Das Walrecht

von Alf Glocker
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Sie wälzen sich majestätisch durch die Gewässer des Stillen Ozeans und natürlich auch durch die aller anderen Ozeane, sie singen, pfeifen, sie rotten sich zusammen, sie gebären sogar manchmal, wenn auch nicht oft … und: Die Forscher sind ihnen auf der Spur!

Diese haben sich selbst beringt und mit Peilsendern versehen, um nicht verloren zu gehen, denn sie müssen ihnen zunächst einmal folgen, den Riesen der Meere, nein, des Planeten – und das hat einen guten Grund: Ihre Gesänge haben sich verändert.

Nicht die der Forscher natürlich, sondern die der Wale, und das beunruhigt die Wissenschaft. Anscheinend ist unter den gewaltigen Tieren – nicht einmal das weiß man genau … ob es sich dabei um Tiere handelt – ein Streit darüber ausgebrochen, was nun ein Wal ist und was nicht.

Die einen sagen: „Nur wer über 10 Meter lang ist und enorme Schwanzflossen hat, der ist ein Wal!“. Dagegen haben aber sofort die Killerwale protestiert, denn eine Länge von 10 Metern können sie, bei Dings, nicht aufweisen. Aber da gibt es noch mehr Kandidaten …

„Was ist eigentlich mit uns?!“, protestieren die Walhaie, wir sind schließlich Wahl-Wale, so groß, daß wir leicht als Wale durchgehen könnten. „Über 10 Meter sind wir locker!“ Die Delphine aber lachen darüber gackernd. „Ihr habt doch kein Hirn!“, schnattern sie eifrig.

„Und Hirn ist für Wale unerlässlich“, meinen die weißen Wale, die ebenfalls unter 10 Metern rangieren. Den Stör stört das ganze Gelaber, denn auch bei ihm soll es zumindest Exemplare gegeben haben, die über 10 Meter lang waren. Das ist doch immerhin auch was …?

„Konzentriert euch lieber auf euren Kaviar!“, skandieren die See-Elefanten, „wir sind auch mächtige Tiere und haben das Recht, ‚Wal‘ genannt zu werden, aber da mischen sich die Riesen-Tiefsee-Kraken ein: „Wir können es mit euch allen aufnehmen – die echten Wale sind wir!“

Inzwischen haben die Forscher in ihren Taucheranzügen den Überblick verloren. Die Ringe fallen ihnen aus den weich gewordenen Ohren und die Peilsender verpeilen sich zunehmend … sie geben überhaupt keine schlüssige Richtung mehr an, die Signale kommen von überall her.

Das kann selbst der Stille Ozean nicht mehr aushalten. Er schäumt, er bäumt sich apokalyptisch auf und schickt einen Tsunami nach dem anderen an die Küsten, wo er damit die Silberfischchen überschwemmt, die sich ebenfalls gerade für das Walrecht eintragen wollten …

Dann ebbt das kuriose Schauspiel ab! Wal bleibt Wal, da hat man keine Wahl. Wer Wal ist, der kann Wal werden, wer nicht Wal ist, der bleibt eben, was er ist. Da haben die Aufsässigen aus allen Schichten leider keine Wahl: Wal muss Wal bleiben! Das ist alternativlos!

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Kommentare

26. Aug 2017

Die Krause ist ein Blau-Wal wohl -
Sie badet gern im Alkohol ...

LG Axel