Zugbegleiter möglich wurde, ohne dass ich
ihn jedoch dem Risiko aussetzte, sich bei mir an einer tödlichen Krankheit
anzustecken. Das Bordrestaurant war geschlossen, Getränke wurden keine mehr
verteilt. So fand sich die Bordmannschaft des Zuges mangels ausreichender
Arbeit schließlich selbst im Bordrestaurant ein und machte es sich dort
bequem.

In Hamburg stieg ein älteres Ehepaar in unser Abteil zu und setzte sich uns
schräg gegenüber. Der Frau schien es auch nicht ganz mit rechten Dingen
zuzugehen. „Das war komisch vorhin im Hotel“, hörte ich. Offenbar handelte es
sich auch um vertriebene Urlauber. Der Mann blickte immer wieder einmal zu
uns, als wollte er ein Gespräch anknüpfen, doch es kam nicht dazu. Ich
spekulierte schon, ob es sich um einen Kritiker oder wenigstens Zweifler an
den aktuellen Vorgängen handeln könnte. Bislang schien ich einer der wenigen
zu sein, die dies alles skeptisch beäugten und es störte mich, dass die
meisten Mitmenschen das unkritisch mit sich geschehen ließen, mit einer
Schicksalsergebenheit, als handelte es sich um ein Wetterphänomen und nicht um
menschliche Entscheidungen. Doch die Ernüchterung kam, als das Ehepaar einen
kleinen Imbiss zu sich nahm. Auf das vorsichtigste wurde die Nahrung von
ihnen nur an Papierwickeln angefasst. Am Ende zückte der Mann aus seiner
Hemdtasche eines jener Fläschchen mit Desinfektionsflüssigkeit, wie sie mir
mein Vater einige Tage zuvor noch als kommentarloses Präsent mitgebracht
hatte. Der Mann nutzte es, um sich gemeinsam mit seiner Gattin die Hände
gründlich zu säubern. Wenn sie die Keime nicht schon mit dem Essen zu sich
genommen hatten, so konnten sie ja jetzt immer noch an ihren Händen haften.
Das Desinfektionsfläschchen in den Hemdtaschen von Rentnern schien nun zu
einem festen Bild in der Öffentlichkeit zu werden. Es stellte sich mir
mittlerweile fast wie eine Erkennungsmarke dar: „Ich bin dabei!“.

Ein Blick auf die neuesten Verlautbarungen der Stadtverwaltung der Insel, die
wir gerade verlassen hatten, zeigte, dass die Tonlage sich mittlerweile
geändert hatte. Während zuvor noch eine Kritik an den Anordnungen der
Landesregierung mitgeschwungen war, wurden nun die noch auf der Insel
befindlichen Gäste kritisiert. Einige Gäste hätten noch nicht den Ernst der
Lage verstanden, hieß es, und manche Gastgeber würden gemeinsame Sache mit
ihnen machen. Es wurde ein Stichtag verkündet, zu dem die letzten Gäste die
Insel zu verlassen hatten. Doch dieser wurde mittlerweile schon zwei
Kalendertage nach Vorne verlegt. Entweder herrschte in der Verwaltung
weiterhin Chaos, oder die Gäste sollten absichtlich entnervt werden angesichts
dieser unzuverlässigen Informationen. Weiterhin hieß es, dass die Insel der
schlechteste Ort sei, um sich die Königsgrippe einzufangen. Es gebe bereits
zwei bestätigte Fälle auf der Insel. Ich fragte mich, wie es diesen beiden
Fällen wohl ergehen mochte. Ich erinnerte mich an das Radio-Interview, welches
ich einige Tage zuvor aufgeschnappt hatte. Wahrscheinlich ging es ihnen gut,
vermutete ich.

Es war mir nicht erklärlich, weshalb man die Menschen drängelte, die Insel zu
verlassen. Die meisten von ihnen waren höchstwahrscheinlich nur zu einem
Urlaub von einer oder zwei Wochen angereist. Das „Problem“ hätte sich über
kurz oder lang von selbst erledigt. Doch es ging auch um die Bewohner mit
Zweitwohnsitz auf den Inseln. Ein solcher sollte in Zeiten von C nicht mehr
ausreichen, um seine Anwesenheit zu rechtfertigen. In Schleswig-Holstein hatte
der dortige Gesundheitsminister diese Gruppe Menschen offenbar als besonderes
Feindbild entdeckt und drohte: Wenn die Menschen mit Zweitwohnsitz nicht
freiwillig die nordfriesischen Inseln verlassen würden, würde man Mittel und
Wege finden, sie dazu zu bringen. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen, doch
schien mir die politische Beschäftigung mit dem Thema wie eine unnötige
Energieverschwendung. Um wie viele Menschen mochte es sich hier handeln? Wer
sich einen Zweitwohnsitz auf einer deutschen Nordseeinsel leisten konnte,
musste schon das nötige Kleingeld haben. Und würden diese Menschen gerade
diese chaotischen Tage auf einer Nordseeinsel verbringen? Und wenn ja, was
bedeutete das für die erklärte Pandemie? Solche Einordnungen waren nicht im
Angebot von Politik und Leitmedien. Mir schien es, als ginge es gerade einfach
nur ums Prinzip. Der Staat wollte seine Macht ausüben und einen Druck
aufbauen, ohne sich erklären zu müssen.

Von diesen Details abgesehen sah die Republik nicht viel anders

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