Kraft und Schönheit

von Alf Glocker
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Wurzeln, Stämme, Äste, Zweige und Blätter schieben sich, vom Jenseits aus, in das Licht hinein. Sie wurden auf einen Planeten geführt, auf dem der Schöpfungszwang voll zur Geltung kommt. Hier gibt es auch noch andere Lebensformen: Eine reichhaltige Flora und Fauna erstreckt sich, um in Kraft und Schönheit (innere und äußere) miteinander zu wetteifern! Denn Schönheit und Kraft sind keine unnützen Dinge, sondern die Grundelemente der Humanität – ohne sie ist nichts Vernünftiges denkbar. Ohne einen sinnigen Maßstab geht nämlich alles daneben – wobei man ergänzen sollte, daß die neuerdings allseits erwünschten Plattitüden auch nicht weiterhelfen ... Die Natur furzt sich nicht Argumente aus den Hinterbacken, die „mir ist alles egal, weil sowieso alles gleich ist“ lauten. Sie führt uns ihre Vorstellungen deutlich vor Augen, und es liegt an uns, dann damit so zu verfahren, damit nichts mehr einen Sinn ergibt.

Wir verhalten uns vergleichsweise wie ein Mineralwasserhersteller, der seine gute Quelle extra vergiftet, damit er schlechtere Qualität verkaufen kann (als ob es das nicht gäbe), oder wie ein Bauer, der absichtlich seine Felder überdüngt, damit seine nächste Ernte schwer mit Schadstoffen belastet ist (als ob es das nicht gäbe), wie ein Industriebetrieb, der streng darauf achtet, dass die Qualifikation seiner Arbeiter und Angestellten ständig abnimmt, damit er schlechtere Waren herstellen kann (als ob es das nicht gäbe), oder wie der oberste Guru einer vergleichsweise harmlosen Religion, der ständig verkündet, daß eine konkurrierende, sehr gefährliche Religion, ebenso gut ist wie seine (als ob es das nicht gäbe ...). Darüber hinaus gefährden und bekämpfen wir alle Kräfte auf der Erde, die klugen Prinzipien folgen – ist das nicht seltsam?

Hat sich die Evolution ins Gegenteil verkehrt? Pflegt sie neuerdings einen Wettbewerb, der nach unten, anstatt nach oben weist? Und: Tun wir das, weil wir glauben alles NOCH besser zu wissen, als eine viele Millionen Jahre lang funktionierende Methode? Wenn die Natur jemals gesagt hätte: „Ab jetzt bin ich mit allem, was geschaffen wurde so sehr zufrieden, daß ich es mir leisten kann zu behaupten, ALLES sei GLEICH? Der Farn ist so gut wie der Baum, nicht blühende Pflanzen sind ebenso schön wie blühende, Wanzen und Asseln arbeiten so effizient wie Ameisen oder Bienen? Das Faultier ist genauso schnell wie der Gepard? Sicher kann man jetzt einwenden: In seiner Nische hat eben jeder seine ganz spezielle Daseinsberechtigung!“ Und wisst ihr was?? Das stimmt! Jeder in SEINER Nische!! Es hat also keinen echten Sinn, wenn wir das Faultier von den Bäumen holen oder den Geparden zwischen Gämsen im Hochgebirge stellen. Das würden beide nicht lange überleben ...

Wir aber glauben ein Prinzip erfunden zu haben, nachdem vergiftete Brunnen besser sind als klare Quellen, bei uns hüpfen die Elefanten von Ast zu Ast, die Affen werden Professor für Philosophie, Kinderschänder werden als Nachwuchsbetreuer eingestellt, und geistig Schwerbehinderte stehen Regierungen vor. Wir entscheiden, daß man z.B. kein Flüssigsalz in Kernreaktoren, anstelle von Uran, verwenden darf, weil dabei das Nebenprodukt Plutonium nicht anfällt und es auch sonst ungefährlich ist, wir verkaufen Patente an Nationen, die nachweislich Völkermord betreiben, und niemand anderer als WIR sorgen dafür, daß alles wirklich Brauchbare am sogenannten „Menschenmaterial“ klein gehalten wird, und sich dafür Verbrecher überall begünstigt sehen. Man könnte glauben, wir hätten uns entmaterialisiert, uns aus der Natur extrahiert, ja, uns schlichtweg über alles Lebendige so weit erhoben, daß man uns nur noch als Engel bezeichnen kann! Hosianna!

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Interne Verweise

Kommentare

25. Okt 2016

Gedanken, die einen schon lange plagen
seit jenen frühen Erdentagen
als sich die Schwachen vereinten
gegen den einzelnen, Weisen...

Und um der Mehrheit willen
mehrt Gleichschritt den Fortschritt
und weiter fort bleibt das Gewissen
damit man lustig weiter f...t!

LG. Waldeck